Mao Ausgewählte Werke Band III

Mao Tse-tung


Mao Tse-tung:

ÜBER DIE KOALITIONSREGIERUNG*

 (24. April 1945)


Diese Version aus: Mao Tse-tung, Ausgewählte Werke Band III, Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking 1969, S.239-319


I. DIE GRUNDFORDERUNGEN DES CHINESISCHEN VOLKES

 

Unser Parteitag findet in folgender Lage statt: Nachdem das chinesische Volk nahezu acht Jahre entschlossen, heroisch und unnachgiebig gegen die japanischen Aggressoren gekämpft, unsägliche Härten ausgehalten und unzählige Opfer gebracht hat, ist eine neue Situation entstanden: In dem heiligen, gerechten Krieg gegen die faschistischen Aggressoren in der ganzen Welt sind entscheidende Siege errungen worden, und jetzt ist bereits der Augenblick nahe, in dem das chinesische Volk im Zusammenwirken mit den Alliierten Staaten die japanischen Aggressoren niederschlagen wird. Aber China bleibt noch immer ungeeint, es macht noch immer eine ernste Krise durch. Was sollen wir in einer solchen Lage tun? Zweifelsohne hat China das dringende Bedürfnis, Vertreter aller Parteien und Gruppen sowie parteilosen Persönlichkeiten zusammenzuschließen und somit eine provisorische demokratische Koalitionsregierung zu bilden, um demokratische Reformen durchzuführen, die gegenwärtige Krise zu überwinden, alle antijapanischen Kräfte des Landes zu mobilisieren und zu vereinigen und in tatkräftigem Zusammenwirken mit den alliierten Staaten für die Niederschlagung der japanischen Aggressoren zu kämpfen, so daß sich das chinesische Volk aus deren Klauen befreien kann. Danach müßte auf breiter demokratischer Grundlage eine Nationalversammlung einberufen werden zur Bildung einer regulären demokratischen Regierung, die ebenfalls Koalitionscharakter trägt, worin die verschiedenen Parteien, Gruppen und parteilosen Persönlichkeiten noch stärker vertreten sind und die das gesamte befreite Volk dazu führen soll, China zu einem unabhängigen, freien, demokratischen, einheitlichen, reichen und mächtigen neuen Staat aufzubauen. Kurz gesagt: Wir müssen eine Linie des Zusammenschlusses und der Demokratie verfolgen, die Aggressoren niederschlagen und ein neues China aufbauen.

Wir sind der Meinung, daß nur auf diese Weise den Grundforderungen des chinesischen Volkes entsprochen werden kann. Deshalb behandelt mein Bericht hauptsächlich diese Forderungen. Ob in China eine demokratische Koalitionsregierung gebildet werden soll oder nicht, ist bereits zu einer Frage geworden, die die gespannte Aufmerksamkeit des chinesischen Volkes und der demokratischen Öffentlichkeit der alliierten Staaten auf sich zieht. Deshalb werde ich in meinem Bericht besonders auf diese Frage eingehen.

In ihrer Tätigkeit während des achtjährigen Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression hat die Kommunistische Partei Chinas bereits viele Schwierigkeiten überwunden und gewaltige Erfolge erzielt; aber wie die Dinge heute liegen, stehen unsere Partei und das ganze Volk immer noch vor ernsten Schwierigkeiten. Die gegenwärtige Lage erfordert, daß unsere Partei noch intensiver und gründlicher an der Lösung der dringenden Aufgaben arbeitet, daß sie weiter die Schwierigkeiten überwindet und um die Erfüllung der Grundforderungen des chinesischen Volkes kämpft.

II. DIE INTERNATIONALE UND DIE INNENPOLITISCHE LAGE

Kann das chinesische Volk die vorher dargelegten Grundforderungen erfüllen? Das hängt von dem Grad des politischen Bewußtseins, der Geschlossenheit und der Anstrengungen des chinesischen Volkes ab. Die gegenwärtige internationale und innenpolitische Lage bietet dem chinesischen Volk jedoch außerordentlich günstige Bedingungen dafür. Wird das chinesische Volk unter geschickter Ausnutzung dieser Bedingungen den aktiven, entschlossenen und hartnäckigen Kampf fortsetzen, dann wird es ohne jeden Zweifel den Sieg über den Aggressor erringen und ein neues China aufbauen. Das chinesische Volk muß die Anstrengungen verdoppeln und um die Erfüllung seiner heiligen Aufgaben kämpfen.

Wie ist denn gegenwärtig die internationale Lage?

Gegenwärtig sieht die militärische Lage so aus: Die sowjetischen Truppen greifen bereits Berlin an, und die alliierten Truppen Englands, der USA und Frankreichs bekämpfen in Koordination mit dieser Offensive die Reste der Hitlertruppen, während das italienische Volk sich zum Aufstand erhoben hat. Durch das alles wird Hitler ein für allemal beseitigt werden. Und wenn Hitler beseitigt ist, wird auch die Zeit der Niederschlagung der japanischen Aggressoren nicht mehr fern sein. Entgegen den Spekulationen der Reaktionäre in China und im Ausland werden die faschistischen aggressiven Kräfte ohne jeden Zweifel zerschlagen werden und die demokratischen Kräfte der Völker mit aller Sicherheit triumphieren. Die Welt wird den Weg des Fortschritts und keinesfalls den Weg der Reaktion einschlagen. Selbstverständlich muß man äußerst wachsam sein und damit rechnen, daß im Verlauf der historischen Entwicklung noch gewisse zeitweilige, mitunter schroffe Zickzack-Wendungen möglich sind; in vielen Ländern gibt es immer noch starke reaktionäre Kräfte, die ungern sehen, daß die Völker in ihren eigenen und in den anderen Ländern den Zusammenschluß, den Fortschritt und die Befreiung erringen. Wer das alles übersieht, wird politische Fehler machen. Doch die allgemeine Richtung der Geschichte ist bereits klar entschieden und kann nicht geändert werden. Das ist nur für die Faschisten und die reaktionären Kräfte verschiedener Länder, die in der Tat Helfershelfer des Faschismus sind, zum Nachteil, während das für die Völker aller Länder und für ihre organisierten demokratischen Kräfte ein Glücksbote ist. Das Volk und nur das Volk ist die Triebkraft, die die Weltgeschichte macht. Das Sowjetvolk, das eine gewaltige Macht aufgebaut hat, hat sich bei der Zerschlagung des Faschismus als Hauptkraft bewährt. Dank seinen Anstrengungen und den zusätzlichen Bemühungen der Völker der anderen alliierten antifaschistischen Länder wird die Zerschlagung des Faschismus möglich. Der Krieg hat das Volk erzogen, und es ist das Volk, das den Krieg, den Frieden und auch den Fortschritt gewinnen wird.

Diese neue Lage unterscheidet sich kraß von der Lage während des ersten Weltkriegs. Damals existierte die Sowjetunion noch nicht, gab es auch nicht den Grad der politischen Bewußtheit, den die Völker vieler Länder heute erreicht haben. Die beiden Weltkriege stellen zwei völlig verschiedene Epochen dar.

Die Zerschlagung der faschistischen aggressiven Staaten, die Beendigung des zweiten Weltkriegs und die Verwirklichung des internationalen Friedens bedeuten aber nicht, daß es nachher keine Kämpfe mehr geben wird. Die weitverbreiteten Überreste der faschistischen Kräfte werden bestimmt weiterhin Unruhe stiften. Im Lager des Widerstands gegen die aggressiven Kriege der Faschisten gibt es Kräfte, die gegen die Demokratie sind und andere Nationen unterdrücken; sie werden auch weiterhin die verschiedenen Völker und die kolonialen und halbkolonialen Länder unterdrücken. Deshalb wird der größte Teil der Erde, auch wenn der internationale Frieden hergestellt ist, nach wie vor vom Kampf zwischen den breiten antifaschistischen Volksmassen und den Überresten der faschistischen Kräfte, vom Kampf zwischen Demokratie und Antidemokratie, zwischen nationaler Befreiung und nationaler Unterdrückung erfaßt sein. Erst wenn durch langdauernde Anstrengungen die Überreste der faschistischen Kräfte, die antidemokratischen Kräfte und alle imperialistischen Kräfte überwunden sind, können die Volksmassen einen Sieg im breitesten Ausmaß erringen. Gewiß, dieser Tag wird nicht so schnell und so leicht kommen, aber kommen wird er trotz alledem. Der Sieg im antifaschistischen zweiten Weltkrieg wird dem Sieg der Volksmassen in ihrem Nachkriegskampf den Weg bahnen. Und nur nach dem Sieg in diesem Kampf kann ein fester und dauerhafter Frieden gesichert sein.

Wie ist gegenwärtig die innenpolitische Lage unseres Landes? Der langdauernde Krieg Chinas hat vom chinesischen Volk große Opfer gefordert und wird von ihm auch weiterhin große Opfer fordern; doch gleichzeitig hat gerade dieser Krieg das chinesische Volk gestählt. Dieser Krieg hat das politische Bewußtsein und die Geschlossenheit des chinesischen Volkes in derartigem Maße gefördert wie noch keiner seiner großen Kämpfe in den letzten hundert Jahren. Dem chinesischen Volk steht nicht nur ein mächtiger Feind der Nation gegenüber, sondern auch die mächtigen Kräfte der inneren Reaktion, die in Wirklichkeit dem nationalen Feind helfen. Das ist die eine Seite. Aber auf der anderen Seite ist das politische Bewußtsein des chinesischen Volkes gestiegen wie noch nie, darüber hinaus hat es im Land machtvolle befreite Gebiete gebildet und eine gesamtnationale demokratische Bewegung entfaltet, die mit jedem Tag wächst. Das sind günstige Bedingungen innerhalb des Landes. Wenn im Verlauf der letzten hundert Jahre der Kampf des chinesischen Volkes jedesmal mit einer Niederlage oder mit Rückschlägen endete, weil bestimmte notwendige internationale und innere Bedingungen fehlten, hat sich jetzt das Bild völlig verändert: Im Unterschied zu den früheren Perioden des Kampfes sind jetzt alle erforderlichen Bedingungen vorhanden. Es besteht die volle Möglichkeit, Niederlagen zu vermeiden und den Sieg zu erringen. Wenn wir imstande sind, das ganze Volk zu einem energischen Kampf zusammenzuschließen und ihm eine geeignete Anleitung zu geben, werden wir siegen.

Die Zuversicht des chinesischen Volkes, daß es, fest zusammengeschlossen, den Aggressor niederschlagen und ein neues China aufbauen wird, ist gegenwärtig außerordentlich stark geworden. Die Zeit ist gekommen, da das chinesische Volk alle Schwierigkeiten überwinden und seine historisch bedeutsamen Grundforderungen verwirklichen kann. Gibt es daran noch irgendwelche Zweifel? Ich glaube nicht.

Das ist in allgemeinen Zügen die gegenwärtige internationale und innenpolitische Lage.

III. ZWEI LINIEN IM WIDERSTANDSKRIEG GEGEN DIE JAPANISCHE AGGRESSION

 

DER SCHLÜSSEL ZU DEN PROBLEMEN CHINAS

Wenn man von der inneren Lage spricht, ist es notwendig, auch den Widerstandskrieg Chinas gegen die japanische Aggression einer konkreten Analyse zu unterziehen.

China ist einer der fünf größten Staaten der Welt, die den Krieg gegen den Faschismus führen, und der Hauptteilnehmer am Krieg gegen die japanischen Aggressoren auf dem asiatischen Kontinent. Das chinesische Volk spielt nicht nur eine gewaltige Rolle im Widerstandskrieg gegen Japan; es wird auch in der Sicherung des Weltfriedens nach dem Krieg eine gewaltige Rolle und in der Sicherung des Friedens im Osten die entscheidende Rolle spielen. In den acht Jahren Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression hat China kolossale Anstrengungen gemacht, um sich zu befreien und um den alliierten Staaten Hilfe zu leisten. Diese Anstrengungen wurden hauptsächlich vom chinesischen Volk aufgebracht. Breite Massen von Offizieren und Soldaten der chinesischen Armeen haben an der Front gekämpft und ihr Blut vergossen; die Arbeiter, Bauern, Intellektuellen und Industriellen Chinas haben im Hinterland mit Eifer gearbeitet; die Überseechinesen unterstützten den Krieg mit Geldspenden; alle antijapanischen Parteien, die volksfeindlichen Elemente ausgenommen, leisteten ihren Beitrag zum Krieg. Mit einem Wort, das chinesische Volk hat acht Jahre lang unter Einsatz seines Schweißes und Blutes heroisch den Kampf gegen die japanischen Aggressoren geführt. Aber seit Jahren haben die chinesischen Reaktionäre Gerüchte ausgestreut und die öffentliche Meinung irregeführt, um die Welt über die tatsächliche Rolle des chinesischen Volkes in diesem Krieg in Unkenntnis zu halten. Außerdem ist noch keine umfassende Auswertung der mannigfaltigen Erfahrungen gemacht worden, die China während der acht Kriegsjahre gesammelt hat. Deshalb muß unser Parteitag eine angemessene Zusammenfassung dieser Erfahrungen geben, um das Volk zu erziehen und um unserer Partei die Grundlage für die Festlegung ihrer Politik zu verschaffen.

Was die Zusammenfassung dieser Erfahrungen anbelangt, lassen sich klar zwei verschiedene leitende Linien in China erkennen. Die eine kann zur Niederschlagung der japanischen Eindringlinge führen, während die andere nicht nur dies unmöglich macht, sondern den japanischen Aggressoren in gewisser Hinsicht faktisch hilft und den Widerstandskrieg hintertreibt.

Die von der Kuomintang-Regierung betriebene Politik der passiven Führung des Krieges gegen Japan und ihre reaktionäre Innenpolitik der aktiven Repressalien gegen das Volk haben zu militärischen Rückschlägen, zu enormen Gebietsverlusten, zur Finanz- und Wirtschaftskrise und zur Unterdrückung der Volksmassen geführt, haben ihnen Not und Elend gebracht und die nationale Einheit zerstört. Solche reaktionäre Politik hat die Mobilisierung und die Vereinigung aller antijapanischen Kräfte des chinesischen Volkes zur erfolgreichen Kriegführung, das Erwachen und den Zusammenschluß des chinesischen Volkes behindert. Doch der Prozeß des Erwachens und des Zusammenschlusses des chinesischen Volkes ist keineswegs zum Stillstand gekommen. Er schreitet fort auf gewundenem Weg, unter der doppelten Unterdrückung durch die japanischen Aggressoren und durch die Kuomintang-Regierung. Die beiden Linien: einerseits die Linie der Kuomintang-Regierung - Unterdrückung des chinesischen Volkes und passive Führung des Widerstandskriegs -, andererseits die Linie des chinesischen Volkes - Erhöhung seines politischen Bewußtseins und Zusammenschluß zur Führung eines Volkskriegs - sind in China schon seit langem deutlich zu sehen. Darin liegt der Schlüssel zu allen Problemen Chinas.

GESCHICHTE AUF GEWUNDENEM WEGE

Damit es allen klar wird, warum das Problem der zwei Linien der Schlüssel zu allen Problemen Chinas ist, muß man auf die Geschichte unseres Widerstandskriegs zurückgreifen.

Der Widerstandskrieg des chinesischen Volkes hat sich auf gewundenen Pfaden entwickelt. Dieser Krieg begann bereits im Jahre 1931. Am 18. September 1931 besetzten die japanischen Aggressoren Schenyang, und innerhalb weniger Monate danach besetzten sie die Drei Nordöstlichen Provinzen. Die Kuomintang-Regierung schlug eine Politik des Nichtwiderstands ein. Aber entgegen dem Willen der Kuomintang-Regierung organisierten die Bevölkerung und ein patriotischer Teil der Truppen dieser Provinzen unter Führung oder mit Hilfe der Kommunistischen Partei Chinas antijapanische Freiwilligenabteilungen und die Vereinigte Antijapanische Armee in den Drei Nordöstlichen Provinzen und nahmen heroisch den Partisanenkrieg auf. Dieser heldenhafte Partisanenkrieg nahm eine Zeitlang großen Umfang an, und trotz unzähliger Schwierigkeiten und Rückschläge in seinem Verlauf gelang es dem Feind niemals, ihn niederzuwerfen. Im Jahre 1932, als die japanischen Eindringlinge Schanghai überfielen, widersetzte sich wiederum eine Gruppe Patrioten innerhalb der Kuomintang dem Willen der Kuomintang-Regierung und führte die i9. Route-Armee zum Widerstand gegen den Angriff der japanischen Invasoren. Im Jahre 1933 fielen die japanischen Eindringlinge in die Provinzen Jehol und Tschahar ein, und zum drittenmal handelte eine andere Patriotengruppe in der Kuomintang dem Willen der Kuomintang-Regierung zuwider: Sie stellte in Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei die Verbündete Antijapanische Armee auf und leistete den Aggressoren Widerstand. Doch in all diesen Kämpfen gegen Japan kam die Unterstützung lediglich vom chinesischen Volk, von der Kommunistischen Partei Chinas, von anderen demokratischen Parteien und Gruppen und von patriotischen Überseechinesen, während die Kuomintang-Regierung, entsprechend ihrer Politik des Nichtwiderstands, diesen Aktionen nicht die geringste Hilfe leistete. Im Gegenteil, die beiden antijapanischen militärischen Aktionen in Schanghai und in Tschahar wurden jedesmal von der Kuomintang-Regierung vereitelt. Die 1933 von der 19. Route-Armee in der Provinz Fukien gebildete Volksregierung wurde ebenso von der Kuomintang-Regierung liquidiert.

