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trend onlinezeitung für die alltägliche wut
Nr. 7-8/1998
 

trend´s Buchtips
für die Reisetasche

 

buch2.jpg (7285 Byte) Andreas Buderus

Fünf Jahre "Glatzenpflege auf Staatskosten" -

Jugendarbeit zwischen Politik und Pädagogik

Sozialpädagogische (Jugend-) Projekte gegen Rassismus und Gewalt seit Hoyerswerda

Hardcover 200 Seiten 29,90 DM ISBN 3-89144-246-7

 

Der in weiten Teilen der Gesellschaft grassierende Rassismus wird medienwirksam als Jugendproblem dargestellt, wahrgenommen, identifiziert und "behandelt". Das Bild vom brandschatzenden Naziskin entlastet die Täter in Nadelstreifen und Krawatten - in Parlamenten und Amtsstuben.

Der Stammtischbruder kann über diese "verkommene Brut" schwadronieren, während er gleichzeitig den Aufruf "Kein Asylantenheim in unserem Viertel" unterschreibt.

Wieder einmal ist die Jugend Symptomträgerin einer gesamtgesellschaftlichen Stimmung und Entwicklung, deren häßliche Fratze niemand gerne mit sich in Verbindung bringen läßt. Erneut ist Jugendarbeit dazu aufgerufen, "die Kids" wieder auf die Reihe zu bringen. Sinnstiftung zu betreiben und zumindest für Ruhe, wenn nicht schon für Ordnung zu sorgen.

Auf der anderen Seite befindet sich die Jugendarbeit heutzutage in einem ständigen Abwehrkampf gegen flächendeckende Mittelkürzungen, die regelmäßig und pauschal mit "Haushaltskonsolidierung" begründet werden.

Auf dem Erfahrungshintergrund diverser seit dem Pogrom von Hoyerswerda durchgeführter Jugendprojekte erörtert der Autor verschiedene Fragen, in denen sich die komplexe und häufig widersprüchliche Realität sozialpädagogischen Handelns mit rechten und gewaltbereiten "Kids" widerspiegelt:

Andreas Buderus ist Sozialarbeiter und betreute bis Saisonende das Fan-Projekt des l. FC Köln

 

 buch1.jpg (8362 Byte) Ulrich Sander

Szenen einer Nähe

Das große Rechtsum bei der Bundeswehr

Hardcover, 160 Seiten, 19,90 DM /19,40 SFr. / 145 ÖS

ISBN 3-89144-258-0

 

Der Vortrag des verurteilten Neonazi Roeder vor der Bundeswehrakadcmie und das Gewaltvideo von Hammelburg sind nur die bekanntesten neonazistischen Vorfälle bei der Bundeswehr. Einzelfälle nennt die Bundeswehrführung jedes neue Bekanntwerden rechtsradikaler Umtriebe.

Ulrich Sander, Journalist mit dem Arbeitsschwerpunkt Rechtsradikalismus, schildert Einzelfälle aus dem Bundeswehralltag. Insofern folgt er Bundesverteidigungsminister Volker Rühe, der aber hinter dem Bundeswehrskandal nur solche erkennt.

Allerdings hat er allzuviele Einzelfälle gefunden und sich die Freiheit genommen, hinter diesen Einzelfällen Verbindendes zu analysieren. Er hat die Vorfälle vor allem in den Zusammenhang der Entwicklung der Bundeswehr und der Militärdoktrin der Generalität nach 1989 gestellt. Dabei tritt zutage, wie weit die Bundeswehr inzwischen wieder in die Traditionslinie von Reichwehr und Wehrmacht gestellt wird, nicht allein von rechten Strategen und ihren jugendlichen Anhängern, sondern von den verantwortlichen Generälen und dem Wehrminister.

Dieser Prozeß findet öffentlich statt, wenn auch nicht immer offen. Er dringt aber zu wenig ins Bewußtsein der Öffentlichkeit, weil die Medien ihn nicht konsequent genug beschreiben. Zu vereinzelt sind die Stimmen wie die des ehemaligen Mitarbeiters des Militärgeschichtlichen Forschungsamts Freiburg. Wolfram Wette, der über die vertcidigungspolitischen Richtlinien von 1992 in der "Zeit" schrieb, das "hätte man früher rundheraus als ein imperialistisches Programm bezeichnet".

Wilhelminisches Kaiserreich und die Bundesrepublik scheinen wenig Gemeinsames zu haben und ein neuer großer Krieg hat noch keine rechte Gestalt angenommen. In den Grundmelodien heutiger und damaliger Strategen klingt vieles jedoch seltsam ähnlich. "Kerneuropa" unter deutscher Führung, "ungehinderter Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt", Osterweitcrung der EU und NATO, "Umrüstung (der Bundeswehr) zur Intcrventionsarmee'' sind die modernen Begriffe und Zielsetzungen. Diese erinnern fatal an historische Vorbilder und Ansprüche, deren konsequente Durchsetzung letztlich in zwei Weltkriegen mündeten.

Insofern ist die offizielle These abzulehnen, daß die Bundeswehr nur Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit sei. Tatsächlich schafft sie die Bedingungen und das Umfeld für die neonazistischen Skandale selbst.

Bestellungen an:
Pahl-Rugenstein Verlag Nachf.
Breite Str. 47, 53111 Bonn Tel.0228/63 23 06 Fax 0228/6349 68

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