Resultate der Arbeitskonferenz -
Theoretisches Organ der Roten Zellen/AK München
1. Jg. Nr. 1, September 74 (S.47ff):
Der Aufbau des Kapital (1) [Forts.] |S.62ff|
Erster Abschnitt: Ware und Geld
1.Kapitel: Die Ware

[Zum Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit]

2. Die Ausführungen zum Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit fassen Konsequenzen zusammen, die sich aus dem Inhalt der Wertbestimmung ergeben: die Tätigkeit, die Waren zu ihrem Resultat hat, ist selbst zwieschlächtiger Natur:
,,Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit". (MEW 23/56)
Als solche Tätigkeit, deren Zweck in der Herstellung eines nützlichen Gegenstandes liegt, wirkt sie entsprechend dem Zweck auf ein ,,materielles Substrat, das ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist" (MEW 23/57) unter Verwendung gemäßer Mittel ein:
,,Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat" (MEW 23/56)
Derselbe Rock charakterisiert sich im Austauschverhältnis mit Gebrauchswerten anderer Art als Wert, somit als Resultat von Arbeit, die keinerlei Differenz zur produktiven Tätigkeit aufweist, die andere Gebrauchswerte hervorbringt:
,,Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdricke gleichar-tiger Arbeit" (MEW 23/58)
|63|64|Die Gleichheit der verschiedenen Arbeiten unterstellt eine ihnen gemeinsame Qualität, eine Eigenschaft, die ihnen allen zukommt, sofern - wie es die vollzogene Gleichsetzung der Ware ausdrückt - von ihren Besonderheiten abstrahiert wird. Die doppelt bestimmte Arbeit muß die praktizierte Abstraktion von ihrer Besonderheit sein; als solche zeichnet sie sich durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel, Resultat aus und vollzieht sich zugleich getrennt, in Abstraktion von dieser ihrer Bestimmtheit. Was als positive Bestimmung der abstrakten Arbeit bleibt, ist
,,daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist, produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw." (MEW 23/58) ... ,,Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn" (MEW 23/61)
Damit ist ausgesprochen, daß die warenproduzierende Arbeit, wiewohl auf Gegenstände des menschlichen Bedürfnisses gerichtete zweckmäßige Tätigkeit, insofern als Einheit von natürlichem und geistigem Prozeß bestimmt, in einer Weise verrichtet wird, die sie zur bloßen Betätigung der Naturkraft des Menschen macht. Noch vor der Kenntnisnahme der Eigenarten kapitalistischer Produktion - zunächst ist immer noch die Ware Gegenstand der Untersuchung - zeigt uns die positive Bestimmung der abstrakt-allgemeinen Arbeit, was es heißt, warenproduzierende Arbeit zu verrichten. Sie ist nicht Betätigung der Individualität des Arbeitenden, sondern Verausgabung seiner Körperkräfte, Reduktion seiner Tätigkeit auf die Funktionen seiner Leiblichkeit.
,,Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt, so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondre Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt." (MEW 23/59)

Alle Arbeiten gelten also - ohne Ansehen ihrer Kompliziertheit - als diesselben einfachen Arbeiten: die Gleichsetzung der Produkte als Tauschwerte zeigt dies schlagend. Wenn sich diese als Werte gleich sind, dann kann auch die Besonderheit der Arbeiten, die mit ihrer verschiednen Kompliziertheit gegeben ist, nicht relevant sein. Marx' Ausführungen zu den verschiednen Proportionen,
,,worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind", (MEW 23/59)
machen deutlich, daß die Reduktion stattfindet, die näheren Umstände, wie die verschiedene Kompliziertheit konkreter Arbeiten auf die Größe des Tauschwerts einwirkt, aber in die Behandlung der Konkurrenz gehören (19).
|64|65| Aus dem Doppelcharakter der Arbeit, dem Springpunkt - ,,um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht" - (MEW 23/56), wird schließlich auch deutlich, welches gesellschaftliche Verhältnis der Individuen zueinander in der Elementarform des Reichtums eingehüllt ist. Die Waren treten sich im Austauschverhältnis als verschiedne Gebrauchswerte, also auch als Produkte hesondrer Arbeiten gegenüber, zeigen aber in ihrer Wertgegenständlichkeit, daß sie Teile einer Einheit darstellen, daß die besonderen Arbeiten also Glieder eines gesellschaftlichen Zusammenhangs von Arbeiten sind:
,,In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart. Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arheit" (MEW 23/56) (20)
Doch machen die Waren ihre Zugehörigkeit zu einem gesellschaftlichen System der Bedürfnisse und die besonderen Arbeiten ihren Charakter als Teiltätigkeit eines Zusammenhangs von Arbeiten eben nur in ihrer Wertgegenständlichkeit bzw. in der Form der abstrakten Allgemeinheit geltend (21). Als besondere Arbeiten drücken sie den gesellschaftlichen Zusammenhang, dem sie angehören und von dem sie bestimmt sind, nicht aus:

,,Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber." (MEW 23/57) (22)
Die Analyse der beiden Faktoren der Ware enthüllt die Privatarbeit als eine widersprüchliche Form der gesellschaftlichen Arbeit: Die Tätigkeit des Einzeinen steht in einem System der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit, vollzieht sich aber unabhängig, ohne Rücksicht auf ihren Charakter als Teilarbeit:
,,Sie produzieren in und für die Gesellschaft. als gesellschaftliche, aber zugleich erscheint dies als bloßes Mittel. ihre Individualität zu vergegenständlichen. Da sie weder subsumiert sind unter ein naturwüchsiges Gemeinwesen, noch andererseits als bewußt Gemeinschaftliche das Gemeinwesen unter sich subsumieren, muß es ihnen als den unabhängigen Subjekten gegenüber als ein ebenfalls unabhängiges äußerliches, zufälliges Sachliches ihnen gegenüber existieren. Es ist dies eben die Bedingung dafür, daß sie als unabhängige Privatpersonen zugleich in einem gesellschaftlichen Zusammenhang stehn." (Gr/909)

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Fußnoten

( 19 ) Hier wird auch der Unsinn von lange andauernden Bemühungen deutlich, anhand der im ,,Kapital" enthaltenen Stellen zum ,,Reduktionsproblem" etwa Probleme der Bildungsökonomie klären zu wollen. Vgl. MEW 13/19: ,,Die Gesetze, die diese Reduktion regeln, gehören nicht hierher."

( 20 ) Vgl. GR/905: ,,Eine andre Voraussetzung des Austausches, die das Ganze der Bewegung betrifft, ist die, daß die Subjekte desselben als unter die Teilung der gesellschaftlichen Arbeit subsumiert produzieren."

( 21 ) Vgl. MEW 13/21, wo Marx darauf hinweist, daß in der kapitalistischen Pruduktionsweise im Gegensatz zu vorkapitalistischen Gesellschaften, in denen sich ebenfalls Arbeitsteilung findet, der gesellschaftliche Charakter der Arbeit dadurch vermittelt ist, ,,daß die Arbeit des einzelnen die abstrakte Form der Allgemeinheit oder sein Produkt die Form eines allgemeinen Äquivalents annimmt." Oder Grundrisse/9+8: ,,Die Form der Allgemeinheit der Arbeit bestätigt sich durch ihre Realität als Glied einer Totalität von Arbeiten, als besondre Existenzweise der gesellschaftlichen Arbeit."

( 22 ) Vgl. MEW 13/21: ,,Die Arbeit. die sich im Tauschwert darstellt, ist vorausgesetzt als Arbeit des vereinzelten Einzelnen", und Kapital, 1. Aufl./32: ,,Wäre die Arbeit unmittellbar gesellschaftliche, d. h. gemeinsame Arbeit, so erhielten die Produkte den unmittelbar gesellschaftlichen Clarakter eines Gemeinprodukts für ihre Produzenten, aber nicht den Charakter von Waaren füreinander."

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