Wie kam es damals bei der Kuomintang-Regierung zur Politik des Nichtwiderstands~ In der Hauptsache dadurch, daß sie im Jahre 1927 die Zusammenarbeit zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei gesprengt und den Zusammenschluß des chinesischen Volkes zunichte gemacht hatte.

Im Jahre 1924. hatte Dr. Sun Yat-sen, den Vorschlägen der Kommunistischen Partei Chinas zufolge, den 1. Nationalkongreß der Kuomintang, an dem auch die Kommunisten teilnahmen, einberufen, die drei politischen Hauptrichtlinien - Bündnis mit Rußland, Bündnis mit der Kommunistischen Partei, Unterstützung der Bauern und Arbeiter - festgelegt, die Huangpu-Militärakademie errichtet, die nationale Einheitsfront der Kuomintang, der Kommunistischen Partei und aller Bevölkerungskreise geschaffen. Dadurch wurden in den Jahren 1924/25 die reaktionären Kräfte in der Provinz Kuangtung liquidiert; in den Jahren 1926/27 wurde der Nordfeldzug erfolgreich durchgeführt, der größte Teil der Flußgebiete des Yangtse und des Gelben Flusses wurde besetzt, die Regierung der nördlichen Militärmachthaber wurde zerschlagen, und es entfaltete sich ein Volksbefreiungskampf, der seinem Umfang nach in der Geschichte Chinas ohne Beispiel war. Doch gerade im entscheidenden Moment der Entwicklung des Nordfeldzugs zwischen Frühjahr und Sommer 1927 wurde die aus der Kuomintang, der Kommunistischen Partei und allen Kreisen der Bevölkerung bestehende nationale Einheitsfront, die die Sache der Befreiung des chinesischen Volkes vertrat, ebenso wie alle ihre revolutionären politischen Richtlinien durch die von der Kuomintang-Führung eingeschlagene verräterische, volksfeindliche Politik der "Parteisäuberung" und der blutigen Gemetzel zerstört. Die Verbündeten von gestern - die Kommunistische Partei Chinas und das chinesische Volk - wurden von nun an als Feinde angesehen, die Feinde von gestern - die Imperialisten und die Feudalherren - als Verbündete. So wurde der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Volk hinterrücks ein überraschender Schlag versetzt und die mit dynamischem Vorwärtsdrang sich entwickelnde große chinesische Revolution zu Grabe getragen. Danach trat der Bürgerkrieg an die Stelle des Zusammenschlusses, die Diktatur an die Stelle der Demokratie, ein in Finsternis gehülltes China an die Stelle eines lichterfüllten China. Die Kommunistische Partei Chinas und das chinesische Volk wurden aber weder eingeschüchtert noch bezwungen, noch ausgerottet. Sie erhoben sich wieder, wischten das Blut ab, bestatteten die gefallenen Kampfgefährten und setzten den Kampf fort. Sie hoben das große Banner der Revolution hoch und schritten zum bewaffneten Widerstand. In ausgedehnten Gebieten Chinas schufen sie Organe der Volksmacht, führten eine Bodenreform durch, schufen eine Volksarmee - die chinesische Rote Armee -, bewahrten die revolutionären Kräfte des chinesischen Volkes und entwickelten sie weiter. Die revolutionären Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens, von den Kuomintang-Reaktionären über Bord geworfen, wurden vom chinesischen Volk, von der Kommunistischen Partei Chinas und von anderen Demokraten weitergetragen.

Als die japanischen Aggressoren in die Drei Nordöstlichen Provinzen eingedrungen waren, wandte sich die Kommunistische Partei Chinas im Jahre I933 an alle Kuomintang-Truppen, die die revolutionären Stützpunktgebiete und die Rote Armee angriffen, mit dem Angebot, im Interesse des gemeinsamen Widerstands gegen Japan einen Waffenstillstand abzuschließen, und zwar unter drei Bedingungen: den Angriff einstellen, dem Volk Freiheitsrechte gewähren, das Volk bewaffnen. Doch die Kuomintang-Führung lehnte diesen Vorschlag ab.

Danach aktivierte die Kuomintang-Regierung noch rücksichtsloser ihre Bürgerkriegspolitik, während im chinesischen Volk die Stimmen nach Einstellung des Bürgerkriegs und nach gemeinsamem Widerstand gegen Japan immer lauter wurden. In Schanghai und an vielen anderen Orten entstanden verschiedenartige patriotische Volksorganisationen. In den Jahren 1934 bis 1936 marschierten die Hauptkräfte der Roten Armee aus Gebieten südlich und nördlich des Yangtse unter Führung des Zentralkomitees unserer Partei, allen Härten und Strapazen zum Trotz, nach dem Nordwesten, wo sie sich mit der Nordwestlichen Roten Armee vereinigten. Gerade in diesen zwei Jahren beschloß die Kommunistische Partei Chinas, der veränderten Lage entsprechend, eine neue, umfassende politische Linie, die Linie der antijapanischen nationalen Einheitsfront, und führte sie durch, wobei sie sich den Zusammenschluß zum Widerstand gegen die japanische Aggression und die Schaffung einer neudemokratischen Republik zum Ziel des Kampfes setzte. Am 9. Dezember 1935 entfalteten die Studentenmassen von Peiping unter Führung unserer Partei eine heroische patriotische Bewegung, gründeten die Avantgarde für die Nationale Befreiung Chinas1 und verbreiteten diese Bewegung auf alle Großstädte des Landes. Zwei Patriotengruppen in der Kuomintang, die für den Widerstand gegen Japan waren - die Nordostarmee und die 17. Route-Armee -, verursachten am 12. Dezember I936 gemeinsam die bekannten Sinnereignisse[1] in unerschrockener Opposition gegen die von der Kuomintang-Führung betriebene reaktionäre Politik der Kompromisse mit Japan und der Massaker unter dem eigenen Volk. Gleichzeitig waren noch andere patriotisch gesinnte Menschen in der Kuomintang ebenfalls mit der damaligen Politik der Kuomintang-Führung unzufrieden. In dieser Lage mußte diese notgedrungen die Politik des Bürgerkriegs aufgeben und die Forderungen des Volkes anerkennen. Die friedliche Beilegung der Sian-Ereignisse wurde zum Wendepunkt in der Entwicklung der Lage: Eine Zusammenarbeit im Land unter den neuen Verhältnissen bildete sich heraus, und es kam der das ganze Land erfassende Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression in Gang. Im Mai 1937, kurz vor den Ereignissen bei Lugoutjiao[2], berief unsere Partei eine Landeskonferenz von historischer Bedeutung ein, auf welcher die vom Zentralkomitee seit 1935 befolgte neue politische Linie bestätigt wurde.

Von den Lugoutjiao-Ereignissen am 7. Juli 1937 bis zum Fall von Wuhan im Oktober 1938 war die Kuomintang-Regierung verhältnismäßig aktiv im Krieg gegen Japan. In dieser Periode war sie durch die großangelegten Angriffe der japanischen Aggressoren und die aufbrausende nationale Empörung des ganzen Volkes gezwungen, den Widerstand gegen die japanischen Aggressoren einstweilen zum Schwerpunkt ihrer Politik zu machen; durch diese Umstände einigermaßen begünstigt, konnte ein Aufschwung des Widerstandskriegs von Armee und Volk im ganzen Land zustande kommen, und eine Zeitlang herrschte eine neue, gehobene Stimmung vor. Zu dieser Zeit setzte das ganze Volk, setzten wir Kommunisten und andere demokratische Parteien größte Hoffnungen auf die Kuomintang-Regierung: Wir hofften, sie würde in einem solchen Augenblick der schweren nationalen Krise und des hohen moralischen Aufschwungs des Volkes energisch demokratische Reformen durchführen und die revolutionären Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens in die Tat umsetzen. Aber aus diesen Hoffnungen wurde nichts. Gerade in diesen zwei Jahren war einerseits ein verhältnismäßig aktiver Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression zu verzeichnen, andererseits war die Kuomintang-Führung nach wie vor gegen einen Volkskrieg, der die Mobilisierung der breiten Volksmassen voraussetzte, und schränkte noch immer das Volk in seinem spontanen Bestreben ein, sich zu antijapanischen und demokratischen Aktionen zusammenzuschließen. Die Kuomintang-Regierung änderte zwar mehr oder weniger ihre frühere Haltung gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas und den anderen antijapanischen Parteien und Gruppen, sie weigerte sich aber weiterhin, ihnen einen gleichberechtigten Status einzuräumen, und beschränkte deren Tätigkeit in jeder Weise. Zahlreiche patriotische politische Häftlinge wurden noch immer in den Gefängnissen festgehalten. Vor allem hielt die Kuomintang-Regierung nach wie vor ihre oligarchische Diktatur aufrecht, die sie nach Entfesselung des Bürgerkriegs im Jahre I927 errichtet hatte, und infolgedessen war es unmöglich, eine demokratische Koalitionsregierung zu bilden, die den einmütigen Willen der Nation vertreten sollte.

Schon zu Beginn dieser Periode wiesen wir Kommunisten auf zwei Linien im Widerstandskrieg Chinas gegen Japan hin: entweder ein allgemeiner Volkskrieg, der zum Sieg führen wird, oder ein partieller Krieg, in dem das Volk unterdrückt bleibt und der die Niederlage bringt. Wir wiesen ferner darauf hin, daß der Krieg lange dauern und unvermeidlich auf viele Schwierigkeiten und Härten stoßen wird, daß aber das chinesische Volk dank seinen Anstrengungen des endgültigen Sieges gewiß ist.

DER VOLKSKRIEG

In dieser Periode wurden die Hauptkräfte der chinesischen Roten Armee unter Führung der Kommunistischen Partei Chinas, die nach dem Nordwesten verlegt worden waren, zur Achten Route-Armee der Chinesischen Nationalrevolutionären Armee und die Partisaneneinheiten der chinesischen Roten Armee, die an verschiedenen Orten nördlich und südlich vom Yangtse zurückgeblieben waren, zur Neuen Vierten Armee der Chinesischen Nationalrevolutionären Armee reorganisiert und dann zu Kampfoperationen nach Nord- bzw. Zentralchina geworfen. Während des Bürgerkriegs war die chinesische Rote Armee, welche die demokratischen Traditionen der Militärakademie Huangpu und der Nationalrevolutionären Armee aus der Zeit des Nordfeldzugs bewahrt und entwickelt hatte, eine Zeitlang zu einer Stärke von mehreren hunderttausend Mann angewachsen. Infolge der grausamen Gemetzel, die von der Kuomintang-Regierung in unseren südlichen Stützpunktgebieten angerichtet wurden, durch die Verluste auf dem Langen Marsch und aus anderen Gründen hatte sich der Bestand der Roten Armee bis zum Ausbruch des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression auf nur einige zehntausend Mann verringert. Deshalb sah so mancher auf diese Armee herab, in der Meinung, man müsse sich im Krieg gegen die japanischen Aggressoren vor allem auf die Kuomintang verlassen. Doch der beste Kenner ist das Volk. Es wußte, daß die Achte Route-Armee und die Neue Vierte Armee damals zwar zahlenmäßig schwach, dafür aber qualitativ sehr hochstehend waren; es wußte, daß nur sie allein imstande waren, einen wahren Volkskrieg zu führen, und daß sich ihnen, sobald sie an die Front des Widerstandskriegs gelangten und sich dort mit den breiten Volksmassen eng zusammenschlossen, unbegrenzte Perspektiven eröffnen würden. Das Volk hat recht behalten. Heute, da ich diesen Bericht erstatte, hat unsere Armee bereits die Stärke von 910000 Mann erreicht, und die Volksmiliz im Dorf, die ihre Produktionstätigkeit nicht aufgegeben hat, ist bereits auf mehr als 2.200000 Mann angestiegen. Obwohl unsere regulären Truppen gegenwärtig zahlenmäßig den vorhandenen Truppen der Kuomintang (die Truppen sowohl der zentralen Kuomintang-Macht als auch der örtlichen Machthabergruppen zusammengerechnet) wesentlich nachstehen, sind sie jedoch bereits zur Hauptkraft im Widerstandskrieg Chinas geworden, wenn man die Stärke der von ihnen bekämpften japanischen und Marionettentruppen und ihre ausgedehnte Front berücksichtigt, wenn man ihre Kampffähigkeit beurteilt, wenn man ferner die Unterstützung, die ihnen bei Kampfoperationen von den Volksmassen gewährt wird, sowie ihre politischen Qualitäten, ihre innere Einheit und Geschlossenheit in Rechnung stellt.

Diese Armee ist dadurch stark, daß alle, die ihr beigetreten sind, bewußt Disziplin halten; sie haben sich vereinigt und kämpfen nicht um der Privatinteressen einer Minderzahl oder einer kleinen Gruppe willen, sondern für die Interessen der breiten Volksmassen und für die Interessen der gesamten Nation. Fest an der Seite des chinesischen Volkes zu stehen und ihm mit ganzem Herzen zu dienen ist das einzige ziel dieser Armee.

Geleitet von diesem Ziel, besitzt diese Armee einen unbeugsamen Geist; sie ist entschlossen, jeden Feind zu überwältigen, sich selbst aber nie einem Feind zu unterwerfen. Wie groß die Schwierigkeiten und die Härten auch sein mögen, sie wird bis zum letzten Mann im Kampf ausharren.

Geleitet von diesem ziel, besitzt diese Armee eine feste Einheit nach innen und außen. Nach innen: Einheit zwischen Offizieren und Soldaten, zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, zwischen der militärischen Tätigkeit, der politischen Tätigkeit und der Tätigkeit im Etappendienst; nach außen: Einheit zwischen Armee und Volk, zwischen Armee und Regierung, zwischen unseren Truppen und den befreundeten Truppen. Alle Erscheinungen, die dieser Einheit abträglich sind, müssen überwunden werden.

Geleitet von diesem Ziel, verfolgt diese Armee eine richtige Politik zur Gewinnung feindlicher Offiziere und Soldaten sowie der Behandlung der Kriegsgefangenen. Alle feindlichen Armeeangehörigen, die sich ergeben, die zu uns überlaufen oder nach Niederlegung der Waffen bereit sind, sich am Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu beteiligen, sind uns willkommen und sind einer entsprechenden Erziehung versichert. Kriegsgefangene zu töten, zu mißhandeln oder zu beleidigen ist verboten.

Geleitet von diesem ziel, hat diese Armee ein System der Strategie und Taktik entwickelt, das für den Volkskrieg erforderlich ist. Sie ist darin geübt, den sich ändernden konkreten Bedingungen entsprechend, den Partisanenkrieg beweglich und elastisch zu führen, auch besitzt sie Übung im Bewegungskrieg.

Geleitet von diesem Ziel, hat diese Armee ein System der politischen Arbeit entwickelt, das für den Volkskrieg erforderlich ist und den Kampf für die Einheit unserer Armee, für den Zusammenschluß mit den befreundeten Armeen, für die Einheit mit dem Volk, für die Zersetzung der gegnerischen Armee und für die Gewährleistung des Sieges im Krieg zur Aufgabe hat.

