(Mai 1938)
Diese Version aus: Mao Tse-tung, Ausgewählte Werke Band II, Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking 1968, S.127-228
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1. Der 7. Juli rückt heran, der erste Jahrestag des Beginns des großen Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression. Nun ist es schon bald ein Jahr, daß die Kräfte der ganzen Nation zusammen stehen, beharrlich den Widerstandskrieg führen, an der Einheitsfron festhalten und heroisch gegen den Feind kämpfen. Dieser Krieg ist in der Geschichte des Ostens ohne Beispiel und wird auch in die Weltgeschichte als ein großer Krieg eingehen. Die Völker der ganzen Welt verfolgen aufmerksam den Verlauf dieses Krieges. Jeder Chinese, der unter dem Krieg zu leiden hat und um die Existenz seiner Nation kämpft, sehnt sich tagtäglich nach dem Sieg. Aber wie wird der Krieg nun verlaufen? Werden wir ihn gewinnen können oder nicht? Werden wir ihn rasch gewinnen können oder nicht? Viele sprechen von einem langwierigen Krieg. Aber warum wird der Krieg: langwierig sein? Und wie ist ein langwieriger Krieg zu führen? Viele sprechen von einem endgültigen Sieg. Aber warum wird der Endsieg unser sein? Wie ist dieser endgültige Sieg zu erkämpfen? Nicht jede hat die Antwort auf diese Fragen gefunden, ja, sogar die meisten~ wissen bis zum heutigen Tag noch keine Antwort darauf. Daher treten nun die Anhänger der defitistischen Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas auf den Plan und sagen: China werde unterjocht werden, der Endsieg werde nicht China zufallen Es treten ebenfalls manche übereifrige Freunde auf und erklären. China werde sehr rasch den Sieg erringen und es bedürfe hierfür
|128| keiner großen Anstrengungen. Sind nun diese Ansichten richtig oder nicht? Wir haben immer gesagt, daß diese Ansichten falsch sind. Aber das, was wir sagen, begreifen die meisten Leute noch nicht. Das erklärt sich zum Teil daraus, daß unsere Propaganda- und Aufklärungsarbeit unzureichend war, zum Teil aber auch daraus, daß die objektiven Ereignisse im Laufe ihrer Entwicklung den ihnen innewohnenden Charakter noch nicht restlos offenbart und den Menschen ihr Gesicht noch nicht klar enthüllt hatten, so daß diese nicht in der Lage waren, die Tendenzen und Perspektiven der Entwicklung der Ereignisse in ihrer Gesamtheit zu erkennen, und folglich auch außerstande waren, ihre gesamten Richtlinien und Maßnahmen festzulegen. Jetzt ist das leichter geworden. Die zehnmonatigen Erfahrungen des Widerstandskriegs reichen völlig aus, um die absolut unbegründete Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas zu zerschlagen, aber auch um unsere übereifrigen Freunde von der Unhaltbarkeit ihrer Theorie vom raschen Sieg zu überzeugen. Unter diesen Umständen wünschen viele Menschen eine verallgemeinernde Erläuterung. Sie wünschen das vor allem im Hinblick auf einen langwierigen Krieg, weil es einerseits Einwände gegen einen solchen Krieg gibt, die sowohl in der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas als auch in der Theorie vom raschen Sieg zum Ausdruck kommen, und andererseits die nebelhaftesten Auffassungen über ihn bestehen. "Seit den Ereignissen bei Lugoutjiao stehen 400 Millionen Chinesen in gemeinsamer Anstrengung zusammen, und der Endsieg wird China gehören." So lautet eine weitverbreitete Formel. Diese Formel ist richtig, aber sie muß mit einem realen Inhalt erfüllt werden. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die es ermöglichen, daß wir im Widerstandskrieg und in der Einheitsfront ausharren: Innenpolitisch gesehen umfassen sie alle politischen Parteien und Gruppen - von der Kommunistischen Partei bis zur Kuomintang -, das ganze Volk - von den Arbeitern und Bauern bis zur Bourgeoisie -, alle bewaffneten Kräfte - von den regulären Truppen bis zu den Partisaneneinheiten; international gesehen reichen sie von dem sozialistischen Land bis zu den gerechtigkeitsliebenden Völkern aller Länder; im Feindesland reichen sie von einigen Schichten der Bevölkerung, die den Krieg ablehnen, bis zu den gegen den Krieg eingestellten Soldaten an den Fronten. Kurz gesagt, alle diese Kräfte leisten in diesem oder jenem Maß ihren Beitrag zur Sache unseres Widerstandskriegs. Jeder Mensch mit Gewissen sollte ihnen Hochachtung ent-
|129| gegenbringen. Wir Kommunisten verfolgen gemeinsam mit den anderen antijapanischen politischen Parteien und Gruppen sowie mit dem gesamten Volk einzig und allein das Ziel, durch weitestgehenden Zusammenschluß aller Kräfte die verbrecherischen japanischen Eindringlinge zu besiegen. Am I. Juli dieses Jahres werden wir den 17. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas begehen. Damit jeder Kommunist im weiteren Verlauf des Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge eine noch wirksamere und größere Rolle spielen kann, ist es notwendig, sich ernsthaft mit dem Studium des langwierigen Krieges zu befassen. Deshalb widme ich meine Vorlesung der Untersuchung dieser Frage. Ich werde mich bemühen, auf alle mit dem langwierigen Krieg zusammenhängenden Probleme einzugehen, aber ich werde nicht über alles sprechen können, da das innerhalb einer einzigen Vorlesungsreihe nicht möglich ist.
2. Die Erfahrungen der zehn Kriegsmonate beweisen, daß die beiden Theorien, die von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und die von einem raschen Sieg, falsch sind. D~ erste Theorie erzeugt eine Tendenz zum Kompromißlertum, die zweite Theorie eine Tendenz zur Unterschätzung des Feindes. Die Art und Weise, wie die Anhänger der beiden Theorien an die Frage herangehen, ist subjektiv, einseitig, mit einem Wort: unwissenschaftlich.
3. Vor Ausbruch des Widerstandskriegs machte die Theorie der nationalen Unterjochung viel von sich reden. Man sagte beispielsweise: "China ist schlechter bewaffnet als der Gegner und wird, wenn es den Kampf aufnimmt, unweigerlich den Krieg verlieren." "Falls wir einen Widerstandskrieg führen, wird es uns unvermeidlich wie Abessinien ergehen." Nach Beginn des Krieges hörte das offene Predigen der Theorie von der nationalen Unterjochung auf, aber im geheimen wird es fortgesetzt, und zwar sehr aktiv. Als Beispiel dafür kann die Atmosphäre des Kompromißlertums dienen, die sich einmal verdichtet, einmal zerstreut, und die Verfechter dieser Tendenz bedienen sich eines solchen Arguments: "Die Fortsetzung des Krieges bedeutet eine unvermeidliche Unterjochung."
[1] Ein Student schrieb aus der Provinz Hunan: "Auf dem Lande ist alles sehr schwierig. Da ich als einzelner propagandistisch tätig bin, muß ich mit den Leuten sprechen, wann und wo ich sie antreffen kann. Die Gesprächspartner sind keineswegs Ignoranten; sie haben bis zu einem gewissen Grade begriffen, was vor sich geht, und bringen meinen Ausführungen großes Interesse entgegen. Wenn ich jedoch meine eigenen Verwand-
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4. In den zehn Monaten des Widerstandskriegs sind außerdem allerlei Ansichten laut geworden, die von einer Fiebrigkeit zeugen. So verfielen beispielsweise gleich in den ersten Kriegstagen viele in einen völlig unbegründeten Optimismus. Sie unterschätzten den Gegner und nahmen sogar an, daß die Japaner nicht bis in die Provinz Schansi vordringen könnten. Manche ignorierten die strategische Rolle des Partisanenkriegs beim Widerstand gegen die japanischen Eindringlinge und zweifelten an der These: "Im Hinblick auf das Ganze spielt der Bewegungskrieg die Hauptrolle, der Partisanenkrieg eine Nebenrolle; im Hinblick auf das Einzelne aber spielt der Partisanenkrieg die Hauptrolle, der Bewegungskrieg eine Nebenrolle." Sie waren auch mit dem folgenden strategischen Kurs der Achten Routearmee nicht einverstanden: "Im wesentlichen den Partisanenkrieg führen, aber unter günstigen Bedingungen auf den Bewegungskrieg nicht verzichten". Sie hielten das für einen "mechanistischen" Standpunkt [2] Zur Zeit der Schlacht von Schanghai behaupteten manche: "Wenn man bloß drei Monate durchhalten könnte, die internationale Lage wird sich bestimmt ändern; die Sowjetunion wird unbedingt in den Krieg eintreten, und dann ist es mit dem Krieg zu Ende." Diese Leute setzten ihre Hoffnungen hinsichtlich der Perspektiven des Krieges vor allem auf die Hilfe des Auslands.
[3] Nach dem Sieg bei Taiörldschuang
[4] waren manche der Meinung, die Schlacht bei Hsüdschou sollte nun als "beinahe eine Entscheidungsschlacht" durchgeführt und der bisherige Kurs auf einen langwierigen Krieg abgeändert werden. Man hörte Behauptungen wie: "Diese Schlacht ist das letzte verzweifelte Ringen des Feindes" und "Wenn wir in dieser Schlacht
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5. Die Frage lautet also: Wird China unterjocht werden? Und die Antwort heißt: Nein, das wird es nicht, der Endsieg wird China gehören. Wird China rasch siegen können? Die Antwort ist: Nein, das kann es nicht, der Widerstandskrieg wird langwierig sein.
6. Die grundlegenden Ansichten über diese Fragen haben wir bereits vor zwei Jahren in allgemeinen Zügen dargelegt. Am 16. Juli 1936, das heißt fünf Monate vor den Sian-Ereignissen und zwölf Monate vor den Ereignissen bei Lugoutjiao, gab ich in einem Gespräch mit dem amerikanischen Korrespondenten Herrn Edgar Snow eine allgemeine Einschätzung der Lage des Krieges zwischen China und Japan und umriß die Richtlinien, die den Sieg gewährleisten. Es schadet nichts, einige Auszüge aus diesem Gespräch in Erinnerung zu bringen:
Frage: Unter welchen Bedingungen kann China die Kräfte des japanischen Imperialismus besiegen und vernichten?
Antwort: Drei Bedingungen sind notwendig: erstens Schaffung einer antijapanischen Einheitsfront in China; zweitens Schaffung einer internationalen antijapanischen Einheitsfront; drittens Aufschwung der revolutionären Bewegung des japanischen Volkes und der Völker der japanischen Kolonien. Vom Standpunkt des chinesischen Volkes aus ist der große Zusammenschluß des chinesischen Volkes selbst die wichtigste von diesen drei Bedingungen.
Frage: Wie lange wird dieser Krieg Ihrer Meinung nach dauern?
Antwort: Das hängt von der Stärke der antijapanischen Einheitsfront in China sowie von vielen anderen entscheidenden Faktoren in China und in Japan ab. Mit anderen Worten, neben den eigenen Kräften Chinas, von denen die Kriegsdauer hauptsächlich abhängt, sind die internationale Hilfe für China sowie jene Hilfe, die ihm von Seiten der revolutionären Bewegung in Japan gewährt wird, von großer Bedeutung. Wenn sich die antijapanische Einheitsfront in China mächtig entwickelt und sowohl horizontal als auch vertikal wirkungsvoll organisiert wird, wenn die Regierungen und Völker, welche die Bedrohung ihrer eigenen Interessen durch den japanischen Imperialismus klar erkannt haben, dazu übergehen, China die notwendige Hilfe zu leisten, wenn die Revolution in Japan bald ausbricht, dann wird der Krieg rasch beendet werden, und China wird schnell den Sieg erringen. Wenn aber diese Bedingungen nicht in kurzer Zeit verwirklicht werden, dann wird sich der
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Frage: Wie wird sich Ihrer Meinung nach dieser Krieg in politischer und militärischer Hinsicht entwickeln?
Antwort: Die Kontinentalpolitik Japans steht schon fest. Wer da glaubt, China könnte durch Kompromisse mit Japan - durch weitere Preisgabe seines Territoriums und seiner souveränen Rechte - dem Angriff Japans Einhalt gebieten, gibt sich Illusionen hin. Es ist uns genau bekannt, daß sogar der Unterlauf des Yangtse und die Seehäfen Südchinas bereits in die Sphäre der Kontinentalpolitik des japanischen Imperialismus einbezogen sind. Außerdem strebt Japan danach, die Philippinen, Siam, Vietnam, die Malaüsche Halbinsel und Niederländisch-Ostindien zu erobern, um so China von den anderen Mächten zu isolieren und die Monopolherrschaft über den südwestlichen Pazifik zu errichten. Das ist die Seepolitik Japans. In einer solchen Periode wird China zweifellos in eine äußerst schwere Lage geraten. Aber die große Mehrheit der Chinesen ist davon überzeugt, daß diese Schwierigkeiten zu überwinden sind; nur die Reichen in den großen Handelshäfen sind Defätisten, weil sie fürchten, ihren Besitz zu verlieren. Viele nehmen an, China verlöre die Möglichkeit, den Krieg fortzusetzen, sobald seine Küste von den Japanern blockiert sein würde. Das ist purer Unsinn. Um diese Ansicht zu widerlegen, brauchen wir nur die Geschichte des Krieges der Roten Armee als Beispiel heranzuziehen. Im Widerstandskrieg ist China in einer viel günstigeren Lage, als es die Rote Armee in der Periode des Bürgerkriegs war. China ist ein riesiges Land. Selbst wenn es Japan gelingt, Gebiete mit einer Bevölkerung von 100 bis 200 Millionen zu besetzen, werden wir auch dann noch sehr weit von einer Niederlage entfernt sein. Wir werden noch über gewaltige Kräfte verfügen, um den Krieg gegen Japan führen zu können, während Japan im Verlauf des ganzen Krieges gezwungen sein wird, ständig Verteidigungskämpfe hinter seinen Linien zu führen. Die Zersplitterung und die ungleichmäßige Entwicklung der Wirtschaft Chinas sind sogar günstig für die Führung des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression. Würde beispielsweise Schanghai von den anderen Landesteilen abgeschnitten, so wäre dieser Verlust für China bei weitem nicht so ernst, wie es für die USA eine Isolierung New Yorks von den anderen Gebieten der USA wäre. Selbst wenn es Japan gelingt, die Küste Chinas zu blockieren, wird es nicht imstande sein, den Nordwesten, Südwesten und Westen unseres Landes zu blockieren. Deshalb besteht der Kernpunkt des Problems nach
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Frage: Angenommen, der Krieg zieht sich sehr in die Länge, und Japan erleidet keine völlige Niederlage; kann sich die Kommunistische Partei in diesem Fall auf Friedensverhandlungen mit Japan einlassen und die japanische Herrschaft über Nordostchina anerkennen?
