
    
 10. Februar 1999Jungle World
    

             
            Schnelle Truppe 
             
            Die Bundeswehr wird grn Bundeswehr - Leben am Limit
            Verteidigungsminister Scharping beordert erstmals in der Geschichte 
            der Hardthhe 30 Kampfpanzer in einen Auslandseinsatz  
            Manchmal ist es schon bengstigend, wie Medien und Politik sich 
            ergnzen. Da will sich die Bundesluftwaffe gerade mit 14 
            Tornado-Jets an Luftangriffen der Nato gegen die Serben im Kosovo 
            beteiligen - und schon prsentiert ProSieben ab 21. Februar den 
            Pilotfilm zur ersten Bundeswehr-Serie im deutschen Fernsehen. Die 
            Zeit fr "Jets - Leben am Limit" war reif. Hier darf Andreas "Gute 
            Zeiten, schlechte Zeiten" Elsholz neun Folgen lang als 
            Sympathietrger die Charakterrolle des blutjungen Tornado-Piloten 
            Robin Amberg geben. Bis einen Tag vor Serienstart haben Milosevics 
            Unterhndler und Kosovo-Albaner nach dem Ultimatum der Nato Zeit, 
            sich im franzsischen Schlchen Rambouillet auf eine Friedenslsung 
            mit weitgehender Autonomie des Kosovo zu einigen. Bei einem 
            Scheitern drohen erneut Luftangriffe - 125 Minuten Bundeswehr-"Top 
            Gun" sind bereits jetzt garantiert.  
            Derweil laufen auf Weisung von Verteidigungsminister Rudolf 
            Scharping Vorbereitungen zur Verstrkung der Bundeswehrstreitmacht 
            in Mazedonien. Er hatte betont, da ein Militreinsatz im Kosovo 
            auch ohne vlkerrechtliche Grundlage durch ein Uno-Mandat mglich 
            sei. Der Minister und Kanzler Gerhard Schrder erklrten mehrfach 
            sozusagen blanko, da Schritte der Nato-Partner "ohne jede 
            Einschrnkung" auch von der Bundesregierung untersttzt werden 
            wrden. Erstmals wird dabei durch die Bundeswehr der Einsatz von 30 
            Kampfpanzern Leopard II und 20 Schtzenpanzern Marder, die jeweils 
            eine Gruppe Panzergrenadiere transportieren knnen, im Rahmen einer 
            bis zu 35 000 Mann starken "Nato-Friedenstruppe" geplant.  
            Offiziell wurden von der Hardthhe fr das zu entsendende 
            "verstrkte Bataillon" keine speziellen Einheiten benannt. Das sei 
            vor Ende der Verhandlungen in Rambouillet gar nicht mglich. Das 
            Einsatzspektrum - von einem Nato-Kontingent zur langjhrigen 
            Absicherung eines Friedensvertrages ber die schnelle Rettung der 
            bis zu 2 000 OSZE-Beobachter vor Luftangriffen bis hin zur 
            militrischen Durchsetzung eines Waffenstillstands im Kosovo - sei 
            zu vielgestaltig.  
            Doch die Verstrkung luft genau genommen bereits seit Mitte Januar. 
            Zu diesem Zeitpunkt wurden acht spezielle ECR-Tornados zur 
            Bekmpfung von Radarstellungen der Luftabwehr vom 
            Jagdbombengeschwader 32 in Kloster Lechfeld ins norditalienische 
            Piacenza verlegt. Damit sind dort derzeit 14 deutsche Tornados mit 
            350 Mann Bodenpersonal stationiert. Die anderen sechs 
            RECCE-Aufklrungs-Tornados stammen aus dem Geschwader 51 in Jagel, 
            das bei simulierten Luftkmpfen vor der ostfriesischen Kste erst 
            Ende Januar zwei Maschinen verloren hatte.  
            Aber auch die zwei nun zur Verstrkung der "Extraction Force" 
            vorgesehenen Kompanien mit Leopard-Panzern, die zwei Kompanien mit 
            den Schtzenpanzern Marder, die Mrserkompanie sowie eine leichte 
            Kompanie mit dem Sphpanzer Luchs und dem Transportpanzer Fuchs 
            mssen intern lngst ausgewhlt worden sein. Immerhin trafen sich 
            letztes Wochenende Offiziere der fr den Einsatz auserkorenen 
            Verbnde des II. Korps aus Ulm mit den fr die vier- bis fnfwchige 