Geleitet von diesem Ziel, ist die ganze Armee imstande, unter den Bedingungen des Partisanenkriegs die Kampf- und Ausbildungspausen auszunutzen, und hat sie bereits tatsächlich ausgenutzt, um sich mit der Produktion von Lebensmitteln und Massenbedarfsartikeln zu beschäftigen, mit denen die Armee völlig, zur Hälfte oder teilweise versorgt werden kann. Dadurch werden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden, verbessern sich die Lebensbedingungen der Armee und wird die Belastung der Bevölkerung erleichtert. Außerdem hat sie in all ihren militärischen Stützpunktgebieten alle Möglichkeiten zur Schaffung einer Reihe kleiner Betriebe der Rüstungsindustrie ausgenutzt.

Diese Armee ist auch dadurch stark, daß bewaffnete breite Massenorganisationen wie die Selbstschutzabteilungen des Volkes und die Miliz in Koordination mit ihr kämpfen. In den befreiten Gebieten Chinas sind alle Männer und Frauen, von der Jugend angefangen bis zu den mittleren Jahrgängen, auf freiwilliger und demokratischer Grundlage, ohne ihre Produktionstätigkeit aufzugeben, in den antijapanischen Selbstschutzabteilungen des Volkes organisiert. Die Elite der Selbstschutzabteilungen wird in die Volksmiliz eingereiht, außer denjenigen, die sich der Armee oder den Partisaneneinheiten anschließen. Ohne die Kampfunterstützung seitens dieser bewaffneten Kräfte der Volksmassen wäre es unmöglich, den Feind zu besiegen.

Diese Armee ist schließlich auch dadurch stark, daß sie in zwei Teile gegliedert ist: in Verbände der Hauptkräfte und regionale Verbände. Die ersteren können zu beliebiger Zeit eingesetzt werden, um überregionale operative Aufgaben durchzuführen; die Aufgaben der letzteren konzentrieren sich darauf, gemeinsam mit der Volksmiliz und den Selbstschutzabteilungen die jeweilige Gegend zu schützen und dort dem Gegner Schläge zu versetzen. Eine solche Gliederung findet die volle Unterstützung der Bevölkerung. Hätte es keine solche richtige Abgrenzung gegeben, würde man beispielsweise die ganze Aufmerksamkeit nur der Rolle der Hauptkräfte widmen und die Rolle der regionalen Verbände ignorieren, dann wäre es unter den in den befreiten Gebieten Chinas gegebenen Bedingungen ebenfalls unmöglich, den Feind zu besiegen. Unter den regionalen Verbänden sind zahlreiche bewaffnete Arbeitsgruppen[3] aufgestellt worden, die gut ausgebildet und für die militärische und politische Arbeit sowie für die Massenarbeit besser qualifiziert sind. Diese Gruppen dringen tief in die Hinterlandsgebiete des Feindes auf dem Kriegsschauplatz hinter der feindlichen Linie ein, überfallen den Feind, rütteln die Volksmassen zum Kampf gegen die japanischen Aggressoren auf und unterstützen so die frontalen militärischen Operationen in den verschiedenen befreiten Gebieten; dabei haben sie bereits sehr beträchtliche Ergebnisse erzielt.

Unter Führung der demokratischen Machtorgane wird in den befreiten Gebieten Chinas die gesamte antijapanische Bevölkerung dazu aufgerufen, sich den Arbeiter-, Bauern-, Jugend-, Frauen- und Kulturorganisationen sowie den verschiedenen Organisationen für andere Berufs- und Arbeitsbereiche anzuschließen und mit vollem Einsatz die mannigfaltige Arbeit zur Unterstützung der Armee zu leisten. Dazu gehört nicht nur die Mobilisierung der Bevölkerung zum Eintritt in die Armee, zum Transport von Lebensmitteln für die Armee, zur Vorzugsbehandlung der Familienangehörigen der Widerstandskämpfer und Unterstützung der Armee bei der Überwindung materieller Schwierigkeiten, sondern auch die Aktivierung der Partisanenabteilungen, der Volksmiliz und der Selbstschutzabteilungen zu Überraschungsangriffen und Sprengaktionen, zum Späherdienst, zur Ausrottung feindlicher Agenten, zum Transport und Schutz der Verwundeten - also alles zur unmittelbaren Hilfeleistung für die Kampfoperationen der Truppen. Gleichzeitig leistet die gesamte Bevölkerung der befreiten Gebiete begeistert allerlei Aufbauarbeit auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet sowie im Gesundheitswesen. Am wichtigsten ist hierbei, die gesamte Bevölkerung für die Produktion von Lebensmitteln und Massenbedarfsgütern zu mobilisieren und dafür Sorge zu tragen, daß alle Institutionen und Lehranstalten, mit Ausnahme von Sonderfällen, sich in den von Arbeit oder Studium freien Stunden an der Produktion für ihren Eigenbedarf beteiligen, um so die Bewegung der Bevölkerung und der Truppen für die Entwicklung der Produktion zur Selbstversorgung zu unterstützen und dadurch zur Schaffung eines gewaltigen Aufschwungs der Produktion beizutragen, durch den der langdauernde Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression unterhalten werden kann. Der Feind hat in den befreiten Gebieten Chinas äußerst schwere Zerstörungen angerichtet, auch werden diese Gebiete häufig von Überschwemmungen, Dürre und Pflanzenschädlingen heimgesucht. Doch unter Führung der demokratischen Machtorgane überwand und überwindet die gesamte Bevölkerung der befreiten Gebiete organisiert alle Schwierigkeiten; die gewaltigen Massenbewegungen zur Ausrottung von Heuschrecken, zur Wasserregulierung und zur Unterstützung der Katastrophengeschädigten haben in der Geschichte Chinas nie dagewesene Erfolge gezeitigt, wodurch der Widerstandskrieg auf lange Zeit fortgeführt werden kann. Kurz, alles für die Front, alles für die Niederschlagung der japanischen Aggressoren und für die Befreiung des chinesischen Volkes - das ist die allgemeine Losung, das ist die allgemeine Richtlinie der gesamten Armee und der gesamten Bevölkerung der befreiten Gebiete Chinas.

Dies ist ein wahrer Volkskrieg. Nur wenn wir einen solchen Volkskrieg führen, können wir den Feind der Nation besiegen. Die Kuomintang hat gerade deshalb Niederlagen erlitten, weil sie sich so verzweifelt gegen den Volkskrieg stemmt.

Wenn erst einmal die Truppen der befreiten Gebiete Chinas mit modernen Waffen ausgerüstet sind, dann werden sie noch stärker werden und imstande sein, die japanischen Aggressoren endgültig niederzuschlagen.

ZWEI KRIEGSSCHAUPLÄTZE

Von Anfang an hat es zwei Fronten im Widerstandskrieg Chinas gegeben: die Front der Kuomintang und die Front der befreiten Gebiete.

Nach dem Fall von Wuhan im Oktober 1938 stellten die japanischen Eindringlinge ihre strategische Offensive gegen die Kuomintang-Front ein und warfen ihre Hauptkräfte nach und nach an die Front der befreiten Gebiete. Gleichzeitig erklärten sie sich unter Ausnutzung der defätistischen Stimmungen der Kuomintang-Regierung zu einem Kompromißfrieden mit ihr bereit, und in Durchführung einer Politik der Täuschung der chinesischen Nation verlockten sie den Landesverräter Wang Djing-we dazu, Tschungking zu verlassen und in Nanking eine Marionettenregierung zu bilden. Von diesem Zeitpunkt an begann die Kuomintang-Regierung ihren Kurs zu ändern, indem sie den Schwerpunkt ihrer Politik nach und nach vom Kampf gegen die japanischen Aggressoren auf den Kampf gegen die Kommunistische Partei, gegen das Volk verlagerte. Das fand seinen Ausdruck vor allem auf militärischem Gebiet. Um ihre eigene militärische Stärke zu bewahren, verfolgte die Kuomintang-Regierung eine Politik der passiven Führung des Krieges gegen Japan; sie warf die Last des Kampfes auf die Front der befreiten Gebiete und ermöglichte den japanischen Eindringlingen, großangelegte Angriffsoperationen gegen die befreiten Gebiete zu entfalten, während sie selbst "auf dem Berge sitzend dem Kampf der Tiger zuschaute".

Im Jahre 1939 führte die Kuomintang-Regierung die reaktionären "Maßnahmen zur Einschränkung der Tätigkeit fremder Parteien" durch und nahm dem Volk und den antijapanischen Parteien und Gruppen restlos die wenigen begrenzten Rechte, die sie sich zu Beginn des Krieges erkämpft hatten. Von da an hat die Kuomintang-Regierung in den Gebieten ihrer Herrschaft alle demokratischen Parteien und Gruppen, vor allem und in der Hauptsache die Kommunistische Partei Chinas, in die Illegalität getrieben. Die Gefängnisse und die Konzentrationslager in den unter der Macht der Kuomintang stehenden Provinzen waren mit Kommunisten, mit patriotisch gesinnten Jugendlichen und anderen demokratischen Kämpfern überfüllt. Innerhalb von fünf Jahren, von 1939 bis Herbst 1943, hat die Kuomintang-Regierung zur Spaltung der nationalen Einheit drei großangelegte "antikommunistische Kampagnen"2 durchgeführt und die ernste Gefahr eines Bürgerkriegs heraufbeschworen. In diese Periode fiel das Ereignis, das die Menschen im In- und Ausland erschütterte - die "Auflösung" der Neuen Vierten Armee und die Vernichtung von mehr als 9000 Mann dieser Armee in Südanhui. Bis auf den heutigen Tag haben Überfälle der Kuomintang-Truppen auf Truppen der befreiten Gebiete nicht aufgehört, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß sie diese Überfälle einstellen wollen. Dabei speien die Kuomintang-Reaktionäre alle möglichen Verleumdungen und Schmähungen aus. Sie sind es, die derartige Bezeichnungen und Beschuldigungen wie "Verräterpartei", "Verräterarmee", "Verrätergebiete", "Hintertreibung des Widerstandskriegs und Gefährdung des Staates" usw. fabriziert haben, um die Kommunistische Partei Chinas, die Achte Route-Armee, die Neue Vierte Armee und die befreiten Gebiete zu diffamieren. Am 7. Juli 1939 veröffentlichte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas angesichts der entstandenen Krise eine Deklaration mit folgenden Losungen: "Am Widerstandskrieg festhalten, gegen die Kapitulation kämpfen! Am Zusammenschluß festhalten, gegen die Spaltung kämpfen! Am Fortschritt festhalten, gegen den Rückschritt kämpfen!" Unter diesen zeitgemäßen Losungen hat unsere Partei innerhalb von fünf Jahren die drei reaktionären, volksfeindlichen "antikommunistischen Kampagnen" tatkräftig abgewehrt und die damalige Krise überwunden.

In diesen Jahren fanden an der Kuomintang-Front faktisch keine bemerkenswerten Kämpfe statt. Die Schneide des Schwertes der japanischen Aggressoren war hauptsächlich gegen die befreiten Gebiete gerichtet. Bis 1943 hielten die Truppen und die Bevölkerung der befreiten Gebiete 64 Prozent aller in China eingedrungenen japanischen Truppen und 95 Prozent aller Marionettentruppen in Schach, während auf die Kuomintang-Front nur 36 Prozent der japanischen und nur S Prozent der Marionettentruppen entfielen.

Im Jahre I944, als die japanischen Aggressoren militärische Operationen unternahmen, um sich die Hauptverkehrslinien auf dem Festland zwischen dem Süden und dem Norden freizukämpfen, zeigte die Kuomintang-Armee ihre völlige Hilflosigkeit und Unfähigkeit zum Widerstand. Innerhalb weniger Monate fielen weite Gebiete der Provinzen Honan, Hunan, Kuangsi und Kuangtung in die Hände des Feindes. Erst dann kam es zu einer gewissen Änderung im Verhältnis der an den beiden Fronten abzuwehrenden feindlichen Kräfte. Aber selbst jetzt, da ich diesen Bericht abgebe, werden von den vierzig in China eingefallenen japanischen Divisionen, die 580000 Mann zählen (ohne die japanischen Truppen in der Mandschurei), 221/2 Divisionen mit einem Gesamtbestand von 320000 Mann, das heißt 56 Prozent der Gesamtstärke, an der Front der befreiten Gebiete abgewehrt, während an der Kuomintang-Front nicht mehr als 17112 gegnerische Divisionen stehen, die 260 00o Mann zählen, das heißt nur 44 Prozent. Bei den Marionettentruppen ist das Verhältnis an den beiden Fronten unverändert geblieben.

Man muß ferner darauf hinweisen, daß sich die Marionettentruppen (ihre regulären Einheiten sowie ihre örtlichen bewaffneten Kräfte) in einer Stärke von mehr als 800000 Mann vorwiegend aus Einheiten zusammensetzen, die entweder geschlossen unter Führung ihrer Kuomintang-Kommandeure übergelaufen sind oder von Kuomintang-Offizieren, welche sich den Japanern ergeben hatten, aufgestellt wurden. Die Kuomintang-Reaktionäre traktierten diese Marionettentruppen vorsorglich mit der absurden, verräterischen Theorie von der "Rettung des Vaterlands auf Umwegen"3 und erwiesen ihnen nach ihrem Überlaufen moralische und organisatorische Unterstützung, damit sie zusammen mit den japanischen Aggressoren die befreiten Gebiete des chinesischen Volkes angreifen sollten. Außerdem haben die Kuomintang-Reaktionäre starke Einheiten aufgeboten, insgesamt 797000 Mann, um das Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia und die anderen befreiten Gebiete zu blockieren und anzugreifen. Durch die Politik der Nachrichtensperre der Kuomintang-Regierung haben viele Chinesen und Ausländer keine Ahnung von dieser ernsten Lage.

DIE BEFREITEN GEBIETE CHINAS

Die befreiten Gebiete Chinas, die unter Führung der Kommunistischen Partei stehen, haben gegenwärtig eine Bevölkerung von 95,5 Millionen. Diese Gebiete reichen von der Inneren Mongolei im Norden bis zur Insel Hainan im Süden; fast überall, wo der Feind eingedrungen ist, operieren die Achte Route-Armee, die Neue Vierte Armee und sonstige bewaffnete Kräfte des Volkes. Dieses riesige befreite Territorium Chinas besteht aus 19 großen Gebieten, die sich auf mehr oder weniger ausgedehnte Teile der Provinzen Liaoning, Jehol, Tschahar, Suiyüan, Schensi, Kansu, Ningsia, Schansi, Hopeh, Honan, Schantung, Kiangsu, Tschekiang, Anhui, Kiangsi, Hupeh, Hunan, Kuangtung und Fukien erstrecken. Yenan ist das leitende Zentrum aller befreiten Gebiete. Das Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia westlich vom Gelben Fluß mit einer Bevölkerung, die nicht mehr als anderthalb Millionen Menschen zählt, ist nur eins der 16 Gebiete in diesem riesigen befreiten Territorium; der Bevölkerungszahl nach steht es an letzter Stelle, wenn man von den zwei anderen Gebieten in Osttschekiang und auf der Insel Hainan absieht. Manche Leute, die das nicht wissen, nehmen an, Chinas befreites Territorium bestehe hauptsächlich aus dem Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia. Dieses Mißverständnis ist durch die Blockade-Politik der Kuomintang-Regierung entstanden. In allen diesen befreiten Gebieten sind sämtliche notwendigen Maßnahmen durchgeführt worden, die sich aus der Politik der antijapanischen nationalen Einheitsfront ergeben, und vom Volk gewählte Machtorgane, das heißt örtliche Koalitionsregierungen, sind geschaffen worden oder werden noch geschaffen, in denen Kommunisten und repräsentative Persönlichkeiten der anderen antijapanischen Parteien oder ohne Parteizugehörigkeit zusammenarbeiten. In den befreiten Gebieten sind alle Kräfte des Volkes mobilisiert. Alles das versetzt die befreiten Gebiete in die Lage, trotz des schweren Drucks des starken Feindes, trotz der Blockade und der Überfälle von Seiten der Kuomintang-Truppen, trotz Fehlens jeglicher Hilfe von außen nicht nur standzuhalten, sondern auch ständig zu wachsen, die vom Feind besetzten Gebiete zu verkleinern und die eigenen Gebiete zu erweitern, zum Muster für ein demokratisches China zu werden, zur wichtigsten Kraft im koordinierten Kampf mit den Alliierten, bei der Vertreibung der japanischen Aggressoren und bei der Befreiung des chinesischen Volkes. Die Streitkräfte der befreiten Gebiete Chinas - die Achte Route-Armee, die Neue Vierte Armee und die anderen Streitkräfte des Volkes - dienen als Vorbild nicht nur an Heroismus in den Kämpfen gegen die japanischen Aggressoren, sie dienen als Vorbild auch bei der Durchführung verschiedener demokratischer Maßnahmen der antijapanischen nationalen Einheitsfront. Die Deklaration des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas vom 22. September 1937, in der bestätigt wird, daß "die Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens für das heutige China unerläßlich sind und daß unsere Partei bereit ist, für ihre restlose Verwirklichung zu kämpfen" - diese Deklaration ist in den befreiten Gebieten Chinas voll und ganz in die Tat umgesetzt worden.

