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Film- und Diskussionsreihe

Revision. Rom*nja-Brgerrechtsbewegung und Kmpfe gegen Antiziganismus

April bis Juni 2019

Von dem beeindruckenden Portrt einer der wichtigsten Rom*nja-Brgerrechtlerinnen des 20. Jahrhunderts der Schwedin Katarina Taikon ber die erschtternde Prozessbeobachtung im Kontext einer rechtsextremistischen Mordserie in Ungarn Ende der Nullerjahre, ber Coming-of-Age-Geschichten sowie Selbst- und Fremdbefragungen junger Romnja in Italien und Bulgarien hin zur filmischen Revision eines ungeklrten Kriminalfalls, beispielhaft fr den Rassismus in der europischen Migrationsgeschichte: Die Film- und Diskussionsreihe Revision. Rom*nja-Brgerrechtsbewegung und Kmpfe gegen Antiziganismus nimmt Lebensbedingungen und -realitten, Diskriminierungserfahrungen und Widerstnde von Rom*nja in Europa in den Blick.

Solange die Darstellung der grten europischen Minderheit einer permanenten Stereotypisierung gleichkommt, solange jahrhundertealte antiziganistische Vorurteile durch die Mehrheitsgesellschaft tradiert und legitimiert werden, solange bedarf es der Revision. Es bedarf der Bilder, Erzhlungen, Analysen, die diese einseitigen Darstellungen durchbrechen. Die Filme des Programms versuchen diesen Durchbruch. Wir laden zum sehen und diskutieren ein. An den Diskussionen mit dem Publikum werden Filmemacher*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen teilnehmen Rom*nja und Nicht-Rom*nja.
 

Mittwoch, 24. April um 20.00 Uhr im Mal Seh'n Kino

TAIKON

Schweden 2015, DCP, 97 min, OmeU
Buch/Regie: Lawen Mohtadi und Gellert Tamas
Kamera: Kim Silfving
Schnitt: Tell Aulin
Musik: Per-Henrik Menp

Produktion: Malcolm Dixelius, Gellert Tamas

Anschlieend Gesprch mit dem Regisseur Gellert Tamas und Dotschy Reinhardt (Musikerin, Autorin und Menschenrechtlerin) Moderation Nicolette Naumann (Nitribitt Frankfurter konomien)

TAIKON ist das beeindruckende Portrt einer der wichtigsten Menschenrechts-aktivistinnen im Europa des 20. Jahrhunderts: Katarina Taikon. Oft als Martin Luther King von Schweden bezeichnet, lernte sie Lesen und Schreiben erst mit Ende Zwanzig und wurde zu einer der meistgelesenen Autorinnen Schwedens. Taikon war Kaldara-Romni, fhrend in der Rom*nja-Brgerrechtsbewegung ihres Landes, Schriftstellerin und Schauspielerin, die vor allem mit der Buchreihe Katizi Bekanntheit erlangte basierend auf ihren eigenen Erfahrungen als Roma-Kind im Waisenhaus.

Anhand von fesselndem Archivmaterial und Gesprchen mit Freund*innen, Wegbegleiter*innen und Familie skizziert der Film das dramatische Leben von Katarina Taikon: ihren Kampf fr die Umsetzung der Brgerrechte der Rom*nja in Schweden, ihren politischen Aktivismus, ihre Kampagnen und ihre Bcher. Mit ihrer Arbeit zielte sie darauf, ein Bewusstsein fr die Lebensbedingungen und Diskriminierung von Rom*nja, insbesondere den fehlenden Zugang zu Bildung und Wohnraum, zu schaffen. Taikons Kampf in den 60er-Jahren war sehr erfolgreich, doch sie wurde auch zum Ziel bsartiger Angriffe seitens der Politik und seitens einfacher Leute. TAIKON erzhlt nicht zuletzt von der Entstehung des modernen schwedischen Wohlfahrtsstaates und von der einen Gruppe, die darin keinen Platz hatte: die Minderheit der Rom*nja.
 