            Ausbildung auf den bungspltzen in Munster und Bergen-Hohne 
            Verantwortlichen der 14. Division aus Neubrandenburg. Eine erste 
            Einsatzbesprechung fr die Vorbereitung des verstrkten Bataillons 
            war angesagt.  
            Die drei Szenarien, mit denen die Bundeswehr entsprechend der 
            Nato-Strategien konfrontiert werden knnte, sind dabei denkbar 
            unterschiedlich. Nach einem Friedensabkommen etwa wrden 35 000 
            Soldaten Umsetzung und Einhaltung des Waffenstillstands durchsetzen 
            mssen. Diese Aufgabe wrde sich mit der der Sfor-Truppe in Bosnien 
            decken. Verteidigungsminister Scharping hatte angekndigt, zehn 
            Prozent eines solchen Kontingents zu stellen, sprich 3 000 Mann.  
            60 000 Mann knnten ntig werden, wenn Serben und Kosovo-Albaner 
            sich nur zu einer Feuerpause bereiterklren wrden, der Status der 
            Provinz aber umstritten bliebe. Auch hier wrden die Truppen nach 
            Zustimmung der jugoslawischen Regierung stationiert werden.  
            Bei einer Fortsetzung der Kmpfe will die Nato nach bisherigen 
            Planungen allerdings durch Luft- und Bodenangriffe mit 200 000 
            Soldaten den Widerstand der jugoslawischen Armee und der UCK 
            gewaltsam brechen.  
            Vorerst wird die Bundeswehr ihr Kontingent in Mazedonien auf 
            insgesamt 3 000 Mann verstrken. In Tetovo, zehn Kilometer von der 
            Grenze zum Kosovo, sind bislang 270 Soldaten stationiert, die mit 
            unbemannten Aufklrungsdrohnen CL-289 Truppenbewegungen im Kosovo 
            aufklren. Daneben warten 190 Gebirgsjger und Panzeraufklrer mit 
            den Fuchs- und Luchs-Panzerwagen bislang darauf, im Notfall mit 
            insgesamt 1 800 Nato-Soldaten der "Extraction Force" unbewaffnete 
            OSZE-Beobachter aus dem Krisengebiet zu evakuieren. Die bald 3 000 
            Mann in Tetovo knnten nach Ansicht Scharpings im Falle eines 
            Friedensvertrages flieend in eine Truppe zur Umsetzung des 
            Abkommens umgewandelt werden.  
            Die Ausrstung mit besagten 30 schweren Kampfpanzern taugt 
            allerdings nur fr massive Kampfeinstze gegen die jugoslawische 
            Bundesarmee. Billig wird der Einsatz nicht. Allein die angemietete 
            Kaserne in Tetovo kostet 200 000 Mark im Monat, ein Drohnen-Start 80 
            000 Mark. Zwei Flge je Woche sind ntig. So summierte sich der 
            Sfor-Einsatz in Bosnien im vergangenen Jahr auf 350 Millionen Mark. 
            Fr das Jahr 1999 waren 499 Millionen Mark eingeplant, doch zwei 
            parallel laufende Einstze in Bosnien und im Kosovo mit zusammen 6 
            000 Mann drften die Kosten fr den Verteidigungshaushalt nach 
            ersten Schtzungen auf eine Milliarde Mark anwachsen lassen.  
            Allein aus dem bereits um 250 Millionen Mark gekrzten 
            Verteidigungshaushalt wird das nicht mehr zu bezahlen sein. Zumal 
            die US-Amerikaner nur 2 000 bis 4 000 Soldaten ber den Teich 
            schicken werden. US-Prsident William Clinton besteht darauf, da 
            die Europer, also auch die Deutschen, den Groteil der Truppen 
            eines Einsatzes stellen mten. Die Aussicht, neben den 2 500 Mann 
            in Bosnien, den 350 Mann in Piacenza und den bald 3 000 Soldaten im 
            Kosovo das 35 000-Mann-Kontingent mit weiteren Einheiten auffllen 
            zu mssen, wird die Einsatzfreude in Bonn heben.  
            Das deutsche 3 000-Mann-Kontingent in Tetovo wird brigens vom Stab 
            der 12. Brigade unter Oberst von Korff gefhrt. Der sitzt in Amberg. 
            Und da wren wir wieder bei Andreas Elsholz - bald in der Rolle des 
            Tornado-Piloten Robin Amberg.  
                 Peter Kleinert 
            
            
             