Antwort: Nein. Die Kommunistische Partei Chinas wird ebensowenig wie das ganze chinesische Volk den Japanern gestatten, auch nur einen Fußbreit unseres Bodens zu behalten.
Frage: Was muß Ihrer Meinung nach der hauptsächliche strategische Kurs Chinas in diesem Befreiungskrieg sein?
Antwort: Unser strategischer Kurs muß darin bestehen, unsere Hauptstreitmacht zu Operationen auf einer sehr langgestreckten und Einnahmebeweglichen Kampflinie einzusetzen. Um Siege zu erringen, muß die chinesische Armee einen Krieg von hochgradiger Beweglichkeit auf einem ausgedehnten Kriegsschauplatz führen: rasch vorstoßen und sich rasch zurückziehen, die Kräfte rasch konzentrieren und rasch auflockern. Das wird ein Bewegungskrieg von großem Maßstab sein und kein Stellungskrieg, in welchem man tiefe Gräben, hohe Wälle und zahlreiche Befestigungen errichtet und sich ganz und gar auf diese Verteidigungsanlagen stützt. Das bedeutet durchaus nicht, daß man alle militärisch wichtigen Punkte aufgeben muß. An solchen Punkten muß man sich, wenn es irgend vorteilhaft ist, auf den Stellungskrieg einrichten. Aber der strategische Kurs, der die Gesamtsituation zu verändern vermag, kann nur der Kurs auf den Bewegungskrieg sein. Obwohl der Stellungskrieg ebenfalls notwendig ist, wird er eine untergeordnete und zweitrangige Rolle spielen. Geographisch gesehen ist der Kriegsschauplatz so ausgedehnt, daß wir die Möglichkeit haben, einen höchst wirksamen Bewegungskrieg zu führen. Stößt die japanische Armee auf kraftvolle Aktionen unserer Truppen, dann wird sie zur Vorsicht gezwungen sein. Ihre Kriegsmaschinerie ist sehr schwerfällig, arbeitet sehr langsam, und ihre Wirksamkeit ist begrenzt. Wenn wir unsere Kräfte an einem schmalen Frontabschnitt konzentrieren und dem Feind Widerstand leisten wollten, indem wir unsere Kräfte verausgaben, dann würden wir unsere Armee der Vorteile unserer geographischen Lage und unserer wirtschaftlichen Organisation berauben und einen ähnlichen Fehler wie Abessinien machen. In der ersten Periode des Krieges müssen wir allen großen Entscheidungsschlachten ausweichen. Wir müssen zunächst durch einen Bewegungskrieg die Moral und die Kampfkraft der gegnerischen Truppen allmählich untergraben.
|135| Neben dem Einsatz ausgebildeter Truppen zur Führung des Bewegungskriegs müssen wir zahlreiche Partisanenabteilungen aus den Reihen der Bauern aufstellen. Man muß zur Kenntnis nehmen, daß die antijapanischen Freiwilligenabteilungen in den Drei Nordöstlichen Provinzen ja nur einen unbeträchtlichen Teil der potentiellen Kräfte der Bauernschaft des Landes darstellen, die zur Führung des Widerstandskriegs mobilisiert werden können. Die chinesische Bauernschaft verfügt über gewaltige potentielle Kräfte, die, wenn sie nur richtig organisiert und geführt werden, die japanischen Truppen Tag und Nacht in Atem halten und dadurch zermürben werden. Man muß bedenken, daß der Krieg in China geführt wird. Das bedeutet, daß die japanische Armee restlos von den ihr feindlich gesinnten Chinesen eingekreist sein wird, daß sie gezwungen sein wird, die für den Krieg benötigten Mittel heranzuschaffen, die sie dann selbst zu bewachen hat, daß sie auch starke Truppenkontingente zum Schutz ihrer Verbindungslinien einsetzen und ständig vor Überraschungsangriffen auf der Hut sein muß und daß sie außerdem einen großen Teil ihrer Kräfte in der Mandschurei und in Japan selbst zu belassen hat.
Im Verlauf des Krieges wird China eine bedeutende Anzahl japanischer Soldaten gefangennehmen sowie eine große Menge an Waffen und Munition erbeuten und das für die eigene Ausrüstung verwenden; gleichzeitig wird China Hilfe vom Ausland erlangen, so daß sich die Bewaffnung der chinesischen Armee nach und nach verbessern wird. Daher wird China in der letzten Periode des Krieges in der Lage sein, zum Stellungskrieg überzugehen und die Stellungen der Japaner auf dem von ihnen besetzten Territorium anzugreifen. So wird die Wirtschaft Japans infolge seiner langdauernden Erschöpfung durch den chinesischen Widerstandskrieg zusammenbrechen, während die Moral der japanischen Truppen in unzähligen aufreibenden Kämpfen gebrochen sein wird. Was jedoch China anbelangt, so werden seine potentiellen Widerstandskräfte von Tag zu Tag anwachsen und einen Aufschwung erfahren, und die revolutionären Volksmassen werden in einem ununterbrochenen, mächtigen Strom an die Front treiben und für die Freiheit kämpfen. In Verbindung mit anderen Faktoren werden all diese Faktoren es uns ermöglichen, einen endgültigen, vernichtenden Schlag gegen die Befestigungen und Stützpunkte in den von Japan besetzten Gebieten zu führen und die japanischen Aggressionstruppen aus China zu vertreiben. (Siehe das Buch von Edgar Snow Red Star over China.)
Die Richtigkeit der hier dargelegten Ansichten wurde durch die zehnmonatigen Erfahrungen des Widerstandskriegs bestätigt und wird auch künftig bestätigt werden.
|136| 7. Bereits am 25. August 1937, das heißt etwas über einen Monat nach den Ereignissen bei Lugoutjiao, hat das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas in seinem "Beschluß über die gegenwärtige Lage und die Aufgaben der Partei" klar ausgeführt:
Die militärische Provokation bei Lugoutjiao und die Eroberung von Peiping und Tientsin sind lediglich der Beginn eines großangelegten Angriffs der japanischen Eindringlinge auf Chinas Gebiete südlich der Großen Mauer. Die japanischen Eindringlinge haben in ihrem Land bereits mit der allgemeinen Mobilmachung begonnen. Ihre Propagandabehauptung, daß sie "keine weitere Verschärfung der Lage wünschten", dient lediglich als Rauchvorhang zur Tarnung ihres Angriffs.
Der am 7. Juli bei Lugoutjiao geleistete Widerstand ist zum Auftakt des Widerstandskriegs Chinas gegen die japanische Aggression im Landesmaßstab geworden.
In der politischen Lage Chinas hat somit ein neues Stadium begonnen, das Stadium des Widerstandskriegs. Das Stadium der Vorbereitung des Widerstandskriegs ist bereits vorüber. Die zentrale Aufgabe im gegenwärtigen Stadium besteht darin, alle Kräfte zur Erringung des Sieges im Widerstandskrieg zu mobilisieren.
Der Schlüssel zum Sieg im Widerstandskrieg ist die Entfaltung des bereits begonnenen Widerstands zu einem totalen Widerstand der ganzen Nation. Nur durch einen solchen totalen Widerstandskrieg der ganzen Nation werden wir den endgültigen Sieg erringen können.
Infolge der ernsten Schwäche im gegenwärtigen Widerstandskrieg kann es im weiteren Verlauf des Krieges viele Rückschläge, Rückzüge, innere Spaltungen und Verräterei, zeitweilige und teilweise Kompromisse sowie andere ungünstige Zustände geben. Man muß daher einsehen, daß dieser Widerstandskrieg ein schwerer langwieriger Krieg sein wird. Aber wir sind überzeugt, daß der bereits ins Rollen gekommene Widerstandskrieg dank den Bemühungen unserer Partei und des ganzen Volkes alle Hindernisse hinwegfegen, weiterhin vorwärtsschreiten und sich entwickeln wird.
Die zehnmonatigen Erfahrungen des Widerstandskriegs haben bestätigt, daß auch diese Ansichten richtig waren; ihre Richtigkeit wird sich auch künftig bestätigen.
8. Idealistische und mechanistische Tendenzen in der Frage des Krieges sind die erkenntnistheoretischen Wurzeln aller aufgezeigten falschen Ansichten. Menschen mit derartigen Tendenzen gehen an die Frage subjektiv und einseitig heran. Entweder verlieren sie sich in
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DIE BEWEISGRÜNDE IN DIESER FRAGE
9. Warum wird der Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression langwierig sein? Warum wird der Endsieg China gehören? Worauf gründen sich unsere Argumente?
Der Krieg zwischen China und Japan ist nicht irgendein beliebiger Krieg, sondern ein Krieg auf Leben und Tod, der zwischen dem halbkolonialen, halbfeudalen China und dem imperialistischen Japan in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts geführt wird. Darauf fußt unsere Argumentation bei der Gesamtfrage. Nimmt man jede der beiden kriegführenden Parteien für sich, so muß man feststellen, daß sie eine ganze Reihe einander entgegengesetzter Besonderheiten aufweisen.
10. Die japanische Seite. Erstens ist Japan ein mächtiger imperialistischer Staat, der, was seine militärische, wirtschaftliche und politisch-organisatorische Stärke betrifft, im Osten als erstklassig gilt und auch in der ganzen Welt eine der fünf bis sechs imperialistischen Großmächte ist. Das sind die Hauptvoraussetzungen für den aggressiven Krieg, den Japan führt. Die Unvermeidbarkeit dieses Krieges sowie die Unmöglichkeit eines raschen Sieges Chinas ergeben sich gerade aus dem imperialistischen System Japans und aus seiner großen militärischen, wirtschaftlichen und politisch-organisatorischen Stärke. Zweitens jedoch bedingt die imperialistische Natur der sozialökonomischen Ordnung Japans den imperialistischen Charakter des von
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|139| Gesetz, das sich auch aus dem Wesen des von Japan geführten Krieges ergibt. Zusammenfassend kann man sagen: Die Stärke Japans liegt in seiner großen militärischen Macht, seine Schwäche dagegen in dem reaktionären und barbarischen Charakter des von ihm geführten Krieges, in dem Mangel an Menschen und Material sowie in der unzulänglichen internationalen Unterstützung. Das sind die Besonderheiten Japans.