Mittwoch, 22. Mai um 19.30 Uhr im Mal Seh'n Kino

Film: JUDGMENT IN HUNGARY (URTEIL IN UNGARN)

Ungarn/Deutschland/Polen 2013, DCP, 112 min, OmeU

Buch/Regie: Eszter Hajd

Kamera: Istvn Szőnyi, Eszter Hajdu, Gbor Medvigy, Andrs Horvth u.a.

Schnitt: Bence Bartos

Musik: Sandor Mester

Produzent: Sandor Mester

Koproduzent*innen: Inka Dewitz, Michael Bogr

Anschlieend Gesprch mit der Regisseurin Eszter Hajd und NSU Watch Hessen, Moderation Dr. Z. Ece Kaya (Forschungsstelle NS-Pdagogik an der Goethe-Universitt Frankfurt am Main)

2008 und 2009 verbten Rechtsextremisten eine Serie von Morden an Rom*nja. Sechs Menschen starben, darunten ein fnfjhriges Kind. Gegen vier Verdchtige wurde Anklage erhoben. Der Film dokumentiert den Prozess, der zweieinhalb Jahre dauerte: Das Filmteam ist alle 167 Prozesstage vor Ort und filmt mit mehreren Kameras im Gerichtssaal, in dem sich die Angeklagten und die Angehrigen der Opfer auf engestem Raum gegenberstehen. Im Zuge der Anhrung kommen gravierende Ermittlungsfehler ans Licht. Bloer Pfusch oder gezielte Manipulationen? Der Richter prsentiert sich zunchst als unparteiischer Hardliner der Ordnung; schnell gereizt, verwarnt er viel und erteilt Verweise. Die Emotionalitt der Angehrigen, die als Zeug*innen gehrt werden, ist ihm ein Dorn im Auge genauso wie die Kaltbltigkeit der Gegenseite. Doch je lnger der Prozess dauert, umso selbstbewuter treten die Angeklagten auf. Sie berufen sich auf ihren vermeintlichen Rckhalt in der Bevlkerung und platzieren unverhohlen Drohungen. Immer hufiger gert der Richter in die Defensive.

Die Dokumentation gibt tiefe Einblicke in die Abgrnde der ungarischen Gesellschaft. So sollen auch die Geheimdienste in die rassistisch motivierte Mordserie involviert gewesen sein. Eszter Hajds Film fngt die Beklemmung in dem engen Gerichtssaal whrend der Verhandlungen ein und zeigt die Trauer und die Wut der Rom*nja, die bis heute kaum gehrt wurden.

Mittwoch, 5. Juni um 20.00 Uhr im Mal Seh'n Kino

IO, LA MIA FAMIGLIA ROM E WOODY ALLEN (ICH, MEINE ROMA-FAMILIE UND WOODY ALLEN)

Italien 2009, Beta SP, 50 min, OmeU

Regie: Laura Halilović

Buch: Laura Halilović, Nicola Rondolino, Davide Tosco

Kamera: Laura Halilović, Nicola Rondolino, Davide Tosco

Schnitt: Marco Duretti

Musik: Fabio Barovero, Bruskoi Prala, Giuseppe Napoli

Produzent: Davide Tosco

Ich bin in Italien geboren, ich habe einen italienischen Personalausweis und einen bosnischen Reisepass. Aber meine Identitt ist eine andere: Ich bin Romni. Laura Halilović beschreibt in ihrem Debtfilm die Geschichte, Trume und den Alltag ihrer Familie: Ihre Eltern haben einen Teil ihres Lebens zwischen Italien und Jugoslawien pendelnd verbracht. Das Leben im Wohnwagen haben sie aufgegeben und wohnen seit zehn Jahren in einer Mietwohnung in Norditalien; ein Teil der Verwandtschaft versucht weiterhin, in einer Wohnwagensiedlungen zu leben, errichtet auf einem gekauften Stck Land. Doch die lokalen Behrden gehen repressiv gegen die Siedlung vor.

