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32 Jahre nach Tschernobyl: BBU ruft zu weiteren Protesten gegen die Atomindustrie auf

(Bonn, Berlin, 25.04.2018) Anlässlich des Jahrestages der
Atomkatastrophe in Tschernobyl vor 32 Jahren (26. April 1986) hat der
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) seine Forderung nach
sofortiger Stilllegung aller Atomkraftwerke (AKW) und sonstiger
Atomanlagen bekräftigt. Die Forderung richtet sich an die
Bundesregierung sowie an die Landesregierungen der Bundesländer, in
denen noch AKW und Atomanlagen in Betrieb sind. An die Bevölkerung
appelliert der BBU, weiterhin die Atomindustrie kritisch im Auge zu
behalten. „Der Atomausstieg ist auch in der Bundesrepublik noch längst
nicht vollzogen. Bis Ende 2022 wird in Atomkraftwerken Atommüll
produziert und die immer älter werdenden AKW sind eine Gefahr für die
Bevölkerung. Zudem gibt es für die Uranfabriken in Gronau und Lingen
nach wie vor keine Laufzeitbegrenzung. Es ist unerträglich, dass diese
Anlagen weiterhin Nuklearbrennstoff für Atomkraftwerke in Belgien und in
anderen Ländern herstellen. Und oftmals unbekannte Atomtransporte
gefährden die Bürgerinnen und Bürger auch weitab von Atomanlagen“,
kritisiert BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Vor 32 Jahren ereignete sich in Tschernobyl eine AKW-Katastrophe mit
massiven radioaktiven Freisetzungen. Große Teile Europas wurden
radioaktiv kontaminiert, in der Bundesrepublik war besonders Bayern
betroffen. Die Messungen von radioaktiven Jod- und Caesiumwerten
gehörten zum Alltag. Noch immer werden mitunter in Waldpilzen,
Waldbeeren und im Wildfleisch auffällige Cäsium-137-Werte gemessen.
Drastisch sind die Tschernobyl-Folgen für Kinder, aber auch für
Erwachsene. In einer Information der atomenergiekritischen
Ärzteorganisation IPPNW heißt es dazu: „Einer WHO-Prognose zufolge
werden allein im belorussischen Gebiet Gomel mehr als 50.000 Kinder im
Laufe ihres Lebens Schilddrüsenkrebs bekommen. Forscher gehen davon aus,
dass durch Tschernobyl in ganz Europa knapp 240.000 zusätzliche
Krebsfälle bis 2056 auftreten werden.“ Und von den bis zu 800.000
„Liquidatoren“, die jahrelang im Bereich von Tschernobyl zum Einsatz
kamen, sind (laut „taz“) „nach Schätzungen bis 2005 bereits bis zu
125.000 gestorben.“

https://www.ippnw.de/no_cache/presse/artikel/de/nicht-krebserkrankungen-und-genetisc.html#c4453

http://www.taz.de/!5298225 <http://www.taz.de/%215298225>

Die schrecklichen Erfahrungen mit den AKW-Katastrophen von Tschernobyl
und Fukushima verstärken das Engagement des BBU für einen umfassenden
und internationalen Atomausstieg. Der BBU steht mit
Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden in Europa, aber auch in
Asien und Afrika in Verbindung. Gemeinsam werden immer wieder der
dreckige Uranabbau, die AKW und Atomanlagen sowie die Gefahren des
nuklearen Wettrüstens in den Mittelpunkt des Engagements gerückt.

Gedenk- und Protestveranstaltungen zum 32. Tschernobyljahrestag

Bundesweit finden in diesen Tagen Gedenk- und Protestveranstaltungen
anlässlich des 32. Tschernobyljahrestages statt. Aktivitäten gibt es an
AKW-Standorten wie z. B. in Lingen, Neckarwestheim und Philippsburg,
aber auch in Orten ohne Atomanlagen. Eine (unvollständige)
Terminübersicht findet man im Internet unter
http://bbu-online.de/Termine/Termine.htm. Der BBU ruft zur Teilnahme an
diesen Aktionen und zur weiteren Mitarbeit in Anti-Atomkraft-Initiativen
auf. Der BBU ist gerne bei der Gründung neuer Anti-Atomkraft-
Initiativen behilflich. „Das Engagement der Anti-Atomkraft-Bewegung wird
noch lange notwendig sein“, so BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Wie wichtig das Engagement gegen die Atomindustrie ist, verdeutlicht
auch das ungelöste Atommüllproblem. Wiederholt wurden in den letzten
Tagen Informationen über defekte Atommüllfässer in Leese und Gorleben
bekannt und weitere Atommüllverschiebungen sind geplant. So sollen zum
Beispiel Atommüllfässer von Gorleben nach Ahaus gebracht werden. Dort
erinnerten bereits am 15. April der kfd-Diözesanverband Münster und die
Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ in einer
Gemeinschaftsveranstaltung an die Tschernobyl-Katastrophe. Zudem lehnten
sie in Kundgebungsbeiträgen mit Nachdruck weitere Atommülltransporte,
zum Beispiel aus Garching nach Ahaus ab. Und am Sonntag (22. April)
demonstrierten 300 besorgte Bürgerinnen und Bürger am AKW Brokdorf.

 

per Email am 25.04.2018