11. Die chinesische Seite. Erstens sind wir ein halbkoloniales, halbfeudales Land. Angefangen mit dem Opiumkrieg
[6], der Taiping-Tiänguo-Bewegung, den Reformen von 1898
[7], der Revolution von 1911 bis zum Nordfeldzug haben alle revolutionären Bewegungen und Reformbewegungen, die das Ziel verfolgten, China aus seiner halbkolonialen und halbfeudalen Lage zu befreien, ernste Mißerfolge erlitten, so daß China nach wie vor ein halbkoloniales und halbfeudales Land geblieben ist. Wir sind noch immer ein schwaches Land und hinsichtlich der militärischen, wirtschaftlichen und politischorganisatorischen Stärke dem Feind offensichtlich unterlegen. Also sind auch dadurch die Unvermeidbarkeit des Krieges und die Unmöglichkeit eines raschen Sieges Chinas bedingt. Zweitens aber ist die Befreiungsbewegung, die sich in China im Laufe der letzten hundert Jahre ununterbrochen entwickelte, gegenwärtig ganz anders als zu jeder anderen vorangegangenen historischen Periode. Die verschiedenen inneren und äußeren Kräfte, die die Befreiungsbewegung bekämpften, haben ihr zwar schwere Rückschläge gebracht, aber gleichzeitig haben sie das chinesische Volk gestählt. Obwohl China heute in militärischer, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht nicht so stark ist wie Japan, gibt es jetzt in China Faktoren, die fortschrittlicher sind, als es in jeder anderen historischen Periode der Fall war. Die Kommunistische Partei Chinas und die von ihr geführte Armee repräsentieren eben diese fortschrittlichen Faktoren. Gerade auf Grund dieser Fortschrittlichkeit kann der gegenwärtig von China geführte Befreiungskrieg eine lange Zeit ausgehalten werden und mit dem endgültigen Sieg Chinas enden. Im Gegensatz zum japanischen Imperialismus, der im Abstieg begriffen ist, ist China ein Land, das aufsteigt wie die aufgehende Sonne. Der Krieg, den China führt, ist fortschrittlich, und aus dieser Fortschrittlichkeit ergibt sich eben seine Gerechtigkeit. Da dieser Krieg gerecht ist, kann er zum Zusammenschluß des ganzen Landes führen, die Sympathien des Volkes im Feindesland hervorrufen und die Mehrheit der Länder der Welt zur Unterstützung Chinas gewinnen. Drittens ist China ein sehr
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12. Also verfügt Japan zwar über eine große militärische, wirtschaftliche und politisch-organisatorische Stärke, aber der Krieg, den es führt, ist reaktionär und barbarisch, seine Menschen- und Materialreserven sind überdies unzureichend, und ferner ist seine internationale Lage ungünstig. Im Gegensatz dazu erlebt China, obwohl seine militärische, wirtschaftliche und politisch-organisatorische Stärke verhältnismäßig gering ist, eine Epoche des Fortschritts, und der Krieg, den es führt, ist ein fortschrittlicher und gerechter Krieg; überdies ist China ein großes Land, was ihm ermöglicht, einen langwierigen Krieg durchzuhalten; außerdem werden die meisten Länder der Welt China unterstützen. Das sind die grundlegenden; einander entgegengesetzten Besonderheiten Chinas und Japans im Krieg. Diese Besonderheiten bestimmten und bestimmen alle politischen Richtlinien, die militärische Strategie und Taktik der beiden Seiten, den langwierigen Charakter des Krieges, sie waren und sind dafür bestimmend, daß der endgültige Sieg China und nicht Japan zufallen wird. Der Krieg ist eine Art Wettstreit zwischen den erwähnten Besonderheiten. Im Verlauf des Krieges werden sich diese, ihrem jeweiligen Charakter gemäß, ändern, und daraus ergibt sich alles weitere. Diese Besonderheiten existieren in Wirklichkeit, sind nichts Eingebildetes und Trügerisches; sie stellen den ganzen Komplex der Grundelemente des Krieges dar, sind keineswegs nur unvollständige Bruchstücke; sie durchdringen alle größeren und kleineren Probleme der beiden Seiten sowie alle Etappen des Krieges und sind nicht etwas Bedeutungsloses. Wenn man bei der Untersuchung des Krieges zwischen China und Japan diese Besonderheiten vergißt, wird man unvermeidlich zu
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DIE WIDERLEGUNG DER THEORIE VON DER UNVERMEIDLICHEN UNTERJOCHUNG CHINAS
13. Die Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas, die nur einen einzigen Faktor vor Augen hatten, nämlich den Gegensatz zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche, sagten früher: "Falls wir Widerstand leisten, gehen wir zugrunde"; jetzt plappern sie: "Die Fortsetzung des Krieges bedeutet eine unvermeidliche Unterjochung." Wenn wir ihnen daraufhin lediglich erklären, der Feind sei zwar stark, sein Land aber klein, während China zwar ein schwaches, aber ein großes Land sei, so werden wir sie nicht überzeugen können. Sie können Beispiele aus der Geschichte des Sturzes der Sung-Dynastie durch die Mongolen und der Ming-Dynastie durch die Mandschuren anführen, um zu beweisen, daß ein kleiner, aber starker, dabei rückständiger Staat einen großen, aber schwachen, dabei fortschrittlichen Staat unterwerfen kann. Halten wir ihnen aber entgegen, das liege weit in der Vergangenheit zurück und könne nicht als Beweis dienen, können sie wiederum unter Bezugnahme auf die Tatsache der Unterwerfung Indiens durch Großbritannien nachzuweisen suchen, daß die Unterjochung eines großen, aber schwachen und rückständigen Landes durch ein kleines, aber starkes kapitalistisches Land möglich sei. Deshalb muß man auch noch andere Argumente anführen, und erst dann wird man alle Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas zum Schweigen bringen und überzeugen sowie allen jenen, die propagandistisch tätig sind, ausreichende Argumente geben können, damit sie die Menschen, die noch unklar und unentschlossen sind, überzeugen und ihre Zuversicht in unseren Sieg im Widerstandskrieg festigen können.
14. Was müssen wir da als Argument ins Treffen führen? Die Besonderheiten der Epoche. Der konkrete Ausdruck dieser Besonderheiten sind: die Rückschrittlichkeit Japans und die dürftige inter-
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nationale Unterstützung, die ihm zuteil wird; die Fortschrittlichkeit Chinas und die breite internationale Unterstützung, die ihm erwiesen wird.
15. Dieser Krieg ist ein Krieg, der zwischen China und Japan in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts geführt wird, und nicht irgendein anderer Krieg. Was unseren Feind betrifft, so ist er vor allem eine imperialistische Macht, die zum Untergang verurteilt ist. Japan befindet sich bereits in der Epoche des Abstiegs und kann nicht nur nicht mit dem England aus der Zeit der Unterwerfung Indiens, als sich der Kapitalismus in England noch in seiner fortschrittlichen Epoche befand, gleichgesetzt werden, sondern nicht einmal mit dem Japan, wie es vor zwanzig Jahren zur Zeit des ersten Weltkriegs war. Der gegenwärtige Krieg ist am Vorabend des grandiosen Zusammenbruchs des Weltimperialismus und in erster Linie des Zusammenbruchs der faschistischen Staaten entfesselt worden. Eben deswegen hat unser Feind den abenteuerlichen Krieg entfesselt, der im Grunde genommen sein letztes verzweifeltes Ringen bedeutet. Daher wird der Ausgang des Krieges so sein: nicht China, sondern die herrschende Clique des japanischen Imperialismus wird untergehen - das ist eine unvermeidliche Konsequenz. Ferner hat Japan seinen Krieg zu einer Zeit begonnen, da ein Teil der Staaten der Welt bereits in einen Krieg verwickelt ist, während andere bald hineingeraten werden, da alle solche Staaten bereits dabei sind oder sich darauf vorbereiten, gegen die barbarische Aggression zu kämpfen, und hinzu kommt, daß die Interessen Chinas mit denen der meisten Staaten und Völker der Welt verknüpft sind. Hier sind die Wurzeln der Opposition, die Japan bei den meisten Ländern und Völkern der Welt hervorgerufen hat und in wachsendem Maße weiterhin hervorrufen wird.
16. Wie steht es mit China? Das China von heute ist mit dem China irgendeiner vergangenen historischen Periode nicht zu vergleichen. Die halbkoloniale und halbfeudale Gesellschaft - das ist eine Besonderheit Chinas; deshalb wird es als ein schwaches Land bezeichnet. Gleichzeitig aber durchlebt es in seiner historischen Entwicklung eine Epoche des Fortschritts, und das ist der Hauptgrund für einen sicheren Sieg über Japan. Wenn wir sagen, daß der Krieg gegen die japanischen Eindringlinge fortschrittlich ist, so meinen wir weder eine Fortschrittlichkeit schlechthin noch die Fortschrittlichkeit, die für den Krieg Abessiniens gegen die italienische Aggression kennzeichnend war, noch die Fortschrittlichkeit, die die Taiping-Tiänguo-Bewegung oder die Revolution von 1911 charakterisierte, sondern die Fortschritt-
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lichkeit des heutigen China. Worin besteht die Fortschrittlichkeit des heutigen China? Sie besteht darin, daß China nicht mehr im vollen Sinne des Wortes ein feudaler Staat ist; in China ist bereits der Kapitalismus, sind bereits Bourgeoisie und Proletariat entstanden, breite Massen des Volkes sind erwacht oder im Erwachen begriffen, die Kommunistische Partei ist entstanden, es gibt eine politisch fortschrittliche Armee - die von der Kommunistischen Partei geführte chinesische Rote Armee; angesammelt haben sich die Traditionen und Erfahrungen einiger Jahrzehnte der Revolution und insbesondere die Erfahrungen der letzten siebzehn Jahre, die seit der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas vergangen sind. Diese Erfahrungen haben das chinesische Volk und die politischen Parteien Chinas erzogen; heute wurden gerade diese Erfahrungen zur Grundlage für unseren Zusammenschluß zum Widerstand gegen die japanische Aggression. Wenn festgestellt wird, daß in Rußland ohne die Erfahrungen von 1905 der Sieg im Jahre 1917 unmöglich gewesen wäre, dann können wir auch sagen, daß bei uns ohne die Erfahrungen der letzten siebzehn Jahre der Sieg im Widerstandskrieg unmöglich sein würde. Das sind unsere inneren Bedingungen.
Die internationalen Bedingungen haben es ermöglicht, daß China im Krieg nicht isoliert ist, was auch in der Geschichte erstmalig der Fall ist. In der Vergangenheit haben sowohl China als auch Indien ihre Kriege stets isoliert geführt. Erst in unseren Tagen begegnen wir einer in der ganzen Welt entstandenen oder entstehenden ungemein breiten und tiefgehenden Volksbewegung und der Unterstützung, die von dieser Bewegung China erwiesen wird. Die russische Revolution von 1917 fand ebenfalls in der ganzen Welt Unterstützung, und darum konnten die russischen Arbeiter und Bauern siegen, aber diese Unterstützung war damals ihrem Ausmaß nach nicht so groß und ihrem Charakter nach nicht so tiefgehend wie die Unterstützung, die China in unseren Tagen genießt. Heute entfaltet sich die Volksbewegung in der ganzen Welt in einer nie gekannten Breite und Tiefe. In der gegenwärtigen internationalen Politik stellt insbesondere die Existenz der Sowjetunion einen wesentlichen Faktor dar; die Sowjetunion wird China zweifellos mit größtem Enthusiasmus unterstützen. Vor zwanzig Jahren fehlte dieser Faktor ganz und gar. Das alles zusammengenommen schuf und schafft die unerläßlichen und wichtigen Voraussetzungen für den endgültigen Sieg Chinas. Obwohl wir heute vorläufig noch keine unmittelbare und breite Unterstützung erhalten und eine solche sich erst in der Zukunft ergeben wird, können wir jedoch, da
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solche Bedingungen wie die Fortschrittlichkeit Chinas und die Größe seines Territoriums gegeben sind, den Krieg in die Länge ziehen, uns die internationale Unterstützung sichern und sie abwarten.
17. Dazu kommt noch, daß Japan ein kleines Land ist und über ein kleines Territorium, wenige materielle Hilfsquellen, eine geringere Bevölkerungszahl und eine begrenzte Truppenstärke verfügt, während China ein großes Land mit einem riesigen Territorium, reichen materiellen Hilfsquellen, einer zahlreichen Bevölkerung und einer großen Zahl von Soldaten ist. So gibt es neben dem Gegensatz zwischen der Stärke Japans und der Schwäche Chinas noch einen anderen Gegensatz, nämlich daß einem kleinen, rückschrittlichen Land, das nur geringe internationale Unterstützung bekommt, ein großes, fortschrittliches Land gegenübersteht, das breite internationale Unterstützung genießt. Das ist der Grund dafür, daß China auf keinen Fall unterjocht werden wird. Der erste Gegensatz - Japan ist stark, und China ist schwach - gestattet es Japan zwar, in China eine gewisse Zeit hindurch und bis zu einer gewissen Grenze sein Unwesen zu treiben, zwingt China unvermeidlich, eine schwierige Wegstrecke zurückzulegen, und ist bestimmend dafür, daß der Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression kein Krieg mit rascher Entscheidung, sondern ein langwieriger Krieg sein wird. Der zweite Gegensatz dagegen - einem kleinen, rückschrittlichen Land, das nur geringe internationale Unterstützung erhält, steht ein großes, fortschrittliches Land gegenüber, das breite internationale Unterstützung genießt - ist seinerseits dafür bestimmend, daß Japan in China nicht unbegrenzt sein Unwesen treiben kann und unweigerlich die endgültige Niederlage erleiden wird, während China niemals unterjocht werden und mit Sicherheit den Endsieg erringen wird.
18. Warum aber wurde Abessinien unterjocht? Erstens war es nicht nur ein schwaches, sondern auch ein kleines Land. Zweitens war es nicht so fortschrittlich wie China. Es war ein alter Staat, der gerade erst von der Sklavenhalter- zur Leibeigenschaftsordnung überging; dort gab es weder einen Kapitalismus noch bürgerliche politische Parteien, geschweige denn eine kommunistische Partei. Ebensowenig gab es dort eine solche Armee wie in China und schon gar nicht eine solche Armee wie unsere Achte Route-Armee. Drittens war es nicht in der Lage, die internationale Hilfe abzuwarten, und mußte den Krieg isoliert führen. Viertens - und das ist das Wichtigste - hat im Krieg gegen die italienischen Eindringlinge die Führung Fehler gemacht. Die Folge von all dem wat, daß Abessinien
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unterjocht wurde. Aber in Abessinien ist noch ein ziemlich umfangreicher Partisanenkrieg im Gange, und wenn dieser Krieg hartnäckig weitergeführt wird, können die Abessinier mit Hilfe dieses Partisanenkriegs im Verlauf künftiger Änderungen der internationalen Lage die Unabhängigkeit ihrer Heimat wiedergewinnen.