DIE GEBIETE UNTER KUOMINTANG-HERRSCHAFT

Die herrschende Hauptclique in der Kuomintang hält an ihrer diktatorischen Herrschaft fest, betreibt eine Politik des passiven Widerstands gegen die japanische Aggression und eine volksfeindliche Innenpolitik. Die Folge ist: Die Stärke ihrer Armee ist um mehr als die Hälfte zurückgegangen, und der Großteil dieser Armee hat seine Kampffähigkeit fast völlig verloren; zwischen dieser Clique und den breiten Volksmassen hat sich eine tiefe Kluft gebildet, und eine ernste Krise ist ausgebrochen - das Volk ist verarmt, es kocht vor Empörung, überall flackern Unruhen auf; diese Clique spielt jetzt nicht nur eine weit geringere Rolle im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression, sie ist sogar zum Hindernis bei der Mobilisierung und der Vereinigung aller antijapanischen Kräfte des chinesischen Volkes geworden.

Warum konnte eine derart ernste Lage unter der Führung der herrschenden Hauptclique der Kuomintang entstehen? Weil diese Clique die Interessen der großen Grundherren, der Großbankiers und der Großkompradoren Chinas vertritt. Diese von einer Handvoll Leute gebildete reaktionäre Schicht hat alle wichtigen militärischen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen im Zuständigkeitsbereich der Kuomintang-Regierung monopolisiert. Diese Leute stellen die Sicherung der Interessen ihres Häufleins an die erste Stelle, den Widerstandskrieg gegen Japan aber an die zweite. Sie sagen auch: "Die Nation über alles." Aber ihr Handeln stimmt nicht mit den Forderungen der großen Mehrheit der Nation überein. Weiter heißt es bei ihnen: "Der Staat über alles." Aber damit meinen sie den Staat der feudal-faschistischen Diktatur der großen Grundherren, Großbankiers und Großkompradoren, keinesfalls aber einen demokratischen Staat der Volksmassen. Deshalb fürchten sie die Erhebung des Volkes, fürchten die demokratischen Bewegungen und fürchten sich vor einem Widerstandskrieg gegen Japan, in dem das gesamte Volk ernsthaft mobilisiert werden müßte. Das ist die Hauptwurzel ihrer Politik der passiven Führung des Krieges gegen Japan und ihrer volksfeindlichen, antidemokratischen und antikommunistischen reaktionären Innenpolitik. Auf allen Gebieten betreiben sie eine solche doppelseitige Politik, zum Beispiel: Während sie den Widerstandskrieg führen, betreiben sie eine Politik der passiven Führung des Krieges und sind stets das auserwählte Objekt, das die japanischen Aggressoren zur Kapitulation verlocken wollen. In Worten bringen sie zum Ausdruck, die Wirtschaft Chinas entwickeln zu wollen, in Wirklichkeit aber vermehren sie ihr eigenes bürokratisches Kapital, das heißt das Kapital der großen Grundherren, Großbankiers und Großkompradoren, monopolisieren die hauptsächlichen Wirtschaftsadern Chinas und unterdrücken erbarmungslos die Bauern, die Arbeiter, das Kleinbürgertum und die nichtmonopolistische Bourgeoisie. In Worten bringen sie zum Ausdruck, die "Demokratie"- einführen und "dem Volke die Macht zurückgeben" zu wollen, in Wirklichkeit aber unterdrücken sie grausam die Bewegung des Volkes für die Demokratie und sind nicht gewillt, auch nur die geringsten demokratischen Reformen durchzuführen. In Worten erklären sie, "die Frage der Kommunistischen Partei ist eine politische Frage und muß mit politischen Mitteln gelöst werden", in Wirklichkeit aber unterdrücken sie brutal mit militärischen, politischen und wirtschaftlichen Mitteln die Kommunistische Partei Chinas, wobei sie diese als den "Feind Nr. 1", die japanischen Eindringlinge dagegen als einen "zweitrangigen Feind" betrachten; tagaus, tagein rüsten sie eifrig zum Bürgerkrieg und sind darauf versessen, die Kommunistische Partei zu vernichten. In Worten erklären sie, sie würden einen "modernen Staat" schaffen, in Wirklichkeit aber trachten sie mit allen Kräften danach, die feudal-faschistische Diktatur der großen Grundherren, Großbankiers und Großkompradoren aufrechtzuerhalten. Während sie formell diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten, nehmen sie in Wirklichkeit dieser gegenüber eine feindliche Haltung ein. Einerseits leiern sie im Chor mit den amerikanischen Isolationisten "Erst Asien, dann Europa" daher, um auf diese Weise die Tage des faschistischen Deutschland und folglich auch jedes anderen Faschismus, die Tage der eigenen faschistischen Herrschaft über das chinesische Volk zu verlängern; andererseits versuchen sie mit diplomatischer List, sich als antifaschistische Helden aufzuspielen. Fragt man danach, woher diese widerspruchsvolle, doppelseitige Politik kommt, wird man herausfinden, daß sie aus ein und derselben Urquelle hervorgeht, nämlich aus der sozialen Schicht der großen Grundherren, Großbankiers und Großkompradoren.

Aber die Kuomintang ist eine komplizierte Partei. Wenn sie auch von der reaktionären Clique kontrolliert und gelenkt wird, welche die großen Grundherren, die Großbankiers und die Großkompradoren repräsentiert, darf man sie dennoch nicht in Bausch und Bogen mit dieser Clique identifizieren. Ein Teil der Führer der Kuomintang gehört ihr nicht an und wird sogar von ihr angegriffen, beiseite geschoben oder geringschätzig behandelt. Unter den Parteifunktionären der Kuomintang, unter ihren einfachen Mitgliedern und den Mitgliedern des Jugendverbands der Drei Volksprinzipien gibt es nicht wenige, die mit der Führung dieser Clique unzufrieden sind, manche lehnen sich sogar gegen sie auf. Die gleiche Situation besteht in allen von dieser reaktionären Clique kontrollierten Armeen, Regierungsorganen, wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen der Kuomintang. In allen diesen Armeen und Institutionen sind nicht wenige demokratische Elemente vorhanden. Ja, auch die reaktionäre Clique selbst zerfällt in mehrere sich gegenseitig bekämpfende Gruppen und stellt keineswegs eine geschlossene Einheit dar. Es ist zweifellos nicht richtig, die Kuomintang als eine homogene, nur aus Reaktionären bestehende Masse zu betrachten.

KONTRASTE

Das chinesische Volk hat den auffallenden Kontrast zwischen den befreiten Gebieten Chinas und den Gebieten der Kuomintang-Herrschaft erkannt.

Ist es nicht klar genug? Vor uns haben wir zwei Linien, die Linie des Volkskriegs und die Linie des passiven Widerstands gegen Japan, die gegen den Volkskrieg gerichtet ist. Die eine führt zum Sieg, selbst unter solchen Bedingungen, wie sie in den befreiten Gebieten Chinas gegeben sind, die in ihrem Kampf außerordentliche Schwierigkeiten durchmachen und keinerlei Hilfe von außen erhalten. Die andere führt zur Niederlage, selbst unter den außerordentlich günstigen Bedingungen in den von der Kuomintang beherrschten Gebieten, denen außerdem Hilfe aus dem Ausland zugesichert ist.

Die Kuomintang-Regierung schreibt ihre Niederlagen dem Mangel an Waffen zu. Aber es sei gestattet zu fragen: Wem fehlt es denn an Waffen, der Kuomintang-Armee oder der Armee der befreiten Gebiete? Von allen Streitkräften Chinas leidet die Armee der befreiten Gebiete den größten Mangel an Waffen. Sie kann die Waffen nur vom Feind erbeuten und ihre eigenen unter den ungünstigsten Bedingungen herstellen.

Sind nicht die Truppen der zentralen Kuomintang-Macht weitaus besser bewaffnet als die der örtlichen Machthabergruppen? In ihrer Kampffähigkeit aber stehen die ersteren meistens den letzteren nach.

Die Kuomintang verfügt über riesige Menschenreserven, doch infolge ihrer falschen Rekrutierungspolitik fällt es ihr sehr schwer, ihre Heeresstärke aufzufüllen. Die befreiten Gebiete Chinas, die durch den Feind voneinander abgeschnitten sind und ständig im Kampf stehen, bringen es jedoch fertig, unerschöpfliche Menschenkräfte zu mobilisieren, weil überall das den Erfordernissen des Volkes entsprechende System der Volksmiliz und der Selbstschutzabteilungen angewendet und Mißbrauch und Verschwendung von Menschenreserven vermieden werden.

Die Kuomintang verfügt über riesige Gebiete, die reich an Getreide sind; das Volk liefert ihr alljährlich 7o bis 100 Millionen Dan Getreide. Der größere Teil davon wandert jedoch in die Taschen der zuständigen Beamten, wodurch die Kuomintang-Armee ständig an Nahrungsmittelmangel leidet und ihre Soldaten unterernährt und ausgemergelt sind. Der Hauptteil der befreiten Gebiete Chinas befindet sich abgeschnitten im Hinterland des Feindes und wird durch dessen Politik des "dreifachen Total" - total niederbrennen, total niedermetzeln, total ausplündern - verwüstet, und einige dieser Gebiete wie Nordschensi sind sehr unfruchtbar. Dennoch wurde das Nahrungsmittelproblem erfolgreich gelöst, indem wir mit unseren eigenen Händen die landwirtschaftliche Produktion entwickelt haben.

Die Kuomintang-Gebiete machen eine äußerst ernste Wirtschaftskrise durch, der größte Teil der Industriebetriebe ist ruiniert, selbst solche Massenbedarfsgüter wie Baumwollstoffe müssen aus den USA importiert werden. Die befreiten Gebiete Chinas dagegen sind imstande, durch Entwicklung der Industrie selbständig ihren Bedarf an Baumwollstoffen und anderen Massenbedarfsartikeln zu befriedigen.

In den Kuomintang-Gebieten leben die Arbeiter, Bauern, Handlungsgehilfen, Staatsangestellten, Intellektuellen und Kulturschaffenden in größtem Elend. In den befreiten Gebieten Chinas dagegen ist die gesamte Bevölkerung mit Nahrung, Kleidung und Arbeit versorgt.

Ein charakteristischer Zug der Kuomintang-Gebiete ist, daß dort die Beamten den Widerstandskrieg ausnutzen, um sich an der nationalen Not zu bereichern, und sich als Geschäftsleute betätigen, daß überall Korruption herrscht und von Ehrgefühl und Anstand keine Spur geblieben ist. Einer der charakteristischen Züge der befreiten Gebiete Chinas ist, daß die Kader hier durch ihre aufopfernde Arbeit unter allen Schwierigkeiten und Härten als Beispiel wirken, daß sie sich neben ihren täglichen Verpflichtungen noch an der Produktion beteiligen und daß das Ehrgefühl hier gefördert wird und Korruption streng verpönt ist.

In den Kuomintang-Gebieten ist das Volk aller Freiheiten beraubt. In den befreiten Gebieten Chinas dagegen sind dem Volk alle Freiheiten gewährt.

Wer ist nun schuld an diesen anormalen Erscheinungen, denen die Kuomintang-Herrscher gegenüberstehen? Sind andere schuld oder sie selbst? Sind es die anderen Länder wegen ungenügender Hilfeleistung oder die Kuomintang-Regierung wegen ihrer diktatorischen Herrschaft, ihrer Korruption und Unfähigkeit? Sollte das etwa noch nicht klar sein?

WER "HINTERTREIBT DEN WIDERSTANDSKRIEG UND GEFÄHRDET DEN STAAT"?

Ist es denn noch nicht völlig durch Tatsachen erwiesen, daß es die Kuomintang-Regierung selbst ist, die den Widerstandskrieg des chinesischen Volkes hintertreibt und unser Land in Gefahr bringt? Volle zehn Jahre hat sich diese Regierung dem Bürgerkrieg mit Haut und Haar verschrieben, die Spitze ihres Schwertes war gegen die eigenen Landsleute gerichtet, während die nationale Verteidigung völlig vernachlässigt wurde, und durch ihre Politik des Nichtwiderstands hat sie die vier nordöstlichen Provinzen dem Feind preisgegeben. Als die japanischen Eindringlinge südlich der Großen Mauer vorstießen, trat ihnen die Kuomintang-Regierung unvorbereitet und in kopfloser Hast entgegen, um sich dann die ganze Strecke von Lugoutjiao bis zur Provinz Kueitschou zurückzuziehen. Trotzdem behaupten die Kuomintang-Leute: "Die Kommunistische Partei hintertreibt den Widerstandskrieg und gefährdet den Staat" (siehe Resolutionen der II. Plenartagung des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang vom September I943). Ihre einzige Begründung ist, daß die Kommunistische Partei im Bündnis mit allen Bevölkerungskreisen die befreiten Gebiete Chinas geschaffen hat, die heroisch gegen die japanischen Aggressoren kämpfen. Die Logik dieser Kuomintang-Leute unterscheidet sich von der Logik des chinesischen Volkes so sehr, daß man sich über das Mißlingen, bei vielen Problemen zu einer gemeinsamen Sprache zu kommen, nicht zu wundern braucht.

Zwei Fragen tauchen auf.

Die erste Frage: Was eigentlich hat die Kuomintang-Regierung dazu gebracht, das riesige Territorium mit seiner zahlreichen Bevölkerung von Heilungkiang bis Lugoutjiao und sodann von Lugoutjiao bis zur Provinz Kueitschou aufzugeben? Kann es etwas anderes sein als die von ihr betriebene Politik des Nichtwiderstands und dann des passiven Widerstands gegen Japan sowie ihre gegen das Volk gerichtete Innenpolitik?

Die zweite Frage: Was eigentlich hat es den befreiten Gebieten Chinas ermöglicht, die anhaltenden und erbitterten Angriffe der japanischen und der Marionettentruppen erfolgreich abzuwehren, ein so riesiges Territorium aus den Klauen des Feindes der Nation zurückzugewinnen und eine so zahlreiche Bevölkerung zu befreien? Kann es etwas anderes sein als die richtige Linie des Volkskriegs?

DIE ANGEBLICHE NICHTBEFOLGUNG VON REGIERUNGSANORDNUNGEN UND MILITÄRISCHEN BEFEHLEN

Ferner beschuldigt die Kuomintang-Regierung ständig die Kommunistische Partei Chinas der "Nichtbefolgung von Regierungsanordnungen und militärischen Befehlen". Dazu haben wir nur folgendes zu sagen: Zum Glück haben sich die chinesischen Kommunisten ihren gesunden Menschenverstand, wie er dem chinesischen Volk eigen ist, bewahrt und die sogenannten Regierungsanordnungen und militärischen Befehle nicht befolgt, die faktisch die Übergabe der befreiten Gebiete Chinas an die japanischen Aggressoren bedeutet hätten, befreite Gebiete, die das chinesische Volk unter soviel Schwierigkeiten und Härten aus deren Klauen zurückerobert hat. Zu derartigen "Regierungsanordnungen und militärischen Befehlen" zählen zum Beispiel die "Maßnahmen zur Einschränkung der Tätigkeit fremder Parteien" vom Jahre 1939, die Befehle zur "Auflösung der Neuen Vierten Armee" und zum "Abzug der Truppen in das Gebiet nördlich vom alten Lauf des Gelben Flusses" vom Jahre 1941, die Anordnung über die "Auflösung der Kommunistischen Partei Chinas" vom Jahre 1943, der Befehl an uns zur "Auflösung aller Truppen bis auf zehn Divisionen innerhalb einer festgesetzten Frist" vom Jahre 1944 und schließlich die bei den kürzlichen Verhandlungen gestellte Forderung, unsere Truppen und örtlichen Machtorgane der Kuomintang auszuliefern, wofür sich diese als Gegenleistung, statt in die Bildung einer Koalitionsregierung einzuwilligen, lediglich bereit erklärte, den Kommunisten einige Pöstchen in der diktatorischen Regierung der Kuomintang einzuräumen, was als ein "Zugeständnis" von Seiten der Kuomintang-Regierung bezeichnet wurde. Glücklicherweise sind wir nicht auf diese Dinge eingegangen und haben so dem chinesischen Volk einen Teil seines Bodens unbesudelt erhalten und ihm eine tapfere antijapanische Armee bewahrt. Sollte sich das chinesische Volk zu einer solchen "Nichtbefolgung" nicht gratulieren? Genügt es denn der Kuomintang-Regierung immer noch nicht, durch ihre faschistischen Regierungsanordnungen und defätistischen militärischen Befehle den japanischen Aggressoren das riesige Territorium von Heilungkiang bis Kueitschou mit seiner zahlreichen Bevölkerung überlassen zu haben? Die japanischen Aggressoren und die Reaktionäre begrüßen natürlich diese "Regierungsanordnungen" und "militärischen Befehle"; könnte sich denn auch nur ein einziger patriotisch gesinnter, ehrlicher Chinese finden, der diese Dinge gutheißen würde? Wäre es denkbar, daß das chinesische Volk, solange keine Koalitionsregierung - eine Koalitionsregierung dem Wesen und nicht der Form nach, eine demokratische, nicht faschistisch-diktatorische Regierung - gebildet ist, den chinesischen Kommunisten gestatten wird, die befreiten Gebiete Chinas, wo das Volk seine Freiheit gewonnen hat, und die Volkstruppen, die sich große Verdienste im Widerstandskrieg erworben haben, an die defätistische, faschistischdiktatorische Regierung der Kuomintang eigenmächtig abzugeben? Gäbe es nicht die befreiten Gebiete und deren Armeen, könnte da die Sache des Widerstandskriegs des chinesischen Volkes so sein, wie sie heute ist? Und kann sich einer noch vorstellen, wie die Zukunft der chinesischen Nation aussehen würde?

