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„Mare Jonio“: Kapitän sieht dem Ermittlungsverfahren gelassen entgegen

„Ich würde alles genauso nochmal machen“, sagte der Kapitän des NGO-Rettungsschiffs „Mare Jonio“, als er heute auf Lampedusa zu einer kurzen Vernehmung der Staatsanwälte in Begleitung von zwei Anwält*innen erschien. Der Kapitän Pietro Marrone ist seit Jahrzehnten als Fischer im zentralen Mittelmeer zwischen Italien, Tunesien und Libyen unterwegs. „Hätte ich sie sterben lassen sollen?“, fragt er die anwesenden Journalist*innen. „Ich habe meine Pflicht getan. Ich würde alles wieder machen, um die Personen zu retten.“ Ermittlungsdetails sind bislang nicht bekannt. Im Wesentlichen wird es um die Frage gehen, warum der Kapitän die „Mare Jonio“ nicht kurz vor Erreichen der italienischen Gewässer gestoppt hat. Er hatte einen entsprechenden Befehl des begleitenden Kriegsschiffs der Guardia di Finanza erhalten. Damit stehen zwei Fragen für die Staatsanwaltschaft in dem politischen Ermittlungsverfahren zur Klärung oder zur Bekräftigung des internationalen Rechts an: Dürfen Geflüchtete, die von einem italienischen Schiff gerettet wurden, nach Libyen zurück deportiert werden, das erklärtermaßen und laut internationaler Rechtsprechung kein sicherer Hafen ist? Und darf Geretteten an Bord eines italienisches Schiffs die Einfahrt in italienische Gewässer verwehrt werden

Die Besatzung der „Mare Jonio“ weiß das Recht auf ihrer Seite und blickt gelassen und in Freude über die geglückte Rettungsaktion einer drohenden Kriminalisierung entgegen. Als die Beschlagnahme des Schiffs heute bestätigt wurde, hieß es umgehend, dass die tragende Organisation „Mediterranea Saving Humans“ und der Schiffseigner Widerspruch einlegen werden. Der Schiffseigner sagt: „Wir sind wirklich guter Dinge, die Beschlagnahmung des Schiffs ist illegitim. […] Wir verstecken uns hinter keiner Immunität [wie heute der Innenminister Matteo Salvini vor einem drohenden Ermittlungsverfahren wegen Freiheitsberaubung], wir haben den Staatsanwälten jedes Detail, das wir haben, geliefert, u.a. E-Mails und Filmaufnahmen. Wir verstecken uns nicht hinter der Immunität und dem parlamentarischen Schutz [wie heute Salvini], um einen Prozess wegen Freiheitsberaubung zu verhindern.Wir sind sogar überzeugt, dass die staatsanwaltliche Ermittlung Klarheit herstellt. In Kürze wird das Schiff ‚Mare Jonio‘ frei sein, und wir werden aufs Meer zurückfahren, um Menschenleben zu retten.“

https://ffm-online.org
Forschungsgesellschaft Flucht & Migration e.V.


per Email am 23.03.2019