19. Wenn jedoch die Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas die Niederlagen der chinesischen Befreiungsbewegung während der letzten hundert Jahre als Beispiele benutzen, um zu beweisen, daß "wir zugrunde gehen werden, falls wir Widerstand leisten" und daß "die Fortsetzung des Krieges eine unvermeidliche Unterjochung bedeutet", dann können wir darauf mit einem einzigen Satz antworten: Die Zeiten sind verschieden. Sowohl China selbst als auch die Lage in Japan und die internationale Lage sind heute nicht mehr so, wie sie früher waren. Gewiß ist Japan stärker geworden, während China nach wie vor ein halbkoloniales und halbfeudales Land und weiterhin sehr schwach geblieben ist. Das ist ein seht ernster Umstand. Es ist auch eine Tatsache, daß es Japan vorläufig noch möglich ist, das Volk unter Kontrolle zu halten und die internationalen Widersprüche zur Aggression in China auszunutzen. Aber im Verlauf eines langen Krieges werden unvermeidlich Änderungen in entgegengesetzter Richtung eintreten. Gegenwärtig sind sie noch keine vollendeten Tatsachen, werden es aber in der Zukunft unvermeidlich sein. Eben dies haben die Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas außer acht gelassen. Nun, und in China? In China gibt es heute nicht nur neue Menschen, eine neue politische Partei, eine neue Armee und eine neue Politik des Widerstands gegen die japanischen Eindringlinge - in all dem unterscheidet sich die Lage stark von der Situation vor mehr als zehn Jahren -, sondern das alles wird sich unvermeidlich auch weiterentwickeln. Obwohl die Befreiungsbewegung in der Geschichte Chinas immer wieder Rückschläge erlitten hat, so daß es China nicht möglich gewesen ist, noch beträchtlichere Kräfte zum Einsatz im heutigen Widerstandskrieg anzusammeln - das ist eine sehr schmerzliche historische Lehre, und man soll künftig nie wieder zulassen, daß die Chinesen selbst irgendwelche revolutionären Kräfte zerstören -, wird es nichtsdestoweniger, wenn wir energische Anstrengungen unternehmen, auch auf der gegebenen Grundlage bestimmt möglich sein, allmählich vorwärtszukommen und die Widerstandskraft zu steigern. Die große antijapanische nationale Einheitsfront - das ist die Hauptrichtung dieser Anstrengungen. Was die internationale Unterstützung
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anbelangt, so hat sich die gegenwärtige Weltlage - obwohl im gegebenen Moment eine unmittelbare Unterstützung in breitem Maßstab noch nicht zu spüren ist - bereits grundlegend gewandelt, und eine solche unmittelbare und breite Unterstützung reift heute immerhin schon heran. Für jeden der unzähligen Mißerfolge, welche die Befreiungsbewegung in China in den letzten hundert Jahren erfuhr, gibt es sowohl objektive als auch subjektive Gründe; aber keinesfalls kann man eine Analogie zu der gegenwärtigen Lage ziehen. Obwohl es auch heute viele schwierige Bedingungen gibt, die den Widerstandskrieg zu einem erbitterten Krieg machen - wie zum Beispiel der Umstand, daß der Feind stark und wir schwach sind, daß die Schwierigkeiten des Feindes erst beginnen, während unser Fortschritt noch bei weitem unzureichend ist usw. -, gibt es nichtsdestoweniger sehr viele günstige Bedingungen für den Sieg über den Feind. Wir brauchen nur unsere subjektiven Anstrengungen zu machen, und wir werden die Schwierigkeiten überwinden und den Sieg erringen können. In der Geschichte Chinas gab es noch keine Periode, die durch so günstige Bedingungen für uns charakterisiert wäre wie die gegenwärtige. Das ist der Grund dafür, daß der Widerstandskrieg keinesfalls mit einer Niederlage enden wird, wie sie unsere Befreiungsbewegung in der Vergangenheit immer wieder erlitten hat.
KOMPROMISS ODER WIDERSTAND? FÄULNIS ODER FORTSCHRITT?
20. Wir haben die Unhaltbarkeit der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas aufgezeigt. Doch es gibt viele Leute, die dieser Theorie nicht beipflichten, aber durchaus echte Patrioten sind, sich über die gegenwärtige Lage größte Sorgen machen und zwei Befürchtungen hegen: Einerseits fürchten sie einen Kompromiß mit Japan und andererseits zweifeln sie an der Möglichkeit des politischen Fortschritts in China. Diese beiden beunruhigenden Probleme werden in breiten Kreisen diskutiert, die jedoch keine Grundlage für ihre Lösung finden. Nun wollen wir zur Untersuchung dieser beiden Probleme übergehen.
21. Es wurde bereits gesagt, daß das Kompromißlertum seine sozialen Wurzeln hat, und solange diese bestehen, wird die Frage des Kompromisses immer wieder auftauchen. Aber die Versuche zum
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Kompromiß werden nicht gelingen. Um die Beweisgründe zu finden, braucht man sich wiederum nur Japan und China sowie die internationale Lage vor Augen zu führen. Wenden wir uns erstens Japan zu. Schon zu Beginn des Widerstandskriegs nahmen wir an, es werde der Moment eintreten, da die einen Kompromiß fördernden Stimmungen zunehmen würden, d. h., der Feind werde nach der Besetzung Nordchinas sowie der Provinzen Kiangsi und Tschekiang versuchen, China zur Kapitulation zu bewegen. Später wurde ein solcher Versuch tatsächlich unternommen; die Krise war jedoch bald vorbei - unter anderem, weil der Feind begonnen hatte, überall eine barbarische Politik durchzuführen und sich mit offenen Räubereien und Plünderungen zu befassen. Im Falle einer Kapitulation Chinas würde allen Chinesen das Dasein von Kolonialsklaven bereitet werden. Diese auf die Unterjochung Chinas gerichtete räuberische Politik des Feindes hat zwei Seiten - eine materielle und eine geistige - und betrifft alle Chinesen ohne Ausnahme, sowohl die unteren Schichten der Bevölkerung als auch die Oberschicht der Gesellschaft, obwohl sie dieser gegenüber natürlich in etwas delikaterer Form durchgeführt wird. Ein Unterschied besteht hier jedoch nur im Grad, nicht aber im Prinzip. Im allgemeinen hat der Feind jene alten Methoden, die er in den Drei Nordöstlichen Provinzen anwandte, auf die Gebiete Chinas südlich der Großen Mauer übertragen. In materieller Hinsicht beraubt der Feind das einfache Volk seiner Kleidung und Nahrung, so daß die breiten Volksmassen an Hunger und Kälte leiden; er raubt auch Produktionsinstrumente, ruiniert und versklavt auf diese Weise die nationale Industrie Chinas. In geistiger Hinsicht zerstört er das Nationalbewußtsein des chinesischen Volkes. Unter der "Flagge der Sonne" kann kein Chinese dem Verhängnis entgehen, ein gehorsamer Untertan, ein Arbeitsvieh zu sein, dem es verboten ist, auch nur die leiseste Spur von chinesischem Nationalgefühl zu zeigen. Diese barbarische Politik wird der Feind noch tiefer ins Land hineintragen. Er hat einen unersättlichen Appetit und will den Krieg nicht einstellen. Die vom japanischen Kabinett in seiner Erklärung vom 16. Januar 1938
[8] verkündete Politik wird bisher entschlossen durchgeführt, ja sie muß unbedingt durchgeführt werden, und das hat die Empörung aller Bevölkerungsschichten Chinas ausgelöst. All das ist die Folge des reaktionären und barbarischen Charakters des Krieges, den der Gegner führt. Man sagt, "man kann dem Unglück schlecht ausweichen", und so entsteht eine unversöhnliche Feindschaft gegen die japanischen Eindringlinge. Man kann damit rechnen, daß der Feind bei Gelegen-
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heit erneut versuchen wird, China zur Kapitulation zu überreden, und daß einige Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas wieder an die Oberfläche kommen und sich höchstwahrscheinlich mit gewissen Elementen des Auslands verständigen werden (und solche Elemente sind in England, in den USA und in Frankreich zu finden, insbesondere in der Oberschicht Englands), um mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Aber die allgemeine Tendenz der Entwicklung wird eine Kapitulation keinesfalls zulassen. Eine der Ursachen hierfür ist die Hartnäckigkeit und die außerordentliche Barbarei, womit Japan diesen Krieg führt.
22. Wenden wir uns zweitens China zu. In China gibt es drei Faktoren, die gewährleisten; daß es im Widerstandskrieg ausharrt. Der erste ist die Kommunistische Partei, jene zuverlässige Kraft, die das Volk zum Widerstand gegen Japan führt: Der zweite Faktor ist die Kuomintang. Da sie von England und den USA abhängig ist, kapituliert sie nicht, solange England und die USA ihr dazu keine Weisung geben. Der dritte Faktor sind die übrigen Parteien und Gruppen, von denen die meisten gegen einen Kompromiß und für den Widerstandskrieg sind. Falls diese drei Kräfte sich zusammenschließen, wird jeder, der einen Kompromiß mit dem Feind will, als auf der Seite der Landesverräter stehend betrachtet und von allen verurteilt. Denjenigen, die nicht Verräter sein wollen, bleibt keine andere Wahl, als sich zusammenzuschließen und den Widerstandskrieg hartnäckig zu Ende zu führen; und so wird ein Kompromiß praktisch kaum zustande kommen können.
23. Wenden wir uns drittens der internationalen Lage zu. Abgesehen von den Verbündeten Japans und einigen Elementen in den Oberschichten anderer kapitalistischer Länder ist die ganze Welt nicht für einen Kompromiß Chinas, sondern für seinen antijapanischen Widerstand. Dieser Umstand stärkt die Hoffnungen Chinas. Heute hofft unser ganzes Volk, daß die internationalen Kräfte ihre Hilfe für China allmählich verstärken werden. Diese Hoffnung ist nicht vergeblich. Vor allem ist es die Existenz der Sowjetunion, die China zu seinem Widerstandskrieg ermutigt. Die sozialistische Sowjetunion mit ihrer beispiellos starken Macht hat stets mit China Wohl und Wehe geteilt. In vollem Gegensatz zu den Oberschichten aller kapitalistischen Staaten, denen es allein um ihren Profit geht, hält es die Sowjetunion für ihre Pflicht, allen schwachen Nationen Hilfe zu leisten, alle revolutionären Kriege zu unterstützen. Daß China seinen Krieg nicht in einer Isolierung führt, gründet sich nicht nur auf die
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internationale Hilfe schlechthin, sondern vor allem auf die Unterstützung durch die Sowjetunion. Die Tatsache, daß China und die Sowjetunion geographisch benachbart sind, verschärft die kritische Lage Japans und begünstigt Chinas Widerstandskrieg. Die geographische Nähe Chinas und Japans erhöht die Schwierigkeiten, auf die China in diesem Krieg stößt. Die geographische Nähe Chinas und der Sowjetunion dagegen stellt eine günstige Bedingung für Chinas Widerstandskrieg dar.
24. Aus dem Gesagten läßt sich schließen, daß die Gefahr eines Kompromisses besteht, aber überwunden werden kann. Denn selbst wenn sich die Politik des Feindes bis zu einem gewissen Grade ändern sollte, kann sie sich doch nicht grundlegend wandeln. Obwohl in China das Kompromißlertum seine sozialen Wurzeln hat, bilden die Gegner des Kompromißlertums die überwiegende Mehrheit. Unter den internationalen Kräften gibt es zwar ebenfalls einige Elemente, die einen Kompromiß begünstigen, aber die Hauptkräfte unterstützen den Widerstandskrieg Chinas. Diese drei Faktoren zusammen bieten durchaus die Möglichkeit, die Gefahr eines Kompromisses zu überwinden und den Widerstandskrieg unerschütterlich bis zu Ende zu führen.
25. Jetzt gehe ich zur Antwort auf die zweite Frage über. Der innenpolitische Fortschritt und die hartnäckige Führung des Widerstandskriegs sind voneinander nicht zu trennen. Je größer der politische Fortschritt ist, um so mehr sind wir imstande, den Krieg hartnäckig zu führen; und umgekehrt, je hartnäckiger der Krieg geführt wird, desto größer wird der politische Fortschritt sein. Aber hauptsächlich hängt alles von der hartnäckigen Führung des Widerstandskriegs ab. Unter dem Kuomintang-Regime gibt es auf verschiedenen Gebieten bedrückend viele ungesunde Erscheinungen; und die Anhäufung solcher unerwünschten Faktoren in der Vergangenheit bereitet in den breiten Kreisen der Patrioten viel Kummer und Verdruß. Trotzdem besteht kein Grund zum Pessimismus, denn unsere im Widerstandskrieg gewonnenen Erfahrungen haben bereits erwiesen, daß das chinesische Volk in den letzten zehn Monaten einen gewaltigen Fortschritt gemacht hat, wozu es in der Vergangenheit viele Jahre benötigt hätte. Obwohl die Fäulniserscheinungen, die sich in der Vergangenheit angehäuft haben, das Tempo des Wachstums der Widerstandskräfte des Volkes sehr stark verzögern, unsere militärischen Erfolge verringern und Verluste im Kriege verursachen, gestattet es die allgemeine Lage In China, in Japan wie auch in der ganzen Welt
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dem chinesischen Volk nicht, auf der Stelle zu treten. Da es solche Faktoren wie die Fäulniserscheinungen gibt, die den Fortschritt behindern, geht dieser langsam vor sich. Der Fortschritt und sein langsames Tempo sind zwei Besonderheiten der gegenwärtigen Lage. Die zweite dieser Besonderheiten entspricht ganz offenbar nicht den dringenden Erfordernissen des Krieges, und das ist es, was unseren Patrioten Sorgen bereitet. Wir befinden uns jedoch mitten in einem revolutionären Krieg, und ein revolutionärer Krieg ist ein Gegengift, das nicht nur das Gift des Feindes vernichtet, sondern auch unsere eigenen Schlacken hinwegsäubert. Jeder gerechte revolutionäre Krieg besitzt eine gewaltige Macht und kann viele Dinge umgestalten oder den Weg für ihre Umgestaltung bahnen. Der Krieg zwischen China und Japan wird beide Länder, China wie Japan, umgestalten; vorausgesetzt, daß China im Widerstandskrieg ausharrt und an der Einheitsfront festhält, wird gewiß das alte Japan in ein neues Japan, das alte China in ein neues China verwandelt werden, und die Menschen und Dinge in beiden Ländern werden im Verlauf des Krieges und nach Kriegsende eine Umgestaltung erfahren. Wir handeln richtig, wenn wir den Widerstandskrieg und den Aufbau des Landes im Zusammenhang betrachten. Wenn wir sagen, Japan werde ebenfalls umgestaltet, dann meinen wir, daß der aggressive Krieg, den die Machthaber Japans führen, mit einer Niederlage enden wird und in Japan eine Volksrevolution auslösen kann. Der Tag des Sieges der Revolution des japanischen Volkes wird zum Tag der Umgestaltung Japans werden, und das ist eng mit dem Widerstandskrieg Chinas verbunden. Eine solche Perspektive soll man im Auge behalten.
