
   29.Juli 1998Jungle World
  Interview mit dem Premier der Kosovo-Albaner, Bujar Bukoshi 
            "Wir schicken nur Geld" 
             Amerikanische Geheimdienstquellen bezeichnen Sie als Untersttzer 
            der UCK. Sehen Sie das als Kompliment oder als Beleidigung? Eher als 
            ein Kompliment. Das ist mein legaler Job: Meine Regierung betrachtet 
            die UCK als eine Realitt, als Reaktion auf die serbischen 
            Provokationen, als Ausbung des Widerstandsrechts gegen eine 
            unrechtmige Staatsgewalt.  
            Untersttzt Ihre Regierung auch die UCK? 
             Meine Regierung untersttzt unsere Republik Kosova. Es geht um 
            unser berleben. Unser "Fonds der Republik Kosova" schickt Geld, um 
            zu helfen. 
             Auch an die UCK? 
             Nein, an die UCK nicht, meine Regierung kauft keine Waffen, wir 
            schicken Geld. 
             Nach der FAZ haben Sie bei einer Veranstaltung in Tirana auf die 
            Frage, welche Mittel Sie gegen die Serben untersttzten, zweimal 
            geantwortet: "Alle Mittel." 
             Ich erinnere mich nicht, da ich von militrischen Mitteln 
            gesprochen habe, denn ich bin kein Militr, sondern ein 
            Ministerprsident. Ich habe gesagt, und das sage ich noch heute: 
            Meine Regierung wird alles tun, damit wir uns verteidigen knnen, 
            weil wir es jetzt mit einer klassischen Aggression zu tun haben.  
            Die Steuereinnahmen, die Ihre Regierung von Kosovo-Albanern in 
            Deutschland erhebt, sollen sich jhrlich auf zehn Millionen Mark 
            belaufen. Von Steuereinnahmen wrde ich in diesem Zusammenhang nicht 
            sprechen. Fr unseren Fonds werden Spenden auf freiwilliger Basis 
            gesammelt, und zwar in Hhe von drei Prozent des jeweiligen 
            Einkommens. Die Leute machen das gerne, die Spenden sind Ausdruck 
            des starken Solidarittsgefhls der Albaner, das es schon immer gab, 
            das aber jetzt, wo es den Brdern und Schwestern in Kosova sehr 
            schlecht geht, noch grer geworden ist. 
             Die Bundesregierung ist von der Freiwilligkeit bei dieser 
            Geldsammlung offensichtlich nicht berzeugt. Jedenfalls hat 
            Auenamtssprecher Erdmann dem "Prsidenten" der Kosovo-Albaner, 
            Herrn Rugova, dazu einige kritische Fragen gestellt. 
             Wir agieren absolut transparent: Wir sind offiziell registriert, 
            unsere Gelder laufen ber Banken, und das Finanzamt hat uns mehrfach 
            berprft. Auerdem sind wir uns bewut, da wir die Gesetze 
            beachten mssen. 
             In der Balkan-Kontaktgruppe sieht man das anders. Auf ihrem letzten 
            Treffen hat sie beschlossen, alle Staaten aufzufordern, die Sammlung 
            von Geld fr den Kosovo-Untergrundkampf zu unterbinden. 
             Die Kontaktgruppe beginnt langsam, ihren Kontakt mit der Realitt 
            in Kosova zu verlieren. Wenn eine solche Empfehlung so leichtfertig 
            gegeben wird, mu das doch begrndet werden. Was unseren Fonds 
            angeht: Wir sammeln seit ber sechs Jahren auf freiwilliger Basis 
            Geld. Wir schicken es nach Kosova, um den berlebenskampf zu 
            untersttzen. Mit anderen Worten: Wenn es diesen Fonds nicht gbe, 
            mten die europischen Lnder mit der zwei- bis dreifachen Zahl von 
            Asylbewerbern aus Kosova rechnen, und die Bundesrepublik ist davon 
            bekanntlich am meisten betroffen.  
            Es gibt noch einen zweiten Fonds in der Bundesrepublik, fr den Sie 
            nicht verantwortlich sind, der ganz offen Gelder fr den bewaffneten 
            Kampf im Kosovo sammelt, und zwar den der "Demokratischen 
            Vereinigung der Albaner in Deutschland". 
             Fr diese Sammlung trage ich keine Verantwortung. 
             In Serbien hat sich ein neues Oppositionsbndnis gegrndet, die 
            "Allianz fr den Wechsel". Angefhrt wird es von Zoran Djindjic von 
            der Demokratischen Partei und dem neuen montenegrinischen 
            Ministerprsidenten Djukanovic. Wre das nicht ein Ansprechpartner 
            fr Sie? 
             Bisher ist das nur eine PR-Aktivitt. Leider gibt es bisher in 
            Serbien keine Opposition, die diesen Namen verdient. Der erste Test 
            fr eine Demokratisierung Serbiens wre, da Serbien Kosova die 
            Unabhngigkeit gewhrt.  
            Der kosovo-albanische Oppositionspolitiker Vllasi beteiligt sich 
            jetzt schon an der "Allianz fr den Wechsel". Mssen nicht die 
            Vernnftigen beider Seiten zusammenfinden? 
             Ich wrde nicht zwischen vernnftigen und unvernnftigen Serben 
            unterscheiden, auch nicht umgekehrt zwischen vernnftigen und 
            unvernnftigen Albanern. Die Serben sind die Serben, und die Albaner 
            sind die Albaner. Im brigen finde ich nichts Schlimmes daran, da 
            es solche bilateralen Aktivitten gibt. Aber bei meinen Landsleuten 
            gibt es ein hohes Ma an bereinstimmung, da wir die Unabhngigkeit 
            wnschen, und das wird auch Vllasi jederzeit sagen.  
            Interview: Jrgen Elssser 
            
            
             
  