DIE GEFAHR EINES BÜRGERKRIEGS

Bis auf den heutigen Tag beharrt die herrschende Hauptclique in der Kuomintang auf ihrem reaktionären Kurs der Diktatur und des Bürgerkriegs. Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß diese Clique schon seit langem und heute besonders eifrig dazu rüstet, einen Bürgerkrieg zu entfesseln, sobald das chinesische Festland durch die Truppen einer gewissen alliierten Macht bis zu einem gewissen Grad von den japanischen Aggressoren gesäubert ist. Gleichzeitig hofft diese Clique, daß die Generäle gewisser alliierter Mächte in China die gleichen Funktionen ausüben werden, wie sie der britische General Scobie4 in Griechenland ausübt. Sie bejubelt die blutigen Gemetzel, die von Scobie und der reaktionären griechischen Regierung angerichtet werden. Sie versucht, China noch einmal wie in den Jahren 1927 bis 1937 in den Strudel eines Bürgerkriegs zu stürzen. Hinter dem Nebelschleier des Geredes von der "Einberufung der Nationalversammlung" und der "Lösung durch politische Mittel" rüstet sie insgeheim zum Bürgerkrieg. Wenn unsere Landsleute nicht auf der Hut sind, wenn sie diese Ränke nicht entlarven und diese Vorbereitungen nicht verhindern, dann werden sie eines schönen Morgens den Geschützdonner des Bürgerkriegs zu hören bekommen.

VERHANDLUNGEN

Um die japanischen Aggressoren niederzuschlagen und ein neues China aufzubauen, um den Bürgerkrieg zu verhüten, hat die Kommunistische Partei Chinas mit Zustimmung der anderen demokratischen Parteien und Gruppen auf der Tagung des Politischen Nationalrats im September 1944 die Forderung nach unverzüglicher Abschaffung der Einparteiendiktatur der Kuomintang und nach der Bildung einer demokratischen Koalitionsregierung erhoben. Diese Forderung war zweifellos zeitgemäß und fand innerhalb weniger Monate ein lebhaftes Echo unter den breiten Volksmassen.

Wir haben mit der Kuomintang-Regierung mehrmals über die Abschaffung der Einparteiendiktatur, die Bildung einer Koalitionsregierung und die Durchführung der notwendigen demokratischen Reformen verhandelt, aber alle unsere Vorschläge wurden von ihr abgelehnt. Die Kuomintang ist nicht nur nicht gewillt, die Einparteiendiktatur abzuschaffen und eine Koalitionsregierung zu bilden, sondern sie will keine einzige der dringend erforderlichen demokratischen Reformen durchführen, wie zum Beispiel die Auflösung des Geheimdienstes, die Aufhebung der reaktionären Gesetze und Verordnungen, welche die Freiheiten des Volkes unterdrücken, die Freilassung der politischen Häftlinge, die Anerkennung des legalen Status der verschiedenen politischen Parteien und Gruppen, die Anerkennung der befreiten Gebiete, den Abzug der Truppen, die diese Gebiete blockieren und angreifen. Infolgedessen sind die politischen Verhältnisse in China außerordentlich gespannt.

ZWEI PERSPEKTIVEN

Angesichts der Gesamtsituation und nach der Analyse aller eben dargelegten Aspekte der internationalen und der inneren Lage möchte ich alle Genossen davor warnen, zu glauben, für unsere Sache würde alles glatt und reibungslos vonstatten gehen. Nein, das wird nicht der Fall sein. In Wirklichkeit gibt es zwei Möglichkeiten, zwei Perspektiven: eine günstige und eine ungünstige. Eine Möglichkeit oder Perspektive ist, daß die faschistische Diktatur weiterbesteht und keine demokratischen Reformen zugelassen werden, daß der Schwerpunkt eher auf den Kampf gegen das Volk als gegen die japanischen Aggressoren gelegt wird und daß ein Bürgerkrieg, selbst wenn die japanischen Aggressoren niedergeschlagen werden sollten, im Land ausbrechen wird, wodurch China in den alten elenden Zustand eines abhängigen, unfreien, undemokratischen, ungeeinten, armen und schwachen Staates zurückgeworfen würde. Diese Möglichkeit, diese Perspektive besteht nach wie vor, und sie ist keineswegs deshalb ausgeschlossen oder automatisch verschwunden, nur weil die internationale Lage günstig ist und innerhalb des Landes das politische Bewußtsein des Volkes und seine organisierten Kräfte gewachsen sind. Die Realisierung dieser Möglichkeit, dieser Perspektive in China wünschen innerhalb des Landes die volksfeindliche Clique in der Kuomintang und im Ausland die imperialistisch gesinnten Reaktionäre. Das ist die eine Seite der Sache, die man nicht außer acht lassen darf.

Andererseits aber verleihen uns diese Gesamtsituation und die Analyse aller eben dargelegten Aspekte der internationalen und der inneren Lage noch mehr Zuversicht und Mut, für die zweite Möglichkeit, für die zweite Perspektive zu kämpfen: alle Schwierigkeiten zu überwinden, das ganze Volk zusammenzuschließen, die faschistische Diktatur der Kuomintang zu beseitigen, demokratische Reformen durchzuführen, die antijapanischen Kräfte zu festigen und zu mehren, die japanischen Aggressoren endgültig niederzuschlagen und China zu einem unabhängigen, freien, demokratischen, geeinten, reichen und mächtigen neuen Staat aufzubauen. Die Realisierung dieser Möglichkeit, dieser Perspektive in China wünschen innerhalb des Landes die breiten Volksmassen, die Kommunistische Partei Chinas und andere demokratische Parteien und Gruppen, im Ausland alle Nationen, die uns als gleichberechtigt behandeln, die fortschrittlichen Menschen und die breiten Volksmassen.

Wir begreifen sehr gut, daß uns und dem chinesischen Volk noch große Schwierigkeiten, noch viele Hindernisse bevorstehen, daß noch ein langer Weg mit vielen Windungen und Wendungen zurückzulegen ist. Doch wir begreifen auch, daß wir gemeinsam mit dem ganzen chinesischen Volk alle Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden und die vor China stehenden historischen Aufgaben erfüllen werden. Mit allen Kräften gegen die erste Möglichkeit, für die zweite Möglichkeit, gegen die erste Perspektive, für die zweite Perspektive zu kämpfen - das ist die große Aufgabe, vor der wir und das ganze chinesische Volk stehen. Die Hauptaspekte der internationalen und der inneren Lage sind günstig für uns und unser ganzes Volk. Das habe ich bereits erläutert. Wir hoffen, daß die Kuomintang-Führung angesichts der allgemeinen Entwicklungstendenz in der Welt und des Willens des chinesischen Volkes nicht zögert, ihre gegenwärtige falsche Politik zu ändern, damit der Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression zum Sieg geführt wird, das chinesische Volk weniger Leiden zu ertragen hat und bald ein neues China geboren wird. Man muß sich darüber klarwerden, daß - welche Zickzack-Wendungen unser Weg auch aufweisen möge - die Aufgabe, die Unabhängigkeit und Freiheit des chinesischen Volkes zu erkämpfen, dennoch erfüllt werden wird, und die Zeit dazu ist bereits gekommen. Die hehren Ideale, für die seit mehr als hundert Jahren unzählige Helden das Leben hingegeben haben, werden durch unsere Generation verwirklicht werden. Wer uns daran hindern will, der wird unweigerlich eine Niederlage erleiden.

IV. DIE POLITIK DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS

Ich habe bereits die zwei Linien in Chinas Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression analysiert. Eine solche Analyse ist unbedingt notwendig. Denn unter den breiten Massen des chinesischen Volkes wissen viele bis heute noch nicht, was eigentlich in diesem Krieg vor sich geht. Infolge der von der Kuomintang-Regierung betriebenen Blockade-Politik sind vielen - in den Gebieten der Kuomintang-Herrschaft wie auch im Ausland - die Augen zugebunden. Sie wußten praktisch nichts über die befreiten Gebiete, bis eine Gruppe chinesischer und ausländischer Journalisten im Jahre 1944 zu einem Besuch in diese Gebiete kam. Die Kuomintang-Regierung hat große Angst, daß Informationen über die wirklichen Verhältnisse in den befreiten Gebieten nach außen durchsickern könnten. Deshalb hat sie unverzüglich, nachdem 1944 die Journalistengruppe abgereist war, Tür und Tor verriegelt und nunmehr allen Journalisten die Einreise in die befreiten Gebiete verweigert. In gleicher Weise hat die Kuomintang-Regierung die wahren Zustände in den Kuomintang-Gebieten verschleiert. Deshalb sind wir, so glaube ich, verpflichtet, alles Mögliche zu tun, um der Öffentlichkeit ein wahres Bild über "die zweierlei Gebiete" zu vermitteln. Nur wenn man eine klare Vorstellung von der Gesamtlage Chinas hat, wird man verstehen können, warum ein derartiger Unterschied zwischen der Politik der beiden größten Parteien Chinas - der Kommunistischen Partei und der Kuomintang - besteht und warum ein solcher Kampf zwischen den beiden Linien im Gange ist. Nur so wird man begreifen können, daß der Streit zwischen den beiden Parteien nicht - wie von manchen behauptet wird - ein unnötiger, unwichtiger Streit oder gar eine Stänkerei, sondern ein prinzipieller Streit ist, bei dem es um Leben oder Tod von Hunderten Millionen Menschen geht.

In der gegenwärtigen ernsten Lage Chinas hofft das chinesische Volk, hoffen alle demokratischen Parteien und Gruppen, alle Demokraten im Land sowie die Völker der ganzen Welt, denen all das, was in China geschieht, am Herzen liegt, daß an Stelle der Spaltung in China wieder Zusammenschluß treten wird und daß im Land demokratische Reformen durchgeführt werden können. Sie alle möchten wissen, wie die Politik der Kommunistischen Partei Chinas zur Lösung der vielen wichtigen Probleme aussieht, vor denen jetzt das Land steht. Die Mitglieder unserer Partei sind daran natürlich noch mehr interessiert.

Unsere Politik der antijapanischen nationalen Einheitsfront ist von jeher klar, sie hat sich in acht Jahren Krieg bewährt. Unser Parteitag muß daraus seine Schlußfolgerungen ziehen, die uns im weiteren Kampf als Anleitung dienen werden.

Jetzt will ich auf eine Reihe bestimmter Schlußfolgerungen eingehen, die unsere Partei in bezug auf die wichtigen politischen Richtlinien zur Lösung der vor China stehenden Probleme gezogen hat.

UNSER ALLGEMEINES PROGRAMM

Um alle antijapanischen Kräfte des chinesischen Volkes zu mobilisieren und zu vereinigen, um die japanischen Aggressoren restlos zu vernichten und ein unabhängiges, freies, demokratisches, geeintes, reiches und mächtiges neues China aufzubauen, braucht das chinesische Volk, braucht die Kommunistische Partei Chinas ebenso wie alle antijapanischen demokratischen Parteien und Gruppen dringend ein vereinbartes gemeinsames Programm.

Dieses Programm kann man in zwei Teile gliedern: einen allgemeinen und einen konkreten Teil. Wir wollen zunächst das allgemeine Programm behandeln und anschließend zum konkreten übergehen.

Unter der Hauptvoraussetzung einer völligen Vernichtung der japanischen Aggressoren und des Aufbaus eines neuen China sind wir Kommunisten im gegenwärtigen Stadium Chinas mit der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung des Landes in den folgenden grundlegenden Punkten einig: Erstens darf die Staatsordnung Chinas keine feudale, faschistische, volksfeindliche Ordnung unter der Diktatur der großen Grundherren und der Großbourgeoisie sein, denn achtzehn Jahre Herrschaft der Hauptclique der Kuomintang haben bereits den kompletten Bankrott dieser volksfeindlichen Staatsordnung gezeigt. Zweitens ist es in China unmöglich, und folglich sollte man es auch gar nicht erst versuchen, einen Staat der demokratischen Diktatur alten Typus ausschließlich unter der nationalen Bourgeoisie aufzubauen, weil sich einerseits die nationale Bourgeoisie in China ökonomisch und politisch als äußerst schwach erwiesen hat, andererseits aber in China schon seit langem ein neuer Faktor aufgetreten ist, nämlich das politisch bewußte, seine große Macht auf der politischen Bühne Chinas demonstrierende und die breiten Massen der Bauernschaft, des städtischen Kleinbürgertums, der Intelligenz sowie die übrigen demokratischen Kräfte führende chinesische Proletariat und sein Führer - die Kommunistische Partei Chinas. Drittens ist es für das chinesische Volk ebenso unmöglich, im gegenwärtigen Stadium Chinas eine sozialistische Staatsordnung aufzubauen, solange die Aufgabe des chinesischen Volkes nach wie vor der Kampf gegen die ausländische und die feudale Unterdrückung bleibt und die notwendigen sozial-ökonomischen Bedingungen noch fehlen.

Wofür sind wir also? Wir sind dafür, daß nach der völligen Niederwerfung der japanischen Aggressoren eine Staatsordnung des demokratischen Bündnisses der Einheitsfront errichtet werden muß, die sich auf die überwiegende Mehrheit des Volkes stützt und unter Führung der Arbeiterklasse steht. Eine solche Staatsordnung nennen wir eine neudemokratische Ordnung.

Diese Staatsordnung entspricht wirklich den Forderungen der überwiegenden Mehrheit des chinesischen Volkes, weil sie die Billigung erhalten hat oder erhalten kann, erstens von Millionen Industriearbeitern und Dutzenden Millionen Handwerkern und Landarbeitern, zweitens von der Bauernschaft, die 360 von 450 Millionen der Bevölkerung Chinas, das heißt 80 Prozent, ausmacht, und drittens von der breiten Masse des städtischen Kleinbürgertums, von der nationalen Bourgeoisie, von den aufgeklärten Schenschi und anderen Patrioten.

Selbstverständlich gibt es zwischen diesen Klassen nach wie vor Widersprüche, von denen beispielsweise der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital besonders augenfällig ist. Deshalb stellt jede dieser Klassen unterschiedliche Forderungen. Diese Widersprüche und diese unterschiedlichen Forderungen abzuleugnen wäre eine Heuchelei und ein Fehler. Doch diese Widersprüche, diese unterschiedlichen Forderungen werden im Verlauf des ganzen neudemokratischen Stadiums nicht derart anwachsen, daß sie die gemeinsamen Forderungen übersteigen, und dürfen es auch nicht. Sie können geregelt werden. Durch eine solche Regelung können die erwähnten Klassen gemeinsam alle Aufgaben beim politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des neudemokratischen Staates erfüllen.

Die Politik der Neuen Demokratie, für die wir eintreten, besteht darin, das fremde nationale Joch abzuwerfen sowie die einheimische feudalistische und faschistische Unterdrückung zu beseitigen, danach nicht die politische Ordnung einer Demokratie alten Typus, sondern eine auf der Einheitsfront des Bündnisses aller demokratischen Klassen beruhende politische Ordnung zu errichten. Diese unsere Ansichten stimmen voll und ganz mit den revolutionären Ansichten Dr. Sun Yatsens überein. Im Manifest des 1. Nationalkongresses der Kuomintang schrieb er:

Das sogenannte demokratische System in den modernen Staaten wird häufig von der Bourgeoisie monopolisiert und verwandelt sich somit in ein Instrument zur Unterdrückung des einfachen Volkes: Aber die Demokratie, wie sie die Kuomintang zu einem ihrer Prinzipien gemacht hat; ist Gemeingut des einfachen Volkes und nicht Privatbesitz einer kleinen Minderheit.

Das ist eine große politische Weisung Dr. Sun Yat-sens. Das chinesische Volk, die Kommunistische Partei Chinas und alle anderen demokratischen Kräfte müssen diese Weisung respektieren und resolut in die Tat umsetzen; sie müssen entschieden gegen alle Personen und Gruppen kämpfen, die dieser Weisung zuwiderhandeln oder sie sogar bekämpfen, um so dieses vollkommen korrekte politische Prinzip der Neuen Demokratie zu verteidigen und zu entwickeln.

Der Aufbau der neudemokratischen Staatsmacht muß auf dem Prinzip des demokratischen Zentralismus basieren, wobei die Volkskongresse verschiedener Ebenen die Hauptrichtlinien bestimmen und die Organe der Staatsmacht wählen. Eine solche Macht ist sowohl demokratisch als auch zentralisiert; sie ist, mit anderen Worten, Zentralisierung auf der Grundlage der Demokratie und Demokratie bei zentralisierter Führung. Nur eine solche Ordnung gestattet es, eine breite Demokratie zu verwirklichen, und gibt den Volkskongressen aller Ebenen die ganze Fülle der Macht; gleichzeitig gewährleistet sie eine zentralisierte Regelung der Staatsangelegenheiten und ermöglicht es den Machtorganen aller Ebenen, die Angelegenheiten, die von den entsprechenden Volkskongressen übertragen werden, zentralisiert zu behandeln, und sichert dem Volk zugleich alle notwendige demokratische Tätigkeit.

Die Armee und die anderen bewaffneten Kräfte sind ein wichtiger Bestandteil des Apparats der neudemokratischen Staatsmacht. Ohne sie kann der Staat nicht verteidigt werden. Ebenso wie alle anderen Machtorgane gehören alle bewaffneten Kräfte des neudemokratischen Staates dem Volk und schützen es. Sie haben nichts gemein mit der Armee, der Polizei usw. von altem Typus, die einem Häuflein Menschen unterstehen und das Volk unterdrücken.

Die neudemokratische Wirtschaft, für die wir sind, entspricht ebenfalls den Prinzipien Dr. Sun Yat-sens. In der Agrarfrage erhob Dr. Sun Yat-sen die Forderung: "Jedem Pflüger sein Feld!" Zur Frage der Industrie und des Handels schrieb Dr. Sun Yat-sen im Manifest des 1. Nationalkongresses der Kuomintang:

Unternehmen, ob in chinesischer oder ausländischer Hand, die monopolistischen Charakter tragen oder deren Umfang für eine private Verwaltung zu groß ist, wie Banken, Eisenbahnen und Zivilluftfahrt, sollen vom Staat geführt und verwaltet werden, damit nicht das Privatkapital die Lebenshaltung der Nation kontrolliert; das eben ist das Hauptprinzip der Regulierung des Kapitals.

Im gegenwärtigen Stadium sind wir auf dem Gebiet der Wirtschaft mit diesen Ansichten Dr. Sun Yat-sens voll und ganz einverstanden. Manche Leute argwöhnen, die chinesischen Kommunisten wären gegen die Entfaltung der individuellen Initiative, gegen die Entwicklung des Privatkapitals und gegen den Schutz des Privateigentums. Das ist aber ein Irrtum. Die ausländische und die feudale Unterdrückung fesseln brutal die Entfaltung der individuellen Initiative des chinesischen Volkes und die Entwicklung des Privatkapitals und zerstören das Eigentum der breiten Volksmassen. Die Aufgabe der neudemokratischen Ordnung dagegen, für die wir eintreten, besteht gerade darin, diese Fesseln abzuschütteln und diesem Zerstörungswerk ein Ende zu setzen, damit den breiten Massen des Volkes die Möglichkeit gewährleistet wird, die Individualität im Gemeinschaftsleben frei zu entfalten, damit die privatkapitalistische Wirtschaft, die "nicht die Lebenshaltung der Nation kontrolliert", sondern ihr Nutzen bringt, frei entwickelt werden kann, damit das gesamte, auf anständige Weise erworbene Privateigentum geschützt wird.

In Übereinstimmung mit den Prinzipien Dr. Sun Yat-sens und den Erfahrungen der chinesischen Revolution muß die Volkswirtschaft Chinas im gegenwärtigen Stadium aus einem staatlichen, einem privaten und einem genossenschaftlichen Sektor bestehen. Doch darf der Staat, den wir mit "staatlich" meinen, unter keinen Umständen der "Privatbesitz einer kleinen Minderheit", sondern muß unbedingt ein neudemokratischer Staat sein, der unter Führung des Proletariats steht und "Gemeingut des einfachen Volkes" ist.

Die Kultur der Neuen Demokratie muß ebenfalls "Gemeingut des einfachen Volkes" sein, das heißt, sie muß eine nationale, wissenschaftliche und Massenkultur und darf keinesfalls "Privatbesitz einer kleinen Minderheit" sein.

Alles hier Dargelegte bildet das allgemeine oder grundlegende Programm, für das wir Kommunisten im gegenwärtigen Stadium, also während des gesamten Stadiums der bürgerlich-demokratischen Revolution eintreten. Im Unterschied zu unserem Zukunfts- oder Maximalprogramm des Sozialismus und Kommunismus ist dies unser Minimalprogramm. Die Erfüllung dieses Programms wird es China ermöglichen, von seinen gegenwärtigen Zuständen in Staat und Gesellschaft einen Schritt vorwärts zu machen, d. h. sich von einem kolonialen, halbkolonialen und halbfeudalen Staat und einer ebensolchen Gesellschaft zum neudemokratischen Staat und zur neudemokratischen Gesellschaft weiterzuentwickeln.

Die Führung des Proletariats in der Politik und die von ihm geleiteten staatlichen und genossenschaftlichen Sektoren in der Wirtschaft, wie sie alle in diesem Programm vorgesehen sind, sind Faktoren des Sozialismus. Mit der Verwirklichung dieses Programms wird China jedoch noch nicht in eine sozialistische Gesellschaft umgewandelt.

Wir Kommunisten machen aus unseren politischen Ansichten niemals ein Hehl. Es steht doch fest und kann nicht im geringsten bezweifelt werden, daß es unser Programm für die Zukunft oder unser Maximalprogramm ist, China zum Sozialismus und Kommunismus zu führen. Der Name unserer Partei und unsere marxistische Weltanschauung weisen klar auf dieses unendlich strahlende und schöne, dieses höchste Zukunftsideal hin. Beim Eintritt in die Partei hat jeder Kommunist zwei feststehende Ziele klar vor Augen: die neudemokratische Revolution in der Gegenwart sowie den Sozialismus und Kommunismus in der Zukunft. Für alles dieses wird er kämpfen, ungeachtet der Feindseligkeit, der Verleumdung, der Beschimpfung oder der Spötteleien von unwissenden und gemeinen Feinden des Kommunismus; all das müssen wir entschieden zurückweisen. Ehrlich zweifelnde Menschen aber darf man nicht angreifen, sondern man muß sie mit gutem Willen und mit Geduld aufklären. Das alles ist absolut klar, bestimmt und eindeutig.

Die chinesischen Kommunisten sowie alle Chinesen, die mit dem Kommunismus sympathisieren, müssen jedoch um die Erreichung des Zieles im gegenwärtigen Stadium kämpfen: für die Beseitigung des fremden und des feudalen Jochs, für die Befreiung des chinesischen Volkes von dem tragischen Zustand eines kolonialen, halbkolonialen und halbfeudalen Landes und für den Aufbau eines vom Proletariat geführten neudemokratischen China, dessen Hauptaufgabe die Befreiung der Bauernschaft ist - mit anderen Worten, für den Aufbau eines China der revolutionären Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens, eines China, das unabhängig, frei, demokratisch, geeint, reich und mächtig ist. Und das haben wir auch wirklich getan. Gemeinsam mit den breiten Massen des chinesischen Volkes haben wir Kommunisten seit vierundzwanzig Jahren für dieses Ziel heroisch gekämpft.

Wenn irgendein Kommunist oder einer von denen, die mit der Kommunistischen Partei sympathisieren, nur leere Phrasen über Sozialismus und Kommunismus drischt, aber nicht für dieses Ziel kämpft, wenn er diese bürgerlich-demokratische Revolution geringschätzt und infolgedessen bei dieser Revolution in seinen Bestrebungen auch nur ein wenig nachläßt oder sich ein bißchen den Schlendrian erlaubt, wenn er auch nur die geringste Untreue oder Apathie zeigt oder die Bereitschaft vermissen läßt, sein Blut und Leben dafür hinzugeben dann verrät er, wissentlich oder unbeabsichtigt, mehr oder weniger, den Sozialismus und Kommunismus und ist kein bewußter und ergebener Kommunist mehr. Nur über die Demokratie kann man zum Sozialismus gelangen - das ist ein unerschütterliches Gesetz des Marxismus. Und in China wird der Kampf für die Demokratie noch lange dauern. Eine sozialistische Gesellschaft auf den Trümmern der kolonialen, halbkolonialen und halbfeudalen Ordnung aufbauen zu wollen, ohne einen geeinten neudemokratischen Staat, ohne Entwicklung eines staatlichen Sektors der neudemokratischen Wirtschaft, ohne Entwicklung eines privatkapitalistischen und eines genossenschaftlichen Sektors, ohne Entwicklung einer nationalen, wissenschaftlichen und Massenkultur, das heißt einer neudemokratischen Kultur, ohne Emanzipation und Entwicklung der Individualität von Hunderten Millionen Menschen - kurz, ohne eine gründliche bürgerlich-demokratische Revolution, eine bürgerlich-demokratische Revolution neuen Typus, die von der Kommunistischen Partei geführt wird, das wäre nichts als eine vollkommene Utopie.

Manche verstehen nicht, weshalb die Kommunisten nicht nur keine Furcht vor dem Kapitalismus haben, sondern sogar unter bestimmten Bedingungen seine Entwicklung fördern. Unsere Antwort ist sehr einfach: Wenn an die Stelle der Unterdrückung durch den ausländischen Imperialismus und durch den eigenen Feudalismus eine gewisse Entwicklung des Kapitalismus tritt, so stellt das nicht nur einen Fortschritt, sondern auch einen unvermeidlichen Prozeß dar. Das kommt nicht nur der Bourgeoisie, sondern auch dem Proletariat zugute, und letzterem sogar noch mehr. Es sind der ausländische Imperialismus und der einheimische Feudalismus, die für das heutige China überflüssig sind, aber nicht der eigene Kapitalismus; im Gegenteil, es gibt bei uns zuwenig Kapitalismus. Merkwürdigerweise wagen es manche Wortführer der chinesischen Bourgeoisie nicht, offen die Forderung nach Entwicklung des Kapitalismus zu erheben, sondern reden darüber nur durch die Blume. Es gibt auch andere Leute, die glatt bestreiten, daß China eine gewisse Entwicklung des Kapitalismus - soweit es notwendig ist - zulassen muß; sie behaupten, man könne mit einem Satz in eine sozialistische Gesellschaft hineinspringen, man könne die Aufgaben der Drei Volksprinzipien und des Sozialismus "auf einen Schlag vollenden". Es ist sonnenklar, daß derartige Äußerungen entweder die Schwäche der chinesischen nationalen Bourgeoisie widerspiegeln oder Tricks seitens der großen Grundherren und der Großbourgeoisie zur Irreführung der Volksmassen darstellen. Auf Grund unserer marxistischen Erkenntnis der Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung verstehen wir Kommunisten ganz klar, daß es unter den gegebenen Verhältnissen Chinas, im Rahmen eines neudemokratischen Staatssystems notwendig ist, neben dem staatlichen Sektor, der Einzelwirtschaft und dem genossenschaftlichen Sektor der Werktätigen auch dem privatkapitalistischen Sektor eine Entwicklungsmöglichkeit zu gewähren, und zwar ohne dem Privatkapital zu gestatten, die Lebenshaltung der Nation zu kontrollieren; nur auf diese Weise wird die Entwicklung der Gesellschaft gefördert. Wir chinesischen Kommunisten sind Menschen mit einem klaren Kopf und lassen uns durch keinerlei leeres Geschwätz und durch keinerlei Betrug beirren.

Manche zweifeln an der Aufrichtigkeit der Erklärung der Kommunisten: "Die Drei Volksprinzipien sind für das heutige China unerläßlich, und unsere Partei ist bereit, für ihre restlose Verwirklichung zu kämpfen." Solche Zweifel erklären sich aus der Unkenntnis, daß die von uns anerkannten grundlegenden Leitsätze der Drei Volksprinzipien, wie sie 1924 im Manifest des 1. Nationalkongresses der Kuomintang von Dr. Sun Yat-sen gedeutet wurden, mit gewissen grundlegenden Leitsätzen des Programms unserer Partei für das gegenwärtige Stadium, das heißt unseres Minimalprogramms, übereinstimmen. Man muß jedoch hervorheben, daß diese Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yatsens mit dem Programm unserer Partei für das gegenwärtige Stadium nur in gewissen grundlegenden Leitsätzen und keineswegs völlig übereinstimmen. Das neudemokratische Programm unserer Partei ist natürlich weitaus vollständiger als das Programm Dr. Sun Yat-sens. Besonders mit dem Fortgang der chinesischen Revolution in den zwanzig Jahren seit dem Tod Dr. Sun Yat-sens haben die Theorie, das Programm und die Praxis unserer Partei hinsichtlich der Neuen Demokratie eine sehr bedeutende Entwicklung genommen und werden sich noch mehr entwickeln. Doch diese Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens sind ihrem Wesen nach ein neudemokratisches Programm, das sich von den früheren alten Drei Volksprinzipien unterscheidet, und natürlich sind sie "für das heutige China unerläßlich", und selbstverständlich ist "unsere Partei bereit, für ihre restlose Verwirklichung zu kämpfen". Für die chinesischen Kommunisten ist der Kampf um das Minimalprogramm unserer Partei und der Kampf um die revolutionären, das heißt die neuen Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens, im wesentlichen (aber nicht in allem) ein und dasselbe. Deshalb hat es sich nicht nur in der Vergangenheit und in der Gegenwart bereits erwiesen, sondern es wird sich auch in der Zukunft erweisen, daß die chinesischen Kommunisten die treuesten und konsequentesten Kämpfer für die Verwirklichung der revolutionären Drei Volksprinzipien sind.

Manche sind mißtrauisch, ob die Kommunistische Partei, wenn sie einmal an die Macht gelangt ist, nicht die Diktatur des Proletariats und ein Einparteiensystem nach dem Vorbild Rußlands schaffen wird. Wir antworten darauf, daß zwischen einem neudemokratischen Staat des Bündnisses einiger demokratischer Klassen und einem sozialistischen Staat unter proletarischer Diktatur ein prinzipieller Unterschied besteht. Es unterliegt keinem Zweifel, daß unsere neudemokratische Ordnung unter Führung des Proletariats, unter Führung der Kommunistischen Partei geschaffen werden wird. Doch in China ist die Diktatur einer einzigen Klasse und die Monopolstellung einer einzigen Partei in der Regierung während der gesamten Periode der Neuen Demokratie unmöglich, und es darf daher diese Staatsordnung nicht geben. Wir haben keinen Grund, die Zusammenarbeit mit irgendeiner politischen Partei, gesellschaftlichen Gruppe oder Einzelperson abzulehnen, die der Kommunistischen Partei nicht feindlich gegenüberstehen, sondern mit ihr zusammenarbeiten wollen. Die Ordnung in Rußland ist durch die historische Entwicklung Rußlands hervorgebracht worden. Dort wurde die Gesellschaftsordnung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft und die politische, ökonomische und kulturelle Ordnung der Demokratie neuesten Typus, nämlich des Sozialismus, verwirklicht. Alle Parteien, die gegen den Sozialismus auftraten, wurden vom Volk über den Haufen geworfen. Es unterstützte nur die Partei der Bolschewiki. Deshalb bildete sich in Rußland eine Lage heraus, die für Rußland absolut notwendig und völlig vernünftig ist. Doch selbst in Rußland, wo es keine anderen Parteien außer der Partei der Bolschewiki gibt, ist in den Organen der Staatsmacht ein System des Bündnisses der Arbeiter, Bauern und Intellektuellen oder des Bündnisses von Kommunisten und Parteilosen eingeführt worden; dort ist es nicht der Fall, daß nur Angehörige der Arbeiterklasse oder nur die Bolschewiki in den Machtorganen tätig sein dürfen. Die historische Entwicklung Chinas im gegenwärtigen Stadium wird ebenfalls eine diesem Stadium entsprechende Ordnung hervorbringen. Im Verlauf einer langen Zeit wird in China eine besondere Form des Staates und der Staatsmacht entstehen, die für uns absolut notwendig und völlig vernünftig ist und sich gleichzeitig von der Ordnung in Rußland unterscheidet, nämlich der neudemokratische Staat und die neudemokratische Staatsmacht, beruhend auf dem Bündnis mehrerer demokratischer Klassen.

UNSER KONKRETES PROGRAMM

Entsprechend dem eben dargelegten allgemeinen Programm muß unsere Partei auch ein konkretes Programm für jeden Zeitabschnitt haben. Unser allgemeines neudemokratisches Programm wird während des ganzen Stadiums der bürgerlich-demokratischen Revolution, das heißt für mehrere Jahrzehnte, unverändert bleiben. Aber während dieses Stadiums haben sich die Umstände von Phase zu Phase geändert oder sind in Veränderung begriffen. Es ist daher nur selbstverständlich, daß wir unser konkretes Programm entsprechend zu ändern haben. So blieb beispielsweise unser allgemeines neudemokratisches Programm in der Periode des Nordfeldzugs, in der Periode des Agrarrevolutionären Krieges und in der Periode des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression immer das gleiche, aber in unserem konkreten Programm wurden Änderungen vorgenommen, weil in diesen drei Perioden unsere Freunde und Feinde nicht die gleichen geblieben sind.

Gegenwärtig befindet sich das chinesische Volk in folgender Lage:

1. Die japanischen Aggressoren sind noch nicht geschlagen;

2. das chinesische Volk braucht dringend den Zusammenschluß zur Durchführung einer demokratischen Umgestaltung, um die nationale Einheit zu erreichen, um alle antijapanischen Kräfte rasch zu mobilisieren und zu vereinigen und im Zusammenwirken mit den alliierten Mächten die japanischen Aggressoren niederzuschlagen;

3. die Kuomintang-Regierung hintertreibt die nationale Einheit und verhindert eine solche demokratische Umgestaltung. Wie sieht unter diesen Umständen unser konkretes Programm aus, oder mit anderen Worten, was sind die gegenwärtigen Forderungen des chinesischen Volkes?

Wir sind der Meinung, daß folgende Forderungen angemessen und die Minimalforderungen sind:

Alle verfügbaren Kräfte mobilisieren, um im Zusammenwirken mit den alliierten Mächten die japanischen Aggressoren endgültig niederzuschlagen und einen internationalen Frieden herzustellen;

die Einparteiendiktatur der Kuomintang abschaffen, eine demokratische Koalitionsregierung und eine vereinigte oberste Heeresleitung bilden;

die projapanischen Elemente, Faschisten und Defätisten, welche die nationale Einheit hintertreiben und gegen das Volk kämpfen, bestrafen, um die nationale Einheit zu erreichen;

die reaktionären Elemente, die die Gefahr eines Bürgerkriegs heraufbeschwören, bestrafen, um den Frieden im Land zu gewährleisten ;

Landesverräter bestrafen, gegen die zum Feind übergelaufenen Offiziere Straffeldzüge unternehmen und japanische Spione bestrafen ;

den reaktionären Geheimdienst, der das Volk unterdrückt, restlos auflösen, all seiner Agententätigkeit ein Ende setzen und die Konzentrationslager auflösen;

alle reaktionären Gesetze und Verordnungen, die gegen die Rede-, Presse-, Versammlungs-, Vereinigungs-, Gedanken- und Glaubensfreiheit, gegen die Freiheit der Person gerichtet sind, aufheben, um dem Volk alle seine Freiheitsrechte zu gewährleisten;

den legalen Status aller demokratischen Parteien und Gruppen anerkennen;

alle patriotischen politischen Häftlinge freilassen;

alle Truppen, die die befreiten Gebiete Chinas umzingeln und angreifen, zurückziehen und an der Front gegen die japanischen Aggressoren einsetzen;

alle gegen die japanischen Aggressoren kämpfenden Streitkräfte und die vom Volk gewählten Machtorgane in den befreiten Gebieten Chinas anerkennen;

die befreiten Gebiete und ihre Streitkräfte festigen und erweitern, alle verlorenen Gebiete zurückgewinnen;

der Bevölkerung der japanisch besetzten Gebiete bei der Organisierung von Untergrundtruppen für bewaffnete Aufstände Hilfe leisten;

dem chinesischen Volk erlauben, sich zur Verteidigung von Heim und Herd und seines Vaterlands zu bewaffnen;

die unmittelbar dem Kuomintang-Oberkommando unterstellten Streitkräfte, die ständig Niederlagen erleiden, das Volk unterdrücken und Truppen verdrängen, die nicht derselben Clique angehören, politisch und militärisch umformen und die für die Niederlagen - verbunden mit einer Massenflucht - verantwortlichen Befehlshaber bestrafen;

das System der Militärdienstpflicht und die Lebensbedingungen der Offiziere und Soldaten verbessern;

den Familienangehörigen der Widerstandskämpfer eine Vorzugsbehandlung zukommen lassen, damit die an der Front stehenden Offiziere und Soldaten unbeschwert Krieg führen können;

die Familien von Gefallenen und die Kriegsversehrten bevorzugt versorgen; den demobilisierten Soldaten helfen, Fragen ihres Lebensunterhalts und ihrer Arbeit zu lösen;

die Rüstungsindustrie im Interesse der Kriegführung entwickeln;

die Waffen und Geldmittel, die von den alliierten Mächten zur Verfügung gestellt werden, gerecht unter alle im Widerstandskrieg kämpfenden Armeen aufteilen;

korrupte Beamte bestrafen und eine Regierung sauberen Stils verwirklichen ;

die materielle Lage der mittleren und unteren Staatsangestellten verbessern ;

dem chinesischen Volk demokratische Rechte geben;

das Bao-Djia-System5, das der Unterdrückung des Volkes dient, abschaffen;

Kriegsflüchtlingen und Opfern von Naturkatastrophen Nothilfe leisten ;

beträchtliche Geldmittel als Hilfsfonds bereitstellen, um der Bevölkerung, die unter der feindlichen Besatzung gelitten hat, nach der Rückgewinnung der besetzten Gebiete weitgehende Hilfe zu leisten ;

alle drückenden Steuern und Abgaben aufheben, eine einheitliche Progressivsteuer einführen;

im Dorf Reformen durchführen, Pacht- und Darlehenszinsen senken, das bäuerliche Recht auf Pachtung in gebührender Weise gewährleisten, den armen Bauern Kredite mit niedrigem Zinssatz gewähren und den Bauern helfen, sich zu organisieren, um so die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion zu fördern;

das bürokratische Kapital verbieten;

die gegenwärtige Politik der Wirtschaftskontrolle aufheben; der ins Uferlose gehenden Inflation und Preissteigerung Einhalt gebieten ;

die private Industrie fördern, ihr bei Kreditaufnahme, bei Einkauf von Rohstoffen und bei Absatz von Erzeugnissen Erleichterungen gewähren;

die Lebensbedingungen der Arbeiter verbessern, die Arbeitslosen unterstützen und den Arbeitern helfen, sich zu organisieren, um die Entwicklung der industriellen Produktion zu fördern;

in der Volksbildung das vom Kuomintang-Geist durchdrungene Bildungssystem6 liquidieren und eine nationale, wissenschaftliche und Massenkultur und -bildung entwickeln;

den Lehrern und Angestellten der Lehranstalten ihren Lebensunterhalt und ihre akademische Freiheit gewährleisten;

die Interessen der Jugend, der Frauen und der Kinder schützen, den ihrer Ausbildungsmöglichkeit beraubten Jugendlichen Hilfe erweisen, den Jugendlichen und Frauen helfen, sich zu organisieren, damit sie gleichberechtigt an allen Tätigkeiten teilnehmen können, die für den Widerstandskrieg und den sozialen Fortschritt von Nutzen sind; die Freiheit der Eheschließung sowie die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gewährleisten und den Jugendlichen und Kindern eine nützliche Bildung ermöglichen;

die Stellung der nationalen Minderheiten im Land verbessern; allen nationalen Minderheiten das Recht auf nationale Autonomie gewähren;

die Interessen der Auslandschinesen schützen, die Heimgekehrten unter ihnen unterstützen;

Ausländern, die vor der Unterdrückung durch die japanischen Aggressoren nach China geflüchtet sind, Schutz gewähren und sie in ihrem Kampf gegen die japanischen Aggressoren unterstützen;

die chinesisch-sowjetischen Beziehungen verbessern, usw.

Um das alles zu verwirklichen, ist es das Wichtigste, unverzüglich die Einparteiendiktatur der Kuomintang zu beseitigen und eine demokratische provisorische zentrale Koalitionsregierung zu bilden, die die Unterstützung des ganzen Landes genießt und in der alle antijapanischen Parteien und Gruppen sowie parteilosen Persönlichkeiten vertreten sind. Ohne diese Voraussetzung ist es unmöglich, einigermaßen ernsthafte Reformen auch in den von der Kuomintang beherrschten Gebieten, also im gesamtnationalen Maßstab durchzuführen.

Diese Forderungen - das ist die Stimme der breiten Massen des chinesischen Volkes, das ist auch die Stimme der breiten demokratischen Öffentlichkeit in den alliierten Staaten.

Ein zwischen allen antijapanischen demokratischen Parteien und Gruppen vereinbartes konkretes Minimalprogramm ist unbedingt notwendig, und wir sind bereit, mit ihnen auf der Basis des dargelegten Programms zu beraten. Die verschiedenen Parteien können verschiedene Forderungen haben, aber sie müssen sich über ein gemeinsames Programm einigen.

Was die Kuomintang-Gebiete betrifft, so ist dieses Programm vorläufig lediglich ein Programm, für dessen Verwirklichung noch gekämpft wird; für die von Japanern besetzten Gebiete ist es ein Programm, das mit Ausnahme des einen Punktes über die Organisierung von Untergrundtruppen für bewaffnete Aufstände erst nach der Rückgewinnung dieser Gebiete verwirklicht werden kann; in den befreiten Gebieten ist es ein Programm, das bereits seit langem durchgeführt wird und auch weiterhin durchgeführt werden soll.

Die gegenwärtigen Forderungen oder das konkrete Programm des chinesischen Volkes, das ich umrissen habe, enthalten viele wichtige Fragen der Kriegs- und Nachkriegsperiode, die einer weiteren Klärung bedürfen. Bei der nachfolgenden Klärung dieser Fragen werden wir an einigen falschen Ansichten der herrschenden Hauptclique der Kuomintang Kritik üben und gleichzeitig auch einige von anderen Leuten aufgeworfene Fragen beantworten.

1. Die japanischen Aggressoren vollständig vernichten und keinen Kompromiß auf halbem Weg zulassen.

Auf der Konferenz in Kairo7 wurde ganz richtig beschlossen, daß die japanischen Aggressoren zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen werden müßten. Nun aber sind die japanischen Eindringlinge hinter den Kulissen am Werk für einen Kompromißfrieden, während die projapanischen Elemente in der Kuomintang-Regierung über die Marionettenregierung in Nanking mit geheimen japanischen Emissären die Köpfe zusammenstecken, und dem ist kein Einhalt geboten worden. Deshalb ist die Gefahr eines Kompromisses auf halbem Weg noch nicht ganz vorüber. Es ist sehr gut, daß auf der Konferenz in Kairo ferner beschlossen wurde, China die vier nordöstlichen Provinzen, Taiwan und die Penghu-Inselgruppe zurückzugeben. In Anbetracht der gegenwärtigen Politik der Kuomintang-Regierung ist jedoch kein Verlaß darauf, daß sie den ganzen Weg bis zum Yalu-Fluß durchkämpfen und alle unsere verlorenen Gebiete zurückerobern würde. Was soll das chinesische Volk unter diesen Umständen tun? Es soll von der Kuomintang-Regierung fordern, daß die japanischen Aggressoren vollständig vernichtet werden; sie darf keinen Kompromiß auf halbem Weg eingehen. Alle Intrigen, die einen solchen Kompromiß zum Ziel haben, sind unverzüglich zu unterbinden. Das chinesische Volk muß die Kuomintang-Regierung auffordern, ihre gegenwärtige Politik des passiven Widerstands gegen Japan aufzugeben und alle ihre militärischen Kräfte im aktiven Kampf gegen Japan einzusetzen. Das chinesische Volk muß seine eigenen Streitkräfte - die Achte Route-Armee, die Neue Vierte Armee und andere bewaffnete Kräfte des Volkes - verstärken und überall dort, wo der Feind eingedrungen ist, aus eigener Initiative die antijapanischen bewaffneten Kräfte auf breiter Basis entfalten und sich bereithalten, in unmittelbarem Zusammenwirken mit den alliierten Mächten zu kämpfen und alle verlorenen Gebiete zurückzugewinnen; es darf sich unter keinen Umständen ausschließlich auf die Kuomintang verlassen. Es ist das heilige Recht des chinesischen Volkes, die japanischen Aggressoren niederzuschlagen. Wenn die Reaktionäre versuchen, ihm dieses heilige Recht zu nehmen; seine antijapanischen Aktionen zu unterdrücken oder seine antijapanischen Kräfte zu untergraben, dann muß das chinesische Volk, wenn alle Mittel der Überzeugung erschöpft sind, zur Selbstverteidigung greifen und entschlossen zurückschlagen. Denn eine solche reaktionäre Tätigkeit der chinesischen Reaktionäre, die einen Verrat an den nationalen Interessen bedeutet, kann nur den japanischen Aggressoren helfen.

2. Die Einparteiendiktatur der Kuomintang abschaffen und eine demokratische Koalitionsregierung bilden.

Zur vollständigen Vernichtung der japanischen Aggressoren sind demokratische Reformen im ganzen Land erforderlich. Aber das ist ohne Abschaffung der Einparteiendiktatur der Kuomintang und ohne Bildung einer demokratischen Koalitionsregierung unmöglich.

Die Einparteiendiktatur der Kuomintang ist faktisch die Diktatur der volksfeindlichen Clique in der Kuomintang. Sie hintertreibt die nationale Einheit, verschuldet im Widerstandskrieg die Niederlagen an der Kuomintang-Front und ist das Haupthindernis für die Mobilisierung und Vereinigung der antijapanischen Kräfte des chinesischen Volkes. Durch die bitteren Erfahrungen der acht Jahre Widerstandskrieg hat das chinesische Volk das Teuflische dieser Diktatur völlig erkannt und fordert daher ganz selbstverständlich ihre sofortige Abschaffung. Diese volksfeindliche Diktatur ist auch die Brutstätte eines Bürgerkriegs. Wenn man sie nicht unverzüglich aus dem Weg räumt, werden die Schrecken eines Bürgerkriegs wieder über uns kommen.

Der Ruf des chinesischen Volkes nach Abschaffung dieser volksfeindlichen Diktatur ist so weitreichend und weithallend, daß sich selbst die Kuomintang-Führung genötigt sah, öffentlich einer "vorfristigen Beendigung der politischen Vormundschaft" zuzustimmen. Daran erkennt man, wie unpopulär bereits diese "politische Vormundschaft" oder "Einparteiendiktatur" geworden ist und wie sehr sie an Ansehen verloren hat. In China wagt keiner mehr zu behaupten, die "politische Vormundschaft" oder die "Einparteiendiktatur" sei irgendwie gut und sollte nicht abgeschafft oder "beendet" werden. Das zeugt von einer großen Änderung der gegenwärtigen Lage in China.

Es ist ganz bestimmt und ohne jeden Zweifel, daß die "politische Vormundschaft" "beendet" werden muß. Aber die Meinungen über das "Wie" gehen auseinander. Die einen sagen: Man muß sie unverzüglich beenden und eine provisorische demokratische Koalitionsregierung bilden. Die anderen sagen: Man muß sich gedulden, wir werden die "Nationalversammlung" einberufen und dann die "Macht dem Volk zurückgeben", aber unter keinen Umständen einer Koalitionsregierung.

Was soll das bedeuten?

Es bedeutet, daß es zwei Verfahrensweisen gibt - eine aufrichtige und eine unaufrichtige.

Zunächst die aufrichtige: unverzüglich die Abschaffung der Einparteiendiktatur der Kuomintang verkünden, eine provisorische zentrale Regierung bilden, bestehend aus Vertretern der Kuomintang, der Kommunistischen Partei, der Demokratischen Liga und parteilosen Persönlichkeiten, und ein demokratisches Regierungsprogramm veröffentlichen, wie es die dargelegten gegenwärtigen Forderungen des chinesischen Volkes sind, um die nationale Einheit wiederherzustellen und die japanischen Aggressoren niederzuschlagen. Zur Erörterung dieser Fragen ist es notwendig, eine Konferenz am runden Tisch mit Vertretern der verschiedenen Parteien, Gruppen und parteilosen Persönlichkeiten einzuberufen, um zu einem Übereinkommen zu gelangen und dann dementsprechend die Sache in Angriff zu nehmen. Das ist der Kurs auf Zusammenschluß, der vom chinesischen Volk entschieden unterstützt wird.

Die zweite Verfahrensweise ist unaufrichtig: die Forderungen der breiten Volksmassen und aller demokratischen Parteien und Gruppen mißachten, willkürlich und eigenmächtig eine durch die volksfeindliche Clique innerhalb der Kuomintang arrangierte sogenannte Nationalversammlung einberufen, die eine sogenannte Verfassung annehmen soll, welche faktisch die Diktatur dieser Clique aufrechterhalten würde und gegen die Demokratie gerichtet wäre, und auf diese Weise die unrechtmäßige sogenannte Nationalregierung in die Toga der Rechtmäßigkeit hüllen, eine Regierung, die nur von wenigen Dutzenden Kuomintang-Leuten hinter geschlossenen Türen eingesetzt wurde, sich nicht im geringsten auf den Willen des Volkes stützt und dem Volk mit Gewalt aufgehalst worden ist; mit solchen Gebärden die "Rückgabe der Macht an das Volk" vortäuschen, faktisch aber derselben volksfeindlichen Clique innerhalb der Kuomintang die "Macht zurückgeben". Wer aber nicht damit einverstanden ist, wird als Saboteur der "Demokratie" und der "Einheit" hingestellt, was als "Grund" benutzt werden soll, einen Straffeldzug gegen ihn zu verkünden. Das ist der Kurs auf Spaltung, der vom chinesischen Volk entschieden bekämpft wird.

Die Maßnahmen, die unsere volksfeindlichen Recken gemäß diesem Spalterkurs treffen wollen, drohen sie selbst in den Abgrund zu stürzen. Sie sind dabei, sich um den eigenen Hals eine Schlinge zu legen, und zwar so, daß sie niemals mehr abgestreift werden kann, und diese Schlinge heißt "Nationalversammlung". Sie beabsichtigen, sich der "Nationalversammlung" als eines Zaubermittels zu bedienen, erstens, um die Bildung einer Koalitionsregierung zu verhindern, zweitens, um das diktatorische Regime aufrechtzuerhalten, und drittens, um die Rechtfertigung für einen Bürgerkrieg zu finden. Doch die Logik der Geschichte verläuft entgegen ihren Vorstellungen, und "der Stein, den sie erhoben haben, fällt auf ihre eigenen Füße". Heute weiß doch bereits jedermann, daß die Menschen in den Kuomintang-Gebieten keine Freiheit besitzen; die Bevölkerung in den von den Japanern besetzten Gebieten kann nicht an den Wahlen teilnehmen, während die befreiten Gebiete Chinas, wo das Volk die Freiheit erlangt hat, von der Kuomintang-Regierung nicht anerkannt werden. Wo sollen unter solchen Umständen die nationalen Vertreter, wo soll die "Nationalversammlung" herkommen? Die "Nationalversammlung", um deren Einberufung so viel Aufhebens gemacht wird, ist die gleiche "Nationalversammlung", wie sie die diktatorische Regierung der Kuomintang vor acht Jahren, noch in der Periode des Bürgerkriegs, eigenmächtig zurechtgebastelt hat. Wenn eine derartige Versammlung einberufen werden sollte, wird sich die ganze Nation unweigerlich dagegen erheben. Es sei gestattet zu fragen: Wie wollen sich dann unsere volksfeindlichen Recken aus der Affäre ziehen? Alles in allem - kommt diese Pseudo-Nationalversammlung tatsächlich zustande, werden diese Recken sich selbst damit in den Abgrund stoßen.

Um mit der Einparteiendiktatur der Kuomintang Schluß zu machen, schlagen wir Kommunisten folgende zwei Maßnahmen vor: erstens, in der gegenwärtigen Phase eine provisorische Koalitionsregierung durch gemeinsame Vereinbarung zwischen den Vertretern aller Parteien, Gruppen und parteilosen Persönlichkeiten zu bilden; zweitens, in der nächsten Phase durch freie und unbehinderte Wahlen eine Nationalversammlung einzuberufen und eine reguläre Koalitionsregierung zu bilden. Zusammengefaßt - in beiden Fällen muß es eine Koalitionsregierung sein, in der die Vertreter aller Klassen und Parteien, die eine Beteiligung wünschen, vereinigt sind, um auf der Grundlage eines demokratischen gemeinsamen Programms heute gegen die japanischen Aggressoren und morgen für den Aufbau des Landes zu kämpfen.

Unabhängig davon, was die Kuomintang-Leute oder sonstige Parteien und Gruppen oder Einzelpersonen darüber denken, ob sie es wollen oder nicht, ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht, kann China nur diesen Weg gehen. Das ist eine Gesetzmäßigkeit der Geschichte, das ist eine notwendige und unvermeidliche Entwicklungstendenz, die keine Macht ändern kann.

Zu dieser Frage und zu allen anderen Fragen, welche die demokratischen Reformen betreffen, erklären wir Kommunisten: Wie halsstarrig auch die Kuomintang-Führung immer noch an ihrer falschen Politik festhält und Verhandlungen nur als ein Mittel benutzt, um Zeit zu gewinnen und die öffentliche Meinung zu besänftigen wir sind bereit, mit ihr wieder Verhandlungen aufzunehmen, sobald sie bereit ist, ihre gegenwärtige falsche Politik aufzugeben und den demokratischen Reformen zuzustimmen. Den Verhandlungen muß jedoch der allgemeine Kurs auf den Widerstand gegen Japan, auf den Zusammenschluß und auf die Demokratie zugrunde gelegt werden. Wir werden auf keinen Fall auf irgendwelche sogenannten Maßnahmen, Pläne oder nichtssagenden Redensarten eingehen, die von diesem allgemeinen Kurs abweichen, wie schön sie auch klingen mögen.

3. Freiheit für das Volk.

Gegenwärtig ist der Kampf des chinesischen Volkes um seine Freiheit vor allem und in der Hauptsache gegen die japanischen Aggressoren gerichtet. Doch die Kuomintang-Regierung beraubt das Volk seiner Freiheit und bindet ihm Hände und Füße, so daß es nicht gegen die japanischen Aggressoren kämpfen kann. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, wird es unmöglich sein, alle antijapanischen Kräfte im Landesmaßstab zu mobilisieren und zu vereinigen. Gerade um das Volk von den ihm angelegten Fesseln zu befreien und ihm die Freiheit zu gewährleisten für den Widerstand gegen Japan, für den Zusammenschluß und für Demokratie, haben wir in unserem Programm Forderungen gestellt wie Abschaffung der Einparteiendiktatur, Bildung einer Koalitionsregierung, Auflösung des Geheimdienstes, Aufhebung der Gesetze und Verordnungen, welche die Freiheit unterdrücken, Bestrafung von Landesverrätern, Spionen, projapanischen Elementen, Faschisten und korrupten Beamten, Freilassung der politischen Häftlinge, Anerkennung des legalen Status aller demokratischen Parteien und Gruppen, Zurückziehung der Truppen, welche die befreiten Gebiete umzingeln und angreifen, Anerkennung der befreiten Gebiete, Abschaffung des Bao-Djia-Systems und viele andere Forderungen, die Wirtschaft, Kultur und Massenbewegung betreffen.

Die Freiheit wird vom Volk selbst erkämpft, sie wird nicht als Gnadengeschenk von irgend jemandem gegeben. Die Bevölkerung der befreiten Gebiete Chinas hat bereits die Freiheit erkämpft, die Bevölkerung in den anderen Gebieten kann und muß ebenfalls die Freiheit erkämpfen. Je mehr Freiheit das chinesische Volk erkämpft, je mächtiger seine organisierten demokratischen Kräfte sind, desto größer ist die Möglichkeit, eine einheitliche provisorische Koalitionsregierung zu bilden. Sobald eine solche Regierung gebildet ist, wird sie ihrerseits dem Volk volle Freiheit gewähren und dadurch ihre Basis festigen. Nur dann wird es möglich sein, nach Niederschlagung der japanischen Aggressoren freie und unbehinderte Wahlen im ganzen Land durchzuführen, eine demokratische Nationalversammlung zu schaffen und eine einheitliche, reguläre Koalitionsregierung zu bilden. Besitzt das Volk keine Freiheit, dann kann es keine wirklich vom Volk gewählte Nationalversammlung, kann es auch keine wirklich vom Volk gewählte Regierung geben. Ist das nicht völlig klar?

Die Freiheit der Rede, der Presse, der Versammlung und der Vereinigung, Gedanken- und Glaubensfreiheit sowie die Freiheit der Person sind für das Volk die wichtigsten Freiheiten. In China sind nur in den befreiten Gebieten diese Freiheiten voll und ganz gegeben.

Dr. Sun Yat-sen sagte 1926 - kurz vor seinem Tode - in seinem Testament:

Ich habe meine Kräfte vierzig Jahre lang der nationalen Revolution gewidmet, um Freiheit und Gleichheit für China zu erringen. Auf Grund vierzigjähriger Erfahrung bin ich zu der festen Überzeugung gekommen, daß wir, um dieses Ziel zu erreichen, die Volksmassen wecken und uns zum gemeinsamen Kampf mit jenen Nationen der Welt verbünden müssen, die uns als gleichberechtigt behandeln.

Die unwürdigen Nachfolger Dr. Sun Yat-sens, die an ihm Verrat geübt haben, unterdrücken die Volksmassen, anstatt sie zu wecken; sie haben die Volksmassen ganz und gar ihrer Freiheitsrechte wie der Freiheit der Rede, der Presse, der Versammlung und der Vereinigung, der Gedanken- und Glaubensfreiheit sowie der Freiheit der Person beraubt, während sie die Kommunistische Partei, die Achte Route-Armee, die Neue Vierte Armee und die befreiten Gebiete - sie alle wecken wirklich die Volksmassen und verteidigen wirklich deren Freiheitsrechte - als "Verräterpartei", "Verräterarmeen" und "Verrätergebiete" bezeichnen. Wir hoffen, daß die Zeit, da die Tatsachen auf den Kopf gestellt werden, möglichst rasch vorbei sein wird. Wenn das noch länger so weitergehen sollte, wird das chinesische Volk bald alle Geduld verlieren.

4. Die Einheit des Volkes.

Um die japanischen Aggressoren zu vernichten, einen Bürgerkrieg abzuwenden und ein neues China aufzubauen, ist es notwendig, das gespaltene China in ein geeintes China zu verwandeln. Das ist die historische Aufgabe des chinesischen Volkes.

Aber wie ist die Einheit zu erreichen? Durch Despotie eines Diktators oder durch Demokratie des Volkes? Seit der Zeit von Yüan Schi-kai[4] legten die Militärmachthaber des Nordens Nachdruck auf Einigung durch Despotie. Was aber kam dabei heraus? Entgegen ihren Absichten erreichten diese Militärmachthaber anstelle einer Einigung nur die Spaltung und purzelten schließlich selbst von ihrem Thron herunter. Die volksfeindliche Clique der Kuomintang, die den ausgetretenen Pfad Yüan Schi-kais ging und die Einheit durch Despotie anstrebte, führte volle zehn Jahre Bürgerkrieg, mit dem Resultat, daß die japanischen Aggressoren in das Land einfielen, während sich diese Clique selbst auf dem Ome-Berg8 verbarg. Jetzt macht sie schon wieder marktschreierisch von der Bergspitze herab Reklame für ihre Theorie der Einigung durch Despotie. An wen richtet sich ihr Geschrei? Wird auch nur ein einziger patriotisch gesinnter, ehrlicher Chinese auf sie hören? Nachdem das Volk sechzehn Jahre Herrschaft von Militärmachthabern des Nordens und achtzehn Jahre Kuomintang-Diktatur durchgemacht hat, besitzt es reichlich Erfahrung und Scharfblick. Es will die demokratische Einigung durch die Volksmassen und keine despotische Einigung durch einen Diktator. Wir Kommunisten haben bereits im Jahre 1936 den Kurs der antijapanischen nationalen Einheitsfront vorgeschlagen und haben seitdem keinen einzigen Tag den Kampf darum unterbrochen. Im Jahre 1939, als die Kuomintang die reaktionären "Maßnahmen zur Einschränkung der Tätigkeit fremder Parteien" durchführte und dadurch die Gefahr der Kapitulation, der Spaltung und des Rückschritts heraufbeschwor, als sie ihre Theorie von der despotischen Einigung hinausschrie, erklärten wir wiederum: Es muß eine Einigung sein, die nicht auf die Kapitulation, sondern auf den Widerstandskrieg, nicht auf die Spaltung, sondern auf den Zusammenschluß, nicht auf den Rückschritt, sondern auf den Fortschritt basiert ist. Nur eine solche Einheit ist die wahre Einheit, jede andere Einheit ist eine Pseudo-Einheit.9 Seitdem sind weitere sechs Jahre vergangen, aber das Problem ist das gleiche geblieben.

Ist eine Einheit überhaupt möglich, wenn das Volk keine Freiheit und keine Demokratie besitzt? Sobald es beides hat, wird die Einheit erreicht sein. Die Bewegung des chinesischen Volkes für Freiheit und Demokratie sowie für eine Koalitionsregierung ist gleichzeitig eine Bewegung für die Einheit. Wenn wir in unserem konkreten Programm eine Reihe Forderungen nach Freiheit und Demokratie sowie die Forderung nach einer Koalitionsregierung erheben, haben wir damit auch die Einheit zum Ziel. Es sagt einem einfach schon der gesunde Menschenverstand: Ohne die Diktatur der volksfeindlichen Clique in der Kuomintang zu beseitigen und eine demokratische Koalitionsregierung zu bilden, wird es nicht nur unmöglich sein, irgendwelche demokratischen Reformen in den Kuomintang-Gebieten durchzuführen oder dort Armee und Bevölkerung zur Niederschlagung der japanischen Aggressoren zu mobilisieren, sondern es wird auch das Unheil eines Bürgerkriegs folgen. Weshalb fordern denn so viele Demokraten mit oder ohne Parteizugehörigkeit, einschließlich vieler von der Kuomintang, einmütig die Bildung einer Koalitionsregierung? Gerade weil sie sich über die gegenwärtige Krise im klaren sind und begreifen, daß es keinen anderen Weg gibt, sie zu überwinden sowie den Zusammenschluß zum Kampf gegen den Feind und zum Aufbau des Landes zu erreichen.

5. Die Armee des Volkes.

Ohne eine Armee, die den Standpunkt des Volkes vertritt, ist es für das chinesische Volk unmöglich, Freiheit und Einheit zu gewinnen, eine Koalitionsregierung zu bilden, die japanischen Aggressoren endgültig niederzuschlagen und ein neues China aufzubauen. Gegenwärtig sind nur die zahlenmäßig nicht sehr starken Streitkräfte der befreiten Gebiete, die Achte Route-Armee und die Neue Vierte Armee, die einzigen Streitkräfte, die konsequent auf diesem Standpunkt stehen. Das genügt bei weitem nicht. Die volksfeindliche Clique in der Kuomintang zermartert sich jedoch den Kopf darüber, wie