26. Somit haben wir die grundlegenden und untereinander gegensätzlichen Besonderheiten, die den Feind bzw. uns kennzeichnen - Stärke oder Schwäche, großes oder kleines Territorium, fortschrittlicher oder reaktionärer Charakter, breite oder geringe internationale Unterstützung -, einer vergleichenden Analyse unterzogen; wir haben die Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas
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widerlegt; wir haben die Fragen beantwortet, warum ein Kompromiß nicht ohne weiteres zustande kommen kann und weshalb der politische Fortschritt möglich ist. Die Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas haben den Widerspruch zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche überschätzt. Sie haben ihn übertrieben, bedienen sich seiner als Argument zur Lösung der Gesamtfrage und übersehen die anderen Widersprüche. Darin, daß sie nur das Verhältnis zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche vor Augen haben, offenbart sich ihre Einseitigkeit; darin, daß sie diese eine Seite der Frage aufbauschen und sie als das Ganze betrachten, offenbart sich ihr Subjektivismus. Untersucht man die Frage in ihrer Gesamtheit, erweist sich, daß ihre Theorie unhaltbar und falsch ist. Jenen aber, die weder der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas beipflichten, noch ewige Pessimisten sind, sondern sich nur zeitweilig pessimistischen Stimmungen hingeben, da sie durch den Unterschied zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einer gewissen Teilsituation oder durch die Fäulniserscheinungen innerhalb des Landes in Verwirrung geraten sind - solchen Leuten müssen wir zeigen, daß auch ihren Ansichten Einseitigkeit und Subjektivismus zugrunde liegen. Aber diese Leute lassen sich leichter korrigieren: Es genügt, sie auf ihre Fehler hinzuweisen, und sie werden das schon begreifen, da sie Patrioten sind und ihre Fehler zeitweiligen Charakter haben.
27. Aber die Anhänger der Theorie vom raschen Sieg haben ebenfalls unrecht. Entweder vergessen sie völlig den Widerspruch zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche und wenden ihre Aufmerksamkeit nur den übrigen Widersprüchen zu; oder sie bauschen die Vorzüge Chinas so weit auf, daß diese jede Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit verlieren und kaum mehr wiederzuerkennen sind; oder sie halten das zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort herrschende Kräfteverhältnis für das Kräfteverhältnis der Gesamtsituation - sie sehen, wie es in einem Sprichwort heißt, hinter einem Blättchen vor dem Auge den Tai-Berg nicht - und glauben, im Recht zu sein. Kurz gesagt, ihnen fehlt der Mut zuzugeben, daß der Feind stark ist, wir aber schwach sind. Sie verwischen oft diese Tatsache und vertuschen damit eine Seite der Wahrheit. Ebensowenig finden sie den Mut, den beschränkten Charakter unserer Vorzüge zuzugeben, und vertuschen damit noch eine andere Seite der Wahrheit. Daraus entspringen ihre großen und kleinen Fehler; schuld
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daran sind wiederum der Subjektivismus und die Einseitigkeit. Diese Freunde sind wohlmeinend, sind ebenfalls Patrioten. Aber wenn auch "die Pläne der Herren großartig sind", so sind ihre Ansichten doch falsch, und wollte man nach ihren Rezepten handeln, würde man sich sicherlich den Kopf einrennen. Denn wenn die Einschätzung einer Lage der Wirklichkeit nicht entspricht, können die daraus folgenden Aktionen ihr Ziel nicht erreichen. Wollte man sich aber trotzdem darauf versteifen, dann würde man die Niederlage der Armee und den Untergang des Vaterlands herbeiführen, also das gleiche Resultat erzielen wie die Defätisten. Daher ist auch die Theorie vom raschen Sieg untauglich.
28. Bestreiten wir die Gefahr einer nationalen Unterjochung? Nein, wir bestreiten sie nicht. Wir erkennen an, daß China vor zwei möglichen Perspektiven steht - Befreiung oder Unterjochung - und daß zwischen beiden ein heftiger Kampf im Gange ist. Wir haben die Aufgabe, die Befreiung herbeizuführen und die Unterjochung zu verhindern. Die Bedingungen für die Befreiung sind der politische Fortschritt in China - er ist die grundlegende Bedingung - und die Schwierigkeiten des Feindes sowie die internationale Hilfe, die uns zuteil wird. Im Gegensatz zu den Anhängern der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas erkennen wir, weil wir objektiv und allseitig an die Frage herangehen, die gleichzeitige Existenz zweier Möglichkeiten an: die Möglichkeit der Unterjochung Chinas und die der Befreiung, betonen aber, daß die Möglichkeit der Befreiung das Übergewicht hat, weisen darauf hin, unter welchen Bedingungen sie zu erreichen ist, und setzen alles daran, diese Bedingungen zu erkämpfen. Die Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas dagegen erkennen, weil sie subjektiv und einseitig an die Frage herangehen, nur eine Möglichkeit an, und zwar die der Unterjochung Chinas, und bestreiten die Möglichkeit der Befreiung. Sie können noch weniger die für die Befreiung notwendigen Bedingungen aufzeigen und werden keine Anstrengungen machen, diese Bedingungen zu erkämpfen. Wir geben zwar auch zu, daß Kompromißtendenzen und Fäulniserscheinungen vorhanden sind, sehen jedoch auch andere Tendenzen und andere Erscheinungen, die, wie wir feststellen, nach und nach die Oberhand gewinnen werden und schon jetzt in erbittertem Kampf mit den ersten begriffen sind; ferner zeigen wir die Bedingungen für den Sieg dieser letzteren Tendenzen und Erscheinungen auf und setzen alles daran, die Kompromißtendenzen zu überwinden und die Fäulniserscheinungen auszumer-
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zen. Daher sind wir nicht pessimistisch, und die Pessimisten stehen zu uns im Gegensatz.
29. Es ist nicht etwa so, daß wir uns nicht einen raschen Sieg wünschen; wer von uns wäre nicht dafür, daß die japanischen "Teufel" über Nacht vertrieben würden? Aber wir müssen darauf hinweisen, daß ein rascher Sieg, wenn die dafür notwendigen Bedingungen nicht gegeben sind, nur in unseren Köpfen, nicht aber in der Wirklichkeit existieren kann, daß er nichts ist als eine Illusion, eine Scheintheorie. Deshalb verweisen wir, indem wir die ganze Lage sowohl bei uns als auch beim Feind objektiv und allseitig einschätzen, auf die Strategie des langwierigen Krieges als den einzigen Weg zur Erringung des endgültigen Sieges und lehnen die völlig unbegründete Theorie vom raschen Sieg ab. Wir sind dafür, daß alle Kräfte angespannt werden, um die für den endgültigen Sieg notwendigen Bedingungen zu erkämpfen. Je vollständiger und je eher diese Bedingungen erfüllt sind, desto größer werden die Garantien für unseren Sieg sein, desto eher wird er errungen werden. Wir glauben, daß man nur so die Dauer des Krieges verkürzen kann, und verwerfen die Theorie vom raschen Sieg, deren Anhänger durch leeres Geschwätz billige Erfolge haben wollen.
WARUM WIRD DER KRIEG LANGWIERIG SEIN?
30. Jetzt gehen wir dazu über, die Frage des langwierigen Krieges zu untersuchen. Zu einer richtigen Antwort auf die Frage: "Warum wird der Krieg langwierig sein?" kann man nur gelangen, wenn man allen grundlegenden, untereinander gegensätzlichen Faktoren, die für China bzw. Japan bestimmend sind, Rechnung trägt. Würden wir beispielsweise lediglich behaupten, daß der Feind eine starke imperialistische Macht ist und wir ein schwaches, halbkoloniales und halbfeudales Land sind, dann drohte uns die Gefahr, auf die Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas abzugleiten, denn allein daraus, daß ein Schwacher einem Starken gegenübersteht, ergibt sich durchaus nicht, weder theoretisch noch praktisch, daß der Krieg langwierig sein wird. Das ergibt sich ebensowenig allein daraus, daß das eine Land groß, das andere aber klein, das eine fortschrittlich und das andere reaktionär ist, daß das eine breite Unterstützung von außen genießt und das andere nur geringe Hilfe bekommt. Daß das Große
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das Kleine verschlingt, kommt ebensooft vor wie umgekehrt. Es kommt auch oft vor, daß ein fortschrittlicher Staat oder eine fortschrittliche Sache, wenn sie noch schwach sind, von einem größeren, aber reaktionären Staat oder einer stärkeren, aber rückschrittlichen Sache überwältigt werden. Der Umfang der Hilfe, die kriegführende Länder von außen erhalten, bildet zwar einen wichtigen, aber doch untergeordneten Faktor, dessen Wirkung wiederum durch die grundlegenden Faktoren bei den beiden kriegführenden Seiten bestimmt wird. Wenn wir daher sagen, daß der Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge langwierig sein wird, so ist dies eine Schlußfolgerung, die sich aus der Wechselbeziehung sämtlicher auf beiden Seiten wirkender Faktoren ergibt. Darin, daß der Feind stark ist, wir aber schwach sind, liegt die Gefahr unserer Unterjochung. Daneben hat der Feind seine Mängel, wir aber unsere Vorzüge. Durch unsere Anstrengungen können die Vorzüge des Gegners abgeschwächt und seine Mängel vergrößert werden. Andererseits können wir eben durch unsere Anstrengungen unsere Vorzüge steigern und unsere Mängel überwinden. Ebendarum sind wir imstande, den endgültigen Sieg zu erringen und der Unterjochung zu entgehen, während der Feind eine endgültige Niederlage erleiden wird und den Zusammenbruch seines ganzen imperialistischen Systems nicht vermeiden kann.
31. Wenn der Feind nur einen einzigen Vorzug aufzuweisen hat und seine übrigen Faktoren sämtlich Mängel sind, wir aber nur einen schwachen Punkt haben und alle übrigen Faktoren unsere Stärken sind, so ergibt sich die Frage: Warum hat dieser Zustand nicht zu einem Kräfteausgleich geführt, sondern dazu, daß der Feind sich gegenwärtig in einer überlegenen Position befindet und wir uns in einer unterlegenen? Es ist völlig klar, daß man an die Frage keinesfalls so formal herangehen darf. Die Sache ist die, daß der Abstand zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche gegenwärtig noch zu groß ist. Die Mängel des Feindes haben bisher noch nicht so sehr zugenommen und können auch nicht auf einen Schlag so groß werden, daß seine Stärke aufgehoben wird, während unsere Vorzüge sich vorläufig noch nicht so weit entwickelt haben und sich auch nicht auf einen Schlag so weit entwickeln können, wie es notwendig wäre, um unsere Schwäche auszugleichen. Ebendarum kann es bisher noch keinen Kräfteausgleich geben, es besteht noch eine Ungleichheit der Kräfte.
32. Wenngleich durch unsere Bemühungen, im Widerstandskrieg auszuharren und an der Einheitsfront festzuhalten, in der Stärke und
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Überlegenheit des Feindes sowie in unserer Schwäche und Unterlegenheit einige Veränderungen eingetreten sind, hat sich jedoch noch keine grundlegende Wandlung vollzogen. Deshalb wird der Feind in einem bestimmten Stadium des Krieges bis zu einem bestimmten Grad Siege erringen können, wir dagegen werden Niederlagen einstecken müssen. Aber sowohl die Siege des Feindes als auch unsere Niederlagen sind nur auf dieses bestimmte Stadium und diesen bestimmten Grad beschränkt und können sich nicht darüber hinaus zu einem vollständigen Sieg bzw. zu einer vollständigen Niederlage entwickeln. Wie erklärt sich das? Erstens dadurch, daß das Verhältnis zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche von Anfang an relativ und nicht absolut war; zweitens dadurch, daß unsere Bemühungen, im Widerstandskrieg auszuharren und an der Einheitsfront festzuhalten, diese Relativität noch weiter erhöht haben. Nehmen wir das ursprüngliche Kräfteverhältnis: Wenn auch der Feind stark war, verringerten andere für ihn ungünstige Faktoren seine Stärke, allerdings vorläufig noch nicht in dem Maße, wie es notwendig wäre, um seine Überlegenheit zunichte zu machen; wir waren damals zwar schwach, aber unsere Schwäche wurde durch andere für uns günstige Faktoren aufgewogen, allerdings vorläufig noch nicht so weit, wie es notwendig wäre, um unsere Unterlegenheit aufzuheben. So kommt es, daß der Feind relativ stark ist und wir relativ schwach sind, daß der Feind uns relativ überlegen ist und wir ihm relativ unterlegen sind. Stärke und Schwäche, Überlegenheit und Unterlegenheit der beiden Seiten waren von Anfang an nicht absolut; obendrein haben im Verlauf des Krieges unsere beharrlichen Bemühungen um den Widerstandskrieg und die Einheitsfront das ursprüngliche Verhältnis zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche, zwischen der Überlegenheit des Feindes und unserer Unterlegenheit weiterhin verändert, so daß sich sowohl die Siege des Feindes als auch unsere Niederlagen auf ein bestimmtes Stadium und einen bestimmten Grad beschränken und der Krieg langwierig sein wird.
33. Aber die Lage verändert sich weiter. Wenn wir es verstehen, eine richtige militärische und politische Taktik zu verfolgen, wenn wir keine prinzipiellen Fehler begehen und maximale Anstrengungen machen, so werden im Verlauf des Krieges alle für den Feind ungünstigen und alle für uns günstigen Faktoren mit der Dauer des Krieges stärker werden, wird sich das ursprüngliche Verhältnis zwischen der Stärke des Feindes und unserer Schwäche unweigerlich weiterhin ändern und das Verhältnis zwischen der Überlegenheit des Feindes und unserer
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Unterlegenheit fortgesetzt wandeln. Wenn ein bestimmtes neues Stadium erreicht ist, wird ein großer Wandel im Verhältnis zwischen Stärke und Schwäche, zwischen Überlegenheit und Unterlegenheit eintreten, was dann zur Niederlage des Feindes und zu unserem Sieg führen wird.
34. Gegenwärtig kann es sich der Feind noch leisten, seine Stärke auszuspielen, denn unser Widerstandskrieg hat ihn noch nicht grundlegend geschwächt. Solche Faktoren wie der Mangel an Menschenreserven und an materiellen Hilfsquellen beim Feind können seine Offensive vorläufig noch nicht aufhalten; im Gegenteil, diese Reserven und Hilfsquellen geben ihm vorläufig noch die Möglichkeit, die Offensive bis zu einer bestimmten Grenze fortzusetzen. Der reaktionäre und barbarische Charakter des von Japan geführten Krieges, ein Faktor, der die Klassengegensätze in Japan selbst zu verschärfen und den Widerstand der chinesischen Nation zu verstärken vermag, hat ebenfalls noch nicht dazu geführt, daß die Offensive des Feindes im wesentlichen aufgehalten würde. Schließlich befindet sich auch der Faktor der internationalen Isolierung Japans erst im Stadium des Werdens und der Entwicklung, und Japan ist noch nicht in eine vollständige Isolierung geraten. In den Ländern, die uns ihre Hilfsbereitschaft bezeugt haben, beliefern viele Kapitalisten, die mit Munition und strategischen Rohstoffen handeln und lediglich auf Profit aus sind, Japan noch mit Kriegsmaterial in großen Mengen.
[9] Ihre Regierungen [10] sind ebenfalls noch nicht bereit, gemeinsam mit der Sowjetunion wirksame Sanktionen gegen Japan anzuwenden. Alles das ist dafür bestimmend, daß unser Widerstandskrieg nicht von einem raschen Sieg gekrönt werden kann, sondern daß er langwierig sein wird. Was China anbelangt, so ist zwar auf militärischem, wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiet, wo sich seine Schwäche offenbart, im Laufe der zehn Monate des Widerstandskriegs ein gewisser Fortschritt zu verzeichnen, aber dieser Fortschritt hat noch lange nicht den Grad erreicht, der notwendig ist, um den Angriff des Feindes aufzuhalten und unsere Gegenoffensive vorzubereiten. Außerdem mußten wir in quantitativer Hinsicht sogar gewisse Verluste erleiden. Die für uns günstigen Faktoren spielen zwar bereits eine positive Rolle, doch sind, bis sie den Stand erreichen, der genügen würde, um den Angriff des Feindes zum Stehen zu bringen und unsere Gegenoffensive vorzubereiten, weitere gewaltige Anstrengungen notwendig. Heute sind weder die Beseitigung der Fäulniserscheinungen und die Beschleunigung des innenpolitischen Fortschritts noch die Überwindung
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der Japan unterstützenden Kräfte und die Stärkung der antijapanischen Kräfte im Ausland vollendete Tatsachen. Alles das ist wiederum dafür bestimmend, daß unser Krieg nicht von einem raschen Sieg gekrönt werden, sondern nur langwierig sein kann.
DIE DREI ETAPPEN DES LANGWIERIGEN KRIEGES
35. Wenn der Krieg zwischen China und Japan langwierig sein und der Endsieg China gehören wird, kann man mit Recht annehmen, daß dieser langwierige Krieg in seiner konkreten Entwicklung drei Etappen durchlaufen wird. Die erste Etappe wird die Etappe des strategischen Angriffs des Gegners und unserer strategischen Verteidigung sein, die zweite die Etappe der strategischen Konsolidierung des Gegners und unserer Vorbereitung zur Gegenoffensive, die dritte die Etappe unserer strategischen Gegenoffensive und des strategischen Rückzugs des Gegners. Es ist unmöglich vorauszusagen, welche konkrete Lage sich in jeder dieser drei Etappen ergeben wird. Aber von den gegenwärtigen Bedingungen ausgehend, kann man dennoch auf einige Grundtendenzen in der Entwicklung des Krieges hinweisen. Die Entwicklung der objektiven Wirklichkeit wird ungemein ereignisreich sein und im Zickzack verlaufen, und keiner vermag dem Krieg zwischen China und Japan ein "Horoskop" zu stellen; dennoch ist es aber für die strategische Führung notwendig, die Hauptkonturen der Entwicklungstendenzen des Krieges zu umreißen. Wenn auch diese Konturen den künftigen Tatsachen nicht voll und ganz entsprechen und von ihnen korrigiert werden sollten, ist es dennoch notwendig, solche Konturen zu skizzieren, um eine feste und zielbewußte strategische Führung in einem langwierigen Krieg zu sichern.
36. Die erste Etappe des Krieges ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen. Der Feind beabsichtigt, Kanton, Wuhan und Landschou zu erobern und diese drei Punkte miteinander zu verbinden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Gegner mindestens fünfzig Divisionen rund anderthalb Millionen Soldaten - einsetzen, anderthalb bis zwei Jahre aufwenden und mehr als zehn Milliarden Yen ausgeben müssen. Indem der Gegner so tief in das Land eindringt, wird er auf außerordentlich große Schwierigkeiten stoßen und Konsequenzen heraufbeschwören, die er sich nicht einmal vorstellen kann. Was die Versuche des Gegners anbelangt, sich restlos der Kanton-Hankou-Eisenbahnlinie
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und der Autostraße Sian-Landschou zu bemächtigen, so wird er sich dazu auf höchst gefahrvolle Kriegshandlungen einlassen müssen und sein Ziel wohl kaum ganz erreichen. Wir aber müssen beim Entwerfen unserer Kriegspläne von der Annahme ausgehen, daß der Gegner sowohl die erwähnten drei Punkte und sogar außerdem noch gewisse Gegenden besetzen als auch sie miteinander verbinden wird, und uns auf einen langwierigen Krieg vorbereiten, so daß wir imstande sein werden, mit dem Gegner fertig zu werden, wenn er dieses Vorhaben verwirklichen sollte. Die Formen der Kriegführung, die wir in dieser Etappe anwenden, sind vorwiegend der Bewegungskrieg, der durch den Partisanenkrieg und den Stellungskrieg unterstützt wird. Wenn auch durch subjektive Fehler der Kuomintang-Militärbehörde der Stellungskrieg in der ersten Phase dieser Etappe in den Vordergrund gerückt worden ist, wird er nichtsdestoweniger vom Standpunkt der gesamten Etappe nur eine Hilfsrolle spielen. In dieser Etappe hat sich in China bereits eine breite Einheitsfront gebildet, ist eine nie dagewesene Geschlossenheit erreicht worden. Der Gegner griff zu gemeinen und schamlosen Mitteln und wird weiter danach greifen, um China zur Kapitulation zu veranlassen und so ohne großen Kraftaufwand seine Pläne einer raschen Entscheidung in die Tat umzusetzen und ganz China zu bezwingen. Das ist ihm aber in der Vergangenheit nicht gelungen und wird ihm wohl auch in der Zukunft kaum gelingen. In dieser Etappe hat China zwar beträchtliche Verluste erlitten, aber daneben auch einen bedeutenden Fortschritt erzielt, der als Hauptgrundlage für die Fortsetzung des Widerstandskriegs in seiner zweiten Etappe dienen wird. In der ersten Etappe leistete die Sowjetunion unserem Land bereits eine große Hilfe. Was den Gegner betrifft, so begann sein Kampfgeist bereits zu sinken; der Angriffsschwung des feindlichen Heeres hat in der mittleren Phase dieser Etappe im Vergleich zur Anfangsphase bereits nachgelassen und wird in der Schlußphase noch weiter abnehmen. In den Finanzen und in der Wirtschaft Japans zeigen sich Symptome einer Erschöpfung; seine Bevölkerung und seine Soldaten beginnen kriegsmüde zu werden; innerhalb der diesen Krieg dirigierenden Clique sind Anzeichen von "Kriegsüberdruß" bereits bemerkbar und wächst der Pessimismus hinsichtlich der Perspektiven des Krieges.
37. Die zweite Etappe kann als die Etappe des strategischen Gleichgewichts bezeichnet werden. Am Ende der ersten Etappe wird der Feind aus Mangel an Streitkräften und infolge unseres zähen Widerstands gezwungen sein, gewisse Endpunkte für seinen strategischen
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Angriff festzulegen. Sobald diese Punkte erreicht sind, wird er seinen strategischen Angriff einstellen und zu der Etappe übergehen, in der er das von ihm eroberte Territorium sichert. In dieser Etappe wird der Gegner versuchen, das eroberte Territorium zu behaupten und mit Hilfe solcher Täuschungsmittel wie der Bildung von Marionettenregimen dieses Territorium zu seinem Eigentum zu machen und das chinesische Volk bis aufs Hemd auszuplündern. Aber hier wird er auf einen hartnäckigen Partisanenkrieg stoßen. Unter Ausnutzung des Umstands, daß hinter den feindlichen Linien nicht genügend Truppen bleiben, wird sich der Partisanenkrieg bereits in der ersten Etappe überall entfalten, und zahlreiche Stützpunktgebiete werden geschaffen - dies alles wird den Gegner bei der Sicherung des von ihm eroberten Territoriums ernstlich gefährden. Deshalb wird es auch in der zweiten Etappe nach wie vor zu ausgedehnten Kampfhandlungen kommen. In dieser Etappe wird die Form unserer Kriegführung hauptsächlich der Partisanenkrieg sein, der durch den Bewegungskrieg unterstützt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt wird China eine große Anzahl von regulären Truppen erhalten können, aber es wird ihm schwerfallen, sofort zur strategischen Gegenoffensive überzugehen, weil einerseits der Gegner in den von ihm besetzten Großstädten und an den Hauptverbindungslinien eine strategische Defensivposition beziehen wird und andererseits China vorläufig noch nicht über hinreichende technische Voraussetzungen dafür verfügt. Abgesehen von den Truppenteilen, welche die Fronten zu verteidigen haben, wird unsere Armee in großen Massen hinter die feindlichen Linien hinüberwechseln und dort in verhältnismäßig aufgelockerten Einheiten operieren; auf die vom Gegner nicht besetzten Gebiete gestützt, werden unsere Truppen im Zusammenwirken mit den bewaffneten Abteilungen der Volksmassen einen breiten und erbitterten Partisanenkrieg gegen die vom Feind besetzten Gebiete führen, wobei sie den Gegner mit allen Kräften in Trab halten, um seine Kräfte im Bewegungskrieg zu vernichten, wie das alles jetzt in der Provinz Schansi geschieht. Der Krieg wird in dieser Etappe sehr hart sein, viele Gebiete werden schwere Zerstörungen erfahren. Doch der Partisanenkrieg wird erfolgreich verlaufen; und wenn er gut geführt wird, kann dem Gegner nur etwa ein Drittel des von ihm besetzten Territoriums verbleiben, während wir die anderen zwei Drittel nach wie vor in den Händen halten werden, und das wird eine große Niederlage für den Gegner und einen großen Sieg für China bedeuten. Zu dieser Zeit wird sich das ganze vom Gegner eroberte Territorium in drei Arten von Gebieten teilen: erstens Stützpunktge-
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biete des Gegners, zweitens Stützpunktgebiete des Partisanenkriegs und drittens Partisanengebiete, um deren Besitz von beiden Seiten gekämpft wird. Die Dauer dieser Etappe wird davon abhängen, inwieweit sich das Kräfteverhältnis zwischen uns und dem Gegner verschiebt und die internationale Lage sich ändert. Im allgemeinen müssen wir darauf gefaßt sein, daß die zweite Etappe relativ lang sein wird, und müssen bereit sein, diese schwierige Wegstrecke zurückzulegen. Es wird für China eine Periode schwerer Leiden sein, in der wir vor zwei sehr ernsten Problemen stehen, nämlich vor ökonomischen Schwierigkeiten und vor der Wühltätigkeit der Landesverräter. Der Gegner wird eine wütende Aktivität zur Zersetzung der Einheitsfront in China entfalten, und alle Organisationen der Landesverräter auf dem vom Gegner besetzten Territorium werden sich zu einer sogenannten "Einheitsregierung" zusammentun. Im Zusammenhang mit dem Verlust der Großstädte und den Kriegsschwierigkeiten werden die schwankenden Elemente in unseren Reihen beginnen, ihre Kompromißideen aktiv zu propagieren, und die pessimistischen Stimmungen werden sich beträchtlich verstärken. Zu dieser Zeit wird unsere Aufgabe darin bestehen, die Volksmassen des ganzen Landes so zu mobilisieren, daß sie wie ein Mann zusammenstehen und den Krieg mit beispielloser Hartnäckigkeit führen, die Einheitsfront zu erweitern und zu festigen, jeglichen Pessimismus und jegliches Kompromißlertum zu überwinden, das Land zu einem harten Kampf aufzurufen und eine neue Politik der Kriegszeit durchzuführen, um diesen schwierigen Weg zurücklegen zu können. In der zweiten Etappe müssen wir das ganze Land aufrufen, entschlossen eine einheitliche Regierung aufrechtzuerhalten, müssen wir gegen eine Spaltung kämpfen, unsere Kampftechnik planmäßig steigern, die Armee umgestalten, das ganze Volk mobilisieren und uns auf die Gegenoffensive vorbereiten. In dieser Etappe wird die internationale Lage für Japan noch ungünstiger sein, und die bedeutenden internationalen Kräfte werden dazu neigen, China noch mehr Hilfe zu erweisen, wenn auch möglicherweise das Gerede vom "Realismus" Chamberlainscher Prägung auftauchen wird, dem zufolge man den "vollendeten Tatsachen" Rechnung tragen müsse, wie es so schön heißt. Die Bedrohung Südostasiens und Sibiriens durch Japan wird sich verstärken, und es kann sogar ein neuer Krieg ausbrechen. Was den Gegner anbelangt, so werden einige Dutzend seiner Divisionen, die in China gleichsam in einen Morast geraten sind, außerstande sein, von hier loszukommen. Der breit entfaltete Partisanenkrieg und die antijapanische Volksbewegung werden diese riesige
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japanische Armee zermürben. Einerseits werden sie ihr große Verluste zufügen und andererseits sie moralisch zersetzen, indem sie in ihr immer mehr Heimweh, Kriegsmüdigkeit und sogar Antikriegsstimmungen erzeugen. Obwohl man nicht sagen kann, Japan werde mit seiner Ausplünderung Chinas absolut nichts erreichen können, so wird es jedoch den Japanern nicht gelingen, rasche und große Erfolge zu erzielen, da Japan nicht genügend Kapital besitzt und mit unserem Partisanenkrieg schwer zu schaffen hat. Diese zweite Etappe wird im gesamten Krieg eine Übergangsetappe bilden und dabei die schwierigste Etappe sein, aber sie wird zugleich den Wendepunkt darstellen. Die Frage, ob China zu einem unabhängigen Staat oder zu einer Kolonie werden wird, wird nicht durch den Verlust der Großstädte in der ersten Etappe entschieden, sondern durch das Ausmaß der Anstrengungen der ganzen Nation in der zweiten Etappe. Wenn wir im Widerstandskrieg ausharren, an der Einheitsfront festhalten und hartnäckig einen langwierigen Krieg führen können, dann wird China in der zweiten Etappe die Kräfte erlangt haben, um seine Schwäche in Stärke umzuwandeln. In dem dreiaktigen Drama des Widerstandskriegs Chinas wird das der zweite Akt sein. Und durch die Anstrengungen des gesamten Schauspielerkollektivs wird es dann möglich sein, den glänzenden Schlußakt wunderbar zu spielen.
38. Die dritte Etappe wird die Etappe der Gegenoffensive sein; in der wir die verlorenen Gebiete zurückerobern werden. Wenn China die verlorenen Gebiete wiedergewinnen wird, so wird das hauptsächlich seinen eigenen Kräften zu verdanken sein, die in der vorangegangenen Etappe ausgebildet wurden und in der dritten Etappe weiterhin wachsen werden. Aber die eigenen Kräfte Chinas werden allein nicht ausreichen; wir werden uns auch noch auf die Hilfe der internationalen Kräfte und auf die inneren Veränderungen im Land des Feindes stützen müssen, sonst werden wir nicht siegen können. Daher werden der internationalen propagandistischen und diplomatischen Tätigkeit Chinas noch größere Aufgaben gestellt. In dieser Etappe wird unser Krieg nicht mehr in einer strategischen Verteidigung bestehen, sondern sich in eine strategische Gegenoffensive verwandeln, die sich in strategischen Angriffen manifestieren wird; der Krieg wird schon nicht mehr auf den strategisch inneren Linien verlaufen, sondern allmählich auf die strategisch äußeren Linien übergehen. Er wird erst beendet sein, wenn wir uns bis zum Yalu-Fluß durchgekämpft haben. Die dritte Etappe ist die Schlußetappe des langwierigen Krieges. Wenn wir sagen "den Krieg hartnäckig bis zum Ende führen", so heißt das,
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daß wir die ganze Wegstrecke dieser Etappe zurücklegen müssen. Die Hauptform unserer Kriegführung in der dritten Etappe wird wiederum der Bewegungskrieg sein, wobei aber der Stellungskrieg an Bedeutung zunehmen wird. Wenn in der ersten Etappe der gegebenen Bedingungen wegen die Verteidigung von Stellungen aus nicht als wesentlich betrachtet werden kann, so wird in der dritten Etappe infolge der veränderten Bedingungen und Aufgaben der Angriff auf die Stellungen des Gegners eine sehr wichtige Rolle spielen. Der Partisanenkrieg wird zum Unterschied von der zweiten Etappe, wo er die Hauptform der Kriegführung sein wird, in dieser Etappe wiederum eine Rolle beim strategischen Zusammenwirken spielen, indem er den Bewegungs- und Stellungskrieg unterstützt.
39. Es ist also offenkundig, daß der Krieg lange dauern und folglich auch hart sein wird. Der Feind wird nicht imstande sein, ganz China zu verschlingen, aber er kann viele Gebiete Chinas ziemlich lange besetzt halten. China kann auch nicht die Japaner rasch vertreiben, aber der größte Teil des Territoriums wird nach wie vor in seinen Händen verbleiben. Letzten Endes wird der Feind eine Niederlage erleiden, und wir werden siegen, aber bis zu diesem Ziel werden wir einen schweren Weg zurückzulegen haben.
40. In diesem langdauernden und harten Krieg wird das chinesische Volk bestens gestählt werden. Die verschiedenen politischen Parteien, die am Krieg teilnehmen, werden ebenfalls einer Stählung und Prüfung unterworfen sein. Die Einheitsfront muß aufrechterhalten werden; nur wenn man an der Einheitsfront festhält, kann man den Krieg hartnäckig führen; und nur wenn man an der Einheitsfront festhält und den Krieg hartnäckig führt, ist der Endsieg zu erkämpfen. Unter diesen Voraussetzungen werden wir alle Schwierigkeiten überwinden können. Nachdem die schwierige Wegstrecke des Krieges zurückgelegt worden ist, werden wir die breite Straße erreichen, die zum Sieg führt. Das ist die natürliche Logik des Krieges.
41. Die Veränderungen im Kräfteverhältnis zwischen uns und dem Gegner werden in diesen drei Etappen folgendermaßen vor sich gehen. In der ersten Etappe ist der Gegner uns überlegen. Es ist damit zu rechnen, daß hinsichtlich unserer Unterlegenheit in der Zeit vom Ausbruch des Widerstandskriegs bis zum Ende der ersten Etappe zwei unterschiedliche Arten von Veränderungen eintreten können. Die erste Art wären Veränderungen, die abwärts führen. Die anfängliche Unterlegenheit Chinas wird sich durch die im Verlauf der ersten Etappe erlittenen Verluste noch verschärfen, nämlich durch die
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Verkleinerung des Territoriums, der Bevölkerungszahl, des wirtschaftlichen Potentials, der militärischen Kräfte und der kulturellen Einrichtungen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Verluste gegen Ende der ersten Etappe bedeutende Ausmaße erreichen werden, besonders auf dem Gebiet der Wirtschaft. Das wird von gewissen Leuten als ein Argument für die Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und für das Kompromißlertum ausgenutzt werden. Man darf jedoch die Veränderungen der zweiten Art nicht vergessen, nämlich jene Veränderungen, die aufwärts führen. Das wären die im Krieg gewonnenen Erfahrungen, die Fortschritte der Armee, der politische Fortschritt, die Mobilisierung des Volkes, die Entwicklung der Kultur in einer neuen Richtung, das Aufflammen des Partisanenkriegs, das Anwachsen der internationalen Hilfe usw. Das, was während der ersten Etappe abwärts führt, sind Verluste alter Quantität und Qualität, wobei sich diese Verluste hauptsächlich quantitativ äußern. Das aber, was aufwärts führt, sind Dinge neuer Quantität und Qualität, wobei sich diese Errungenschaften hauptsächlich qualitativ äußern. Die zweite Art der Veränderungen bietet uns eine Grundlage, auf der wir einen langwierigen Krieg führen und den Endsieg erringen können.
42. Zweierlei Veränderungen werden in der ersten Etappe auch auf der Seite des Gegners vor sich gehen. Die Veränderungen der ersten Art, nämlich Veränderungen, die abwärts führen, kommen im Verlust von Hunderttausenden an Toten und Verwundeten, im Verbrauch von Waffen und Munition, im Sinken der Moral der Truppen, im Wachstum der Unzufriedenheit der japanischen Bevölkerung, im Rückgang des Handels, in der Verausgabung von mehr als zehn Milliarden Yen, in der Verurteilung Japans durch die internationale öffentliche Meinung usw. zum Ausdruck. Die Veränderungen dieser Art geben uns ebenfalls eine Grundlage, auf der wir einen langwierigen Krieg führen und den Endsieg erringen können. Aber man muß auch Veränderungen der zweiten Art beim Feind in Rechnung stellen, Veränderungen, die aufwärts führen: Erweiterung des Territoriums, Zuwachs der Bevölkerung und Vermehrung der natürlichen Hilfsquellen. Das ist ein weiteres Argument dafür, daß unser Widerstandskrieg langwierig sein wird und nicht mit einem raschen Sieg enden kann; eben das wird von gewissen Leuten als ein Argument für die Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und für das Kompromißlertum ausgenutzt werden. Wir müssen aber berücksichtigen, daß die Veränderungen zum Besseren beim Feind vorüberge-
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henden und partiellen Charakter tragen. Unser Feind ist eine zum Untergang verurteilte imperialistische Macht, und die Besetzung chinesischen Bodens durch ihn ist vorübergehend. Die stürmische Entwicklung des Partisanenkriegs in China wird die besetzten Gebiete faktisch auf einen kleinen Landstreifen beschränken. Außerdem bringt die Besetzung chinesischen Bodens durch den Gegner neue Widersprüche zwischen Japan und anderen Mächten hervor und verschärft alte Widersprüche. Ferner wird Japan, wie die Erfahrungen in den Drei Nordöstlichen Provinzen zeigen, relativ lange Zeit im wesentlichen nur Mittel aufwenden, ohne Einnahmen zu erzielen. Das alles liefert wiederum Argumente, mit denen wir die Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und die Theorie von der Notwendigkeit eines Kompromisses zerschlagen und unsere Theorien vom langwierigen Krieg und von unserem Endsieg stützen.
43. In der zweiten Etappe werden die erwähnten Veränderungen der beiden Seiten weitergehen. Obwohl die Einzelheiten der Situation nicht vorauszusehen sind, wird sich im allgemeinen die Lage Japans weiter verschlechtern und die Chinas weiter verbessern.
[11] So wird beispielsweise der Partisanenkrieg in China die militärischen und finanziellen Reserven Japans in gewaltigen Mengen verschlingen; die Unzufriedenheit der japanischen Bevölkerung wird noch weiter anwachsen, die Moral seiner Truppen wird weiter sinken, und die internationale Isolierung Japans wird sich weiter verstärken. China dagegen wird auf politischem, militärischem und kulturellem Gebiet sowie bei der Mobilisierung der Volksmassen noch weitere Fortschritte machen; der Partisanenkrieg wird sich noch breiter entfalten, die Wirtschaft wird auf der Basis der Kleinindustrie und der weitausgedehnten Landwirtschaft im Landesinnern ebenfalls eine gewisse Weiterentwicklung erfahren; die internationale Hilfe wird nach und nach anwachsen und wird im wesentlichen anders aussehen als heute. Die zweite Etappe wird wahrscheinlich sehr lange dauern. Im Laufe dieser Zeit werden im Kräfteverhältnis zwischen uns und dem Gegner gewaltige Veränderungen zu unseren Gunsten vor sich gehen: China wird allmählich aufsteigen, während Japan allmählich absteigen wird. China wird sich aus seiner Unterlegenheit befreien; Japan dagegen seine Überlegenheit einbüßen. Zunächst wird ein Kräfteausgleich eintreten, dann aber werden China und Japan, was ihre Überlegenheit bzw. Unterlegenheit anbelangt, den Platz wechseln. Dann wird China die Vorbereitungen für die strategische Gegenoffensive im wesentlichen abgeschlossen haben und in die Etappe der Gegenoffensive und
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der Vertreibung des Gegners eintreten. Es muß noch einmal darauf hingewiesen werden, daß das, was wir die Verwandlung von Unterlegenheit in Überlegenheit und den Abschluß der Vorbereitungen für die Gegenoffensive genannt haben, ein Anwachsen der eigenen Kräfte Chinas, ein Anwachsen der Schwierigkeiten Japans und ein Anwachsen der internationalen Hilfe für China in sich einschließt. Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren wird die Überlegenheit Chinas zustande kommen, wird seine Vorbereitung zur Gegenoffensive abgeschlossen sein.
44. Da die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chinas ungleichmäßig ist, wird die strategische Gegenoffensive im Anfangsstadium der dritten Etappe nicht einheitlich und gleichmäßig im ganzen Land verlaufen, sondern von Region zu Region verschieden sein, hier anschwellen, dort abflauen. Der Gegner wird in dieser Etappe nicht in den Versuchen nachlassen, die Einheitsfront Chinas mit allen möglichen Zersetzungsmitteln zu sprengen, daher wird die Aufgabe, die innere Geschlossenheit Chinas zu erhalten, noch größere Bedeutung erlangen; man darf auf keinen Fall zulassen, daß unsere strategische Gegenoffensive wegen innerer Uneinigkeit auf halbem Wege steckenbleibt. In diesem Zeitabschnitt wird sich die internationale Lage für China ungemein günstig gestalten. Und China wird dann seine Aufgabe darin sehen müssen, diese internationale Lage auszunutzen, um seine vollständige Befreiung zu erkämpfen und einen unabhängigen, demokratischen Staat aufzubauen, wodurch es der antifaschistischen Bewegung in der ganzen Welt Hilfe leisten wird.
45. China wird aus der Unterlegenheit zum Kräfteausgleich und dann zur Überlegenheit gelangen, Japan aber von der Überlegenheit zum Kräfteausgleich und schließlich zur Unterlegenheit; China wird von der Verteidigung zum Gleichgewicht und dann zur Gegenoffensive schreiten, Japan dagegen vom Angriff zur Sicherung der besetzten Gebiete und schließlich zum Rückzug - das wird der Verlauf des Krieges zwischen China und Japan, die unausbleibliche Tendenz, seiner Entwicklung sein.
46. So kommen wir zu nachstehenden Fragen und Schlußfolgerungen: Wird China unterjocht werden? Die Antwort lautet: Nein, es wird nicht unterjocht werden, der Endsieg wird ihm gehören. Wird China rasch siegen können? Die Antwort lautet: Nein, das kann es nicht, der Krieg wird langwierig sein. Sind diese Schlußfolgerungen richtig? Meiner Meinung nach sind sie richtig.
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47. An diesem Punkt werden die Anhänger der Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und des Kompromißlertums wieder auf den Plan treten und erklären: Um von seiner Unterlegenheit zum Kräfteausgleich überzugehen, benötige China eine ebenso große militärische und wirtschaftliche Stärke wie die Japans, um aber vom Kräfteausgleich zur Überlegenheit überzugehen, brauche es eine militärische und wirtschaftliche Stärke, die der Japans überlegen ist; das aber sei doch unmöglich, und folglich seien die oben gezogenen Schlußfolgerungen nicht richtig.