Halilović erzhlt mit Videoaufnahmen und Fotografien aus dem Familienarchiv sowie aktuellen Interviews eine Coming-of-Age-Geschichte zwischen rassistischer Ablehnung und unbeschwertem Alltag, zwischen Tradition und dem Wunsch nach einem eigenen Weg.

PAGES OF MY BOOK (SEITEN MEINES BUCHES)

Ungarn 2013, DCP, 7 min, OmeU

Regie: Galya Stoyanova

Kamera: Mikls Barna, Galya Stoyanova

Schnitt: Galya Stoyanova, Eszter Kovcs, Mikls Barna

Produktion: Elmr Snta

Die bulgarische Romni Galya Stoyanova uert in diesem Kurzfilm ihre tiefsten Unsicherheiten, ngste und Hoffnungen durch die kraftvolle, aber oberflchliche Darstellung, wie andere uns, die Rom*nja, wahrnehmen. Am Ende berwiegt die Selbstakzeptanz der Kultur, der Vielfalt und der einen Sache, die wir nicht ndern knnen unsere Herkunft.

Anschlieend Gesprch mit Galya Stoyanova (Fotografin, Filmemacherin, Aktivistin), Moderation Gaby Babić (Kinothek Asta Nielsen)

Donnerstag, 13. Juni um 20.15 in der Pupille Kino in der Uni

REVISION

Deutschland 2012, 35mm, 106 min, OF

Buch: Merle Krger und Philip Scheffner

Regie: Philip Scheffner

Kamera: Bernd Meiners

Ton: Pascal Capitolin und Volker Zeigermann

Produzentin: Merle Krger,

Koproduzent*innen: Marcie K. Jost, Meike Martens und Peter Zorn

Anschlieend Gesprch mit Silke Huropp und Smaranda Iuonas (Frderverein Roma e.V.), Moderation Gaby Babić (Kinothek Asta Nielsen)

Am 29. Juni 1992 entdeckt ein Bauer zwei Krper in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern. Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den Toten um rumnische Staatsbürger handelt. Sie werden bei dem Versuch, die europische Auengrenze zu überschreiten, von Jgern erschossen. Diese geben an, die

Menschen mit Wildschweinen verwechselt zu haben. Vier Jahre spter beginnt der Prozess. Welcher der Jger den tdlichen Schuss abgegeben hat, lsst sich nie beweisen. Das Urteil: Freispruch. dpa meldet: Aus Rumnien ist niemand zur Urteilsverkündung angereist. In den Akten stehen die Namen und Adressen von Grigore Velcu und Eudache Calderar. Ihre Familien wussten nicht, dass jemals ein Prozess stattgefunden hat. Mit REVISION wird ein juristisch abgeschlossener Kriminalfall einer filmischen Revision unterzogen, die Orte, Personen und Erinnerungen miteinander verknüpft und ein fragiles Geflecht aus Versionen und

Perspektiven einer europischen Geschichte ergibt.
 

Eine Veranstaltungsreihe der Kinothek Asta Nielsen e. V. in Kooperation mit Mal Seh'n Kino, Nitribitt Frankfurter konomien, Frderverein Roma e.V., Forschungsstelle NS-Pdagogik an der Goethe-Universitt Frankfurt am Main, Pupille Kino in der Uni und RomaTrial e.V.


 

Mal Seh'n Kino

Adlerflychtstrae 6, Hinterhaus
60318 Frankfurt am Main

www.malsehnkino.de

U5, Musterschule; Linie 36, Adlerflychtplatz; Linie 30, Friedberger Platz; Nachtbus 2, Adlerflychtplatz


 

Pupille Kino in der Uni

Studierendenhaus Campus Bockenheim
Mertonstrae 26-28
60325 Frankfurt am Main

www.pupille.org

U4, U6, U7, Bus 32, 36, 50, 75, Tram Linie 16, Bockenheimer Warte



 

Es gelten die jeweiligen Eintrittspreise der Kinos.

 



Per Email am 15.04.2019