
   18. August 1998Jungle World
  Kosovo ohne Brebeck und Rathfelder 
            Kunstgriffe der Branche  
            Von Horst Pankow  
            Darf man das? Sollte man das drfen wollen? Sich freuen, als einer, 
            dem staatliches Treiben stets Unbehagen, Ekel und bestenfalls 
            Herablassung abntigt? Sich freuen ber staatliche Willkr, ber 
            Ausweisung und Einreiseverbot?  
            Darf man eigentlich nicht. Sollte man eigentlich auch nicht drfen 
            wollen, selbst wenn Auenminister Klaus Kinkel einen staatlichen 
            Protest gegen die "Bedrohung der Pressefreiheit" in die 
            Nachrichtenkanle schickt. Oder meint da jemand, Wollen und Sollen 
            habe auch etwas mit den Adressaten von staatlicher Willkr zu tun?  
            Ende letzter Woche wurden Friedhelm Brebeck und sein 
            ARD-Aufnahmeteam von jugoslawischen Offiziellen an die mazedonische 
            Grenze geleitet und aus dem Kosovo in ein "sicheres Drittland" 
            abgeschoben. Fr echte Kosovaren kein ungewhnliches Schicksal, 
            allerdings werden die meist aus Deutschland in ein "sicheres 
            Drittland" - wenn nicht gleich in die "Heimat" - abgeschoben. Doch 
            die deutschen Wahl-Kosovaren hatten in Jugoslawien weder Asyl noch 
            Sozialhilfe bantragt. Sie waren lediglich serbischen Greueltaten auf 
            der Spur.  
            Brebeck und seinen Leuten wird vorgeworfen, sie htten ein Haus 
            anznden lassen, um das flammende Inferno im deutschen Fernsehen als 
            Dokument "ethnischer Suberungen" durch die Serben zu vermarkten. 
            Jedenfalls beinhaltet der Vorwurf eine Verletzung der Prinzipien 
            sogenannter journalistischer Ethik. Und dafr sind deutsche 
            Kriegsberichterstatter nicht zu haben. Oder?  
            Als vor zwei Jahren Michael Born als Sndenbock nicht nur in die 
            mediale Wste, sondern gleich ins Gefngnis geschickt wurde, ging 
            eine Welle von Gestndniszwang durch die deutsche Medienlandschaft. 
            Da derartige "branchenblichen Kunstgriffe" (Sddeutsche Zeitung) 
            vielfach gang und gbe sind, wollte niemand abstreiten. Schuld waren 
            die blichen Verdchtigen - Stre bei der Arbeit, Sensationsgier des 
            Publikums und vor allem die privaten "Schmuddelkanle".  
            In den Hintergrund geriet, da Born nicht nur Private, sondern auch 
            die ARD beliefert hatte, und bergangen wurde der politische Nutzen 
            mancher Fakes: Wenn z.B. die von Born gefilmten 
            Ku-Klux-Klan-Umtriebe in der deutschen Provinz nicht aufgeflogen 
            wren, htte auch ein Teil des heimischen Rassismus als weniger 
            deutsch denn als US-Import verkauft werden knnen.  
            Der politische Nutzen der Brebeckschen Reportagen lag stets auf der 
            Hand. Was immer auch auf den TV-Bildern zu sehen war, die knarzige 
            Stimme des ARD-Mannes verkndete jahrelang nichts anderes als die 
            jedem guten Deutschen selbstverstndlich gelufige Wahrheit ber die 
            Serben und das "Versagen" der internationalen Gemeinschaft. Brebecks 
            Produkte waren oft genug Aufforderungen zur Intervention, 
            Ermunterungen zu friedensstiftendem Mord und Totschlag auf dem 
            Balkan.  
            Noch offener arbeitete der taz-Reporter Erich Rathfelder auf 
            jugoslawischem Boden fr die Zerstrung Jugoslawiens (vgl. Jungle 
            World, Nr. 33/98). Das gegen ihn ebenfalls letzte Woche verhngte 
            Einreiseverbot offenbarte geradezu Langmut.  
            Leute wie Brebeck und Rathfelder sind nicht nur Wnschelrutengnger 
            fr zuknftige deutsche Interventionen auf dem Balkan. Ihre 
            Publizistik trgt auch dazu bei, da die Welt noch ein wenig mieser 
            wird, als sie ohnehin schon ist. 
            
            
             
  