48. Das ist die "Theorie von der Allmacht der Waffen"
[12], eine mechanistische Auffassung in der Frage des Krieges, eine Ansicht, die sich aus dem subjektivistischen und einseitigen Herangehen an Probleme ergibt. Wir vertreten eine direkt entgegengesetzte Ansicht und sehen nicht nur die Waffen, sondern auch die Menschen. Waffen sind im Krieg ein wichtiger Faktor, jedoch nicht der entscheidende; der entscheidende Faktor sind die Menschen, nicht die Dinge. Das Kräfteverhältnis ist nicht nur durch das Verhältnis der militärischen und wirtschaftlichen Kräfte gegeben, sondern auch durch das Verhältnis der Menschenreserven und der moralischen Kräfte der Menschen. Die militärischen und wirtschaftlichen Kräfte müssen von Menschen gehandhabt werden. Wenn die überwältigende Mehrheit der Chinesen, der Japaner und der Bevölkerung der anderen Länder der Welt auf der Seite des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression steht, wird man da die militärischen und wirtschaftlichen Kräfte, die eine kleine Minderheit von Menschen in Japan mit Gewalt in ihren Händen hält, noch als ein Zeichen von Überlegenheit ansehen können? Nein, das kann keine Überlegenheit sein. Und sollte dann die Überlegenheit etwa nicht auf Seiten Chinas sein, das hinsichtlich seiner militärischen und wirtschaftlichen Stärke verhältnismäßig unterlegen ist? Es besteht kein Zweifel daran, daß die militärische und wirtschaftliche Macht Chinas allmählich anwachsen wird, wenn es im Widerstandskrieg ausharrt und an der Einheitsfront festhält. Die militärische und wirtschaftliche Macht des Gegners wird dagegen infolge der Schwächung Japans durch den langen Krieg und seine inneren und äußeren Widersprüche unbedingt Veränderungen in umgekehrter Richtung erfahren. Sollte unter diesen Umständen die Überlegenheit etwa nicht auf Seiten Chinas sein? Aber auch das ist noch nicht alles. Gegenwärtig können wir die militärische und wirtschaftliche Stärke anderer Staaten nicht als eine umfangreiche und offene Verstärkung unserer Seite in Rechnung stellen, aber werden wir
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das in Zukunft etwa nicht tun können? Wenn nicht nur China allein der Gegner Japans sein wird, wenn künftig noch ein Staat oder mehrere Staaten einen bedeutenden Teil ihrer militärischen und wirtschaftlichen Macht offen einsetzen werden, um sich gegen Japan zu wehren oder es anzugreifen, und uns offen zu Hilfe kommen werden, wird da die Überlegenheit etwa nicht noch entschiedener auf unserer Seite sein? Japan ist ein kleines Land; der Krieg, den es führt, hat einen reaktionären und barbarischen Charakter; international wird es immer mehr isoliert. China ist ein großes Land; der Krieg, den es führt, ist fortschrittlich und gerecht; international wird China immer mehr unterstützt. Sollte sich da schließlich nach einer längeren Entwicklung aller dieser Faktoren das Verhältnis - Überlegenheit des Feindes und unsere Unterlegenheit - nicht entscheidend verändern?
49. Was die Anhänger der Theorie vom raschen Sieg anbelangt, so begreifen sie nicht, daß der Krieg ein Kräftemessen bedeutet und daß, solange nicht bestimmte Veränderungen im Kräfteverhältnis der kriegführenden Seiten eingetreten sind, kein Grund besteht, strategisch entscheidende Schlachten zu liefern und vorzeitig den Weg der Befreiung anzustreben. Wollten sie ihre Ideen in die Tat umsetzen, würden sie sich unweigerlich die Köpfe einrennen. Möglicherweise dreschen sie nur zu ihrem eigenen Vergnügen leere Phrasen und denken nicht daran, den Worten Taten folgen zu lassen. Zu guter Letzt wird ein solcher Lehrmeister auftreten wie die Tatsachen und diesen Schwätzern eine kalte Dusche verabreichen. Die Tatsachen werden beweisen, daß diese Leute nichts anderes als Schwätzer sind, die nach billigen Erfolgen trachten und mit möglichst wenig Anstrengung eine möglichst große Ernte einbringen wollen. Solches Geschwätz gab es in der Vergangenheit und gibt es auch heute, aber vorläufig noch nicht allzuviel. Wenn aber der Krieg in die Etappe des Gleichgewichts der Kräfte und dann in die Etappe der Gegenoffensive tritt, wird es möglicherweise viel mehr solches Geschwätz geben. Doch wenn die Verluste Chinas in der ersten Etappe relativ groß sind und wenn sich die zweite Etappe sehr lange hinzieht, werden daneben die Theorien von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und von der Notwendigkeit eines Kompromisses eine noch stärkere Verbreitung finden. Deshalb werden wir das Feuer hauptsächlich gegen die Theorie von der unvermeidlichen Unterjochung Chinas und gegen das Kompromißlertum richten müssen und erst in zweiter Linie gegen die hohle Theorie von einem raschen Sieg.
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50. Es steht schon fest, daß der Krieg langwierig sein wird. Aber keiner kann voraussagen, wieviel Jahre und Monate er dauern wird. Das wird voll und ganz davon abhängen, inwieweit sich unsere Kräfte und die des Feindes verändern. Wer die Dauer des Krieges abkürzen will, dem bleibt keine andere Wahl, als alle Anstrengungen zu machen, um unsere Kräfte zu verstärken und die Kräfte des Gegners zu verringern. Das kann man, konkret gesprochen, nur erreichen, wenn man alles daransetzt, um im Verlauf der Kriegshandlungen möglichst viele Siege zu erkämpfen und dadurch viele feindliche Truppen aufzureiben; um den Partisanenkrieg zu entfalten und dadurch das vom Feind besetzte Territorium auf minimale Ausmaße zu bringen; um die Einheitsfront zu festigen und zu erweitern und dadurch die Kräfte des ganzen Landes zusammenzuschließen; um frische Truppen aufzustellen und neue Rüstungsbetriebe zu errichten; um den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt zu beschleunigen; um alle Schichten der Bevölkerung - Arbeiter, Bauern, Kaufleute und Intellektuelle - zu mobilisieren; um die feindlichen Armeen zu zersetzen und ihre Soldaten für uns zu gewinnen; um die Propaganda im Ausland zwecks Erlangung internationaler Hilfe zu betreiben; um die Unterstützung des japanischen Volkes und aller unterdrückten Nationen zu erlangen. Nur auf diesem Wege kann man die Dauer des Krieges verkürzen. Hier werden keinerlei Winkelzüge helfen.
DER KRIEG DER GEGENSEITIGEN VERZAHNUNG
51. Wir können mit Sicherheit behaupten, daß unser langwieriger Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression eine ruhmreiche und einzigartige Seite in der Kriegsgeschichte der Menschheit füllen wird. Eine der charakteristischen Besonderheiten dieses Krieges ist seine Form einer gegenseitigen Verzahnung. Sie ergibt sich aus den gegensätzlichen Faktoren, wie es die Barbarei Japans und sein Mangel an Streitkräften einerseits und die Fortschrittlichkeit Chinas und die Weite seines Territoriums andererseits sind. In der Geschichte hat es bereits Kriege einer gegenseitigen Verzahnung gegeben wie zum Beispiel der drei Jahre dauernde Bürgerkrieg in Rußland nach der Oktoberrevolution. Aber die Besonderheiten eines solchen Krieges in China sind seine außerordentlich lange Dauer und seine ungewöhnlich großen Ausmaße, wodurch alle in der Geschichte bekannten Rekorde
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geschlagen werden. Diese Verzahnungsform wird durch folgende Tatsachen gekennzeichnet.
52. Die inneren und die äußeren Linien. Der Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge als Ganzes wird auf den inneren Linien geführt; was aber die Beziehung zwischen der Hauptstreitmacht und den Partisaneneinheiten betrifft, so operiert die Hauptstreitmacht auf den inneren Linien, die Partisaneneinheiten dagegen auf den äußeren Linien, und dadurch entsteht ein eigenartiges Bild: der Gegner wird in die Zange genommen. Das gleiche gilt auch für die Beziehung zwischen den einzelnen Partisanengebieten. Jedes Partisanengebiet bildet einzeln genommen die inneren Linien, während die anderen Partisanengebiete, in bezug auf dieses Gebiet, die äußeren Linien darstellen, wodurch wiederum eine Vielzahl von Fronten entsteht, die den Gegner in die Zange nehmen. In der ersten Etappe des Krieges zieht sich die strategisch auf den inneren Linien operierende reguläre Armee zurück, während die strategisch auf den äußeren Linien operierenden Partisaneneinheiten weitausholend in die Gebiete hinter den feindlichen Linien vorrücken; in der zweiten Etappe werden sie noch stürmischer vorstoßen. Dadurch wird ein seltsames Zusammenspiel von Rückzug und Vorstoß entstehen.
53. Mit und ohne Hinterland. Die reguläre Armee, welche die Frontlinie bis zu den äußersten Grenzen der vom Feind besetzten Gebiete ausdehnt, stützt sich auf das Haupthinterland Chinas. Die Partisaneneinheiten, welche ihre Frontlinie bis tief ins feindliche Hinterland hinein ausdehnen, sind vom Haupthinterland getrennt. Aber in jedem Partisanengebiet gibt es dennoch auch ein eigenes kleines Hinterland, auf das sich die Partisaneneinheiten stützen und ihre bewegliche Frontlinie aufbauen können. Zum Unterschied davon fehlt den Partisaneneinheiten, die aus einem Partisanengebiet vorübergehend für Aktionen hinter den feindlichen Linien ausgeschickt werden, nicht nur ein Hinterland, sondern auch eine Frontlinie. "Operationen ohne Hinterland" sind eine Besonderheit des revolutionären Krieges in der neuen Epoche in einem Land, das ein riesiges Territorium, ein fortschrittliches Volk, eine fortschrittliche politische Partei und eine fortschrittliche Armee hat. Bei solchen Operationen haben wir nichts zu befürchten, sondern viel zu gewinnen; wir sollen keine Zweifel hegen, sondern diese Operationen fördern.
54. Die Einkreisung und die Gegeneinkreisung. Betrachtet man den Krieg als Ganzes, so kann kein Zweifel daran bestehen, daß wir in strategischer Hinsicht vom Feind eingekreist sind, da er strategisch
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in der Offensive ist und auf den äußeren Kampflinien operiert, während wir uns in der strategischen Defensive befinden und auf den inneren Kampflinien operieren. Dies ist die erste Form unserer Einkreisung durch den Feind. Da wir unter Einsatz unserer zahlenmäßig überlegenen Kräfte in operativer und taktischer Hinsicht eine Politik der Kampfhandlungen auf den äußeren Linien gegen den Feind anwenden, der in strategischer Hinsicht von den äußeren Linien her aus verschiedenen Richtungen gegen uns vorrückt, so können wir eine oder mehrere der einzelnen Kolonnen des Feindes in unsere Einkreisung bringen. Dies ist die erste Form der Gegeneinkreisung des Feindes durch uns. Wenn wir sodann die Stützpunktgebiete des Partisanenkriegs im Hinterland des Feindes betrachten, so ist jedes dieser isolierten Stützpunktgebiete entweder von allen vier Seiten, wie beispielsweise das Wutai-Gebirge, oder von drei Seiten, wie beispielsweise Nordwestschansi, durch den Feind eingekreist. Dies ist die zweite Form unserer Einkreisung durch den Feind. Wenn man jedoch die einzelnen Stützpunktgebiete der Partisanen im Zusammenhang miteinander oder mit den Kampffronten der regulären Truppen betrachtet, so sieht man, daß viele Teile des Feindes von uns eingekreist sind. So haben wir beispielsweise in der Provinz Schansi die Eisenbahnstrecke Datung-Pudschou von drei Seiten (vom Osten, vom Westen und vom Süden her) und die Stadt Taiyüan von allen Seiten eingekreist. In den Provinzen Hopeh und Schantung gibt es viele Beispiele für eine derartige Einkreisung. Dies ist die zweite Form der Gegeneinkreisung des Feindes durch uns. Somit entstehen je zwei Formen der Einkreisung durch den Feind und durch uns, die im großen und ganzen dem "Wetji"-Spiel gleichen; die Schlachten und Gefechte, die der Feind gegen uns und die wir gegen ihn führen, gleichen dem "Nehmen" der Spielsteine, während die Stützpunkte des Feindes (wie z. B. die Stadt Taiyüan) und die Stützpunktgebiete der Partisanen (wie z. B. das Wutai-Gebirge) sich mit den "Fenstern" auf dem Brett vergleichen lassen. Stellen wir uns das "Wetji"-Spiel im Weltmaßstab vor, so ergibt sich noch eine dritte Form der gegenseitigen Einkreisung - die Beziehung zwischen der Front der Aggression und der Front des Friedens. Mit Hilfe der ersten Front kreist der Gegner China, die Sowjetunion, Frankreich, die Tschechoslowakei und andere Staaten ein, während wir unsererseits mit Hilfe der zweiten Front die Gegeneinkreisung Deutschlands, Japans und Italiens verwirklichen. Aber die Einkreisung durch uns gleicht der Handfläche Buddhas: Sie wird zu fünf Bergketten werden, die sich über
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das Weltall erstrecken und die modernen Sun Wu-kungs - die faschistischen Aggressoren - schließlich so niederdrücken, daß sie sich nie wieder erheben können.
[13] Wenn es uns gelingt, auf internationaler Ebene eine antijapanische Front im Pazifikraum zu bilden, bei der China als eine strategische Einheit auftritt, während die Sowjetunion und möglicherweise auch andere Staaten weitere strategische Einheiten und die Volksbewegung in Japan auch eine strategische Einheit darstellen, so daß ein großes Netz gebildet würde, aus dem die faschistischen Sun Wu-kungs niemals entschlüpfen könnten - dann wird dem Gegner die Stunde des Untergangs geschlagen